Wiederansiedlung des Kaspischen Tigers geplant

Kryptide, die nicht zur Hominologie oder Dracontologie gehören

Wiederansiedlung des Kaspischen Tigers geplant

Beitragvon Marozi » 09.01.2010 17:32

Der Kaspische, auch Turan- oder Persische Tiger (Panthera tigris virgata) genannt, war von der östlichen Türkei und dem Kaukasus bis zu den Bergen von Kasachstan und Sikiang in China verbreitet. Beginnend Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Kaspische Tiger in seinem großflächigen Verbreitungsgebiet systematisch durch den Menschen vertrieben. 1922 wurde der letzte Tiger im Kaukasus getötet, 1948 der vermutlich letzte in China, auch wenn es Berichte aus den sechziger Jahren über ein Tier aus den Tian Shan-Bergen gibt. Das Aussterben verlief also unterschiedlich schnell in den einzelnen Gebieten, daher ist ein exaktes Datum des Aussterbens der gesamten Unterart nicht benennbar. Viele hegten deshalb die Hoffnung, dass der Kaspische Tiger womöglich doch noch lebt. Diese Hoffnungen wurden durch entsprechende Berichte aus der Türkei, Afghanistan und Aserbaidschan genährt. So kamen 1970 Berichte über einen getöteten, jungen Tiger aus Uludere, einer Unterprovinz von Hakkari in der Türkei, auf. Drei Jahre später bereiste ein Botanist die Region und fotografierte ein Tigerfell, doch leider wurde diese Fotografie nicht konkret ausgewertet. 2004 unternahm der WWF-Türkei zum ersten Mal den Versuch einer Bestandsaufnahme der Fauna in der östlichen Türkei. Hierzu wurde im ersten Anlauf ein Fragebogen entworfen, der an 450 Militärposten versandt und in Kooperation mit den lokalen Einwohnern ausgefüllt wurde. Neben der allgemeinen Frage nach größeren Säugetieren in der Region enthielt der Bogen auch Fragen zur historischen Verbreitung des Tigers. Das Ergebnis erstaunte die Mitarbeiter des WWF, denn einige Militärs und Einheimische berichteten über Gerüchte, dass große Katzen in der Region präsent seien. Einige Einwohner aus unterschiedlichen Teilen des Gebietes wollten sogar entsprechendes Brüllen gehört haben. Bis in die mittleren achtziger Jahre bestand zudem angeblich ein reger Handel mit Tigerfellen. Drei bis acht Tiger wurden demnach jedes Jahr getötet und deren Pelz in den Irak exportiert. Sofern also 1970 noch eine Population bestand, so die Hoffnungen türkischer Forscher, könnten die Tiger möglicherweise bis in die frühen 90ziger Jahre überlebt haben. Leider gibt es bis dato jedoch keine weiteren Berichte über Tiger in der östlichen Türkei.

Nachdem neuere molekularbiologische Forschungen darauf hinweisen, dass die Unterart mit dem Sibirischen Tiger (P. t. altaica) quasi identisch ist und das Verbreitungsgebiet der beiden Populationen möglicherweise erst durch den Menschen getrennt wurde, legt man neue Hoffnungen in eine Wiederansiedlung. Um diese Pläne zu besprechen begab sich eine Delegation unter Führung von Sergey Donskoy, Deputy Minister of Natural Resources and Ecology of the Russion Federation, bereits letzte Woche nach Teheran. Die Iraner teilten dort mit, man wolle im nördlichen Landesteil den "Kaspischen Tiger" mit Hilfe des genetisch nur minimalst unterschiedlichen Sibirischen Tigers wieder ansiedeln.

"In diesen Bergen gibt es zwei Arten von Löwen. Da ist der simba und da sind die marozi. Diese marozi sind keine Löwen. Da ist der Leopard und da ist der Gepard. Da ist der Löwe und da ist der marozi."

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Re: Wiederansiedlung des Kaspischen Tigers geplant

Beitragvon Marozi » 25.04.2010 14:11

Wie die Fars-Nachrichtenagentur berichtete, erreichte bereits am Freitag ein männlicher und ein weiblicher Sibirischer Tiger (Panthera tigris altaica) den Eram Zoo in Tehran. Das Pärchen ist eines der ersten, die im Iran ausgewildert werden sollen. Am 20. Februar 2010 unterschrieben der Iran und Russland entsprechende Verträge, wonach Russland dem Iran die Tiger zur Wiederansiedlung und im Gegenzug der Iran Russland für denselben Zweck Leoparden überlässt. Die beiden Tiger sollen nahe der Stadt Miankaleh in der nördlichen Provinz Mazandaran freigelassen werden. In dieser nördlichen Gegend wurden die "Mazandaran-Tiger" (ein lokaler Name für den Kaspischen Tiger, P. t. virgata) vor mehr als vierzig Jahren das letzte Mal gesichtet. Das Pärchen findet hier nach iranischen Experten ideale Lebensbedingungen und wird aufgrund ihrer Bedeutung streng überwacht durch ein iranisch-russisches Forschungsteam. Man hofft letztlich eine Population von 50 bis 60 Tieren etablieren zu können.

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Re: Wiederansiedlung des Kaspischen Tigers geplant

Beitragvon Hillbilly » 08.08.2010 11:12

Hallo.

Ich möchte mich dazu mal skeptisch äußern. Es wäre zwar schön, wenn so ein prachtvolles Tier sich wieder ansiedeln könnte, aber... Der sibirische Tiger ist durch Wilderei vom Aussterben bedroht, und so wie es aussieht, ist der kaspische Tiger entweder schon ausgerottet oder steht kurz davor. Zu einer überlebensfähigen Population gehören weit mehr Tiere als nur 60, sonst bildet sich ein genetischer Flaschenhals. Das Projekt, so gut es gemeint ist, wird wahrscheinlich scheitern. Wäre natürlich schön, wenn ich hier widerlegt würde.
Auch, wenn das Projekt überwacht wird, gibt es immer noch die Möglichkeit, dass irgendwann Wilderer zuschlagen, und gerade in Ländern, wo Umwelt- und Naturschutz nicht oder kaum bekannt sind, dürften sich Schwierigkeiten ergeben.
Offtopic: Selbst in Deutschland werden immer wieder aus den fadenscheinigsten Gründen oder aus Prestigesucht Tiere abgeschossen, besonders gern Wölfe - und wie man sehen konnte, vor ein paar Jahren auch ein Goldschakal. ch persönlich nehme an - Achtung, eigene Hypothese - dass nicht nur die offiziellen Waidmänner das tun, sondern dass es auch eine Dunkelziffer durch Wilderei gibt.

Hillbilly
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