Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Kryptide, die nicht zur Hominologie oder Dracontologie gehören

Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Marozi » 18.02.2011 10:18

Die Fossa (Cryptoprocta ferax) ist ein nur auf Madagaskar vorkommendes Raubtier, dessen taxonomische Einordnung lange Zeit schwierig und unterschiedlich war. Mittlerweile wurde sie zu den Katzenartigen (Feloidea) in die eigene Familie der Madagassischen Raubtiere (Eupleridae) eingeordnet. Grob beschrieben gleicht die Fossa einem dunkleren, sehr kurzbeinigem Puma. Der Körper ist schlank und zwischen 1,4 und 1,7 Meter lang (der Schwanz ist dabei beinahe so lang wie der restliche Körper) bei einem Gewicht zwischen 7 bis 12 Kilogramm. Die Tiere leben hauptsächlich in Wäldern und meiden unbewaldete Gebiete wie das gerade vom Menschen gerodete Hochland eher, wobei ihr Verbreitungsgebiet durch dessen Einfluss auch stark zersplittert ist.

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Die Zukunft der Art scheint auch nach Ansicht von Mia-Lana Lührs von der Universität Göttingen unsicher. In den letzten drei Jahren verzeichnete sie einen merklichen Rückgang im von ihr beobachteten Kirindy-Gebiet im Westen der Insel, einem bislang stabil gehaltenen Rückzugsgebiet der Tiere. Waren es 2007 noch achtzehn Männchen die sich zu Paarungszwecken an einem bestimmten Baum einfanden, zählte sie 2008 noch vierzehn und 2009 nur noch zehn. Im letzten Jahr waren es nur zwei am Baum und sieben gesichtete im Wald, insgesamt also neun. Geschätzt leben nur etwa dreißig Fossa beiderlei Geschlechter in Kirindy, was bei einem Gebiet dieser Größe relativ wenige Individuen wäre. Ein großes Problem ist der Einfluss des Menschen. Die Nutzung von Körperteilen für die traditionelle Medizin, die Zerstörung des Habitats und daraus auch resultierend Konflikte im direkten Kontakt. Eine Umfrage ihres Kollegen Moritz Rahlfs in den Dörfern um Kirindy ergab, dass in nur acht Dörfern zwölf Tiere getötet wurden um Hühner zu schützen. Im nordöstlichen Madagaskar, so Christopher Golden von der University of California, werden sie als Nahrungsquelle von 55 bis 60 Prozent der Dörfer gejagt. Lührs fürchtet daher, die Fossa könnte bald ausgestorben sein (BBC-News).

Bereits ausgestorben ist die Riesenfossa (Cryptoprocta spelea), wobei der genaue Zeitraum unbekannt ist. Vermutet wird ein Aussterben in prähistorischer Zeit, möglicherweise durch das Aussterben größerer Beutetiere oder den Einfluss des Menschen. Die Riesenfossa war bis zu zwei Metern lang bei einem Gewicht von bis zu 17 Kilogramm.

Bild
Verbreitungsgebiet C. ferax und Fundorte C. spelea (blau: C. spelea; grün: C. ferox u. C. spelea; rot: C. ferox)

Es gibt allerdings Vermutungen und Gerüchte, dass C. spelea womöglich doch noch existiert. Der französische Gouverneur Étienne de Flacourt schrieb 1658 in seinem Werk „L’Histoire de la Grande Île de Madagascar“: „Antamba, ein Raubtier wie ein großer Hund mit einer runden Schnauze, das nach Berichten der Neger einem Leoparden ähnelt und Mensch wie Vieh frisst. Dieses Tier sei sehr selten und nur in den einsamsten Bergregionen zu finden.“ Karl Shuker berichtet, dass der Ökologe Luke Dollar aufgrund der fortwährenden Berichte über Antamba im November 1999 die nordöstliche Region von Madagaskars Zahamena-Nationalpark durchsuchte, wo es angeblich diese Kryptide geben solle. Gefunden hat er bis dato leider nicht, zumindest bis 2005 gab er die „wilde Hoffnung“ nicht auf und platzierte auch in abgelegenen Waldgegenden Kamerafallen.
In einem Beitrag der Publikation Zoosystema des Muséum national d’Histoire naturelle Paris (Goodman, S. M., Rasoloarison, R. M. and Ganzhorn, J. U. 2004. On the specific identification of a subfossil Cryptoprocta (Mammalia, Carnivora) from Madagascar. Zoosystema 26 (1): 129-143) berichten die Autoren, dass es in verschiedenen Gebieten der Insel Einheimische gibt die von zwei lebenden Formen von Cryptoprocta sprechen. Der größeren fosa mainty oder „schwarzen Cryptoprocta“ und der kleineren fosa mena oder „rötlichen Cryptoprocta“. Zudem gebe es Berichte aus dem Südwesten über eine weißlichen Typ (Decary, R. 1950. La faune malgache: son rôle dans les croyances et les usages indigènes. Payot, Paris, 236 p.). Unklar bliebe dabei aber, ob diese Unterschiede durch sexuelle oder Altersunterschiede oder genereller Variation in C. ferox herrühren. Oder ob tatsächlich zwei Arten von Cryptoprocta hierfür verantwortlich sind. Louvel berichtet 1954 (Louvel, M. 1954. Quelques observations sur le “fosa”. Bulletin de l’Academie malgache 31: 45-46.): „Im Wald von Morondava haben wir in einem Hühnerstall eine zwei Meter lange Fossa gefangen, die dreißig Kilogramm wiegt.“ In dieser Region allerdings, merken die Autoren Goodman, Rasoloarison und Ganzhorn an, hat der Forscher C. E Hawkins 1998 fast 30 Fossa gefangen die alle in die morphologische Reihe von C. ferox passen. Genetische Forschungen mit Proben aus verschiedenen Gebieten der Insel und subfossiles Material von C. spelea könnte die Existenz einer zweiten Art dieser Gattung offenbaren.

Bis dato gibt es keine neuen Hinweise hierauf.

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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Cronos » 18.02.2011 15:21

Kleine Anmerkung zur Größe, die "Riesenfossa" war gar nicht mal so groß, auf gar keinen Fall zumindest 2-3(!) Meter. Anhand der Größe des Schädels, Hochrechnungen und Vergleichen anhand von lebenden Fossas und Raubtieren mit ähnlichem Körperbau kann man eine recht gute Vorstellung über Größe und Gewicht bekommen. Die Riesenfossa war größenmäßig etwa so groß wie eine Asiatische Goldkatze oder ein kleiner bis höchstens mittelgroßer Nebelparder. Selbst mit einem langen Schwanz kommt man da kaum über zwei Meter Gesamtlänge.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Marozi » 18.02.2011 18:43

Drei Meter war übertrieben, mein Fehler (quasi aus der Hüfte geschoßen der Artikel). Aber bei zwei Metern will ich nachhaken. Ich gebe zu, ich habe nicht alle Literatur hierzu durchgelesen aber ich halte mich mal an Wikipedia (nicht immer die zuverlässigste Quelle, aber doch in diesem Fall die Angaben zumindest entsprechend belegt). Dann bleibt, dass Schädel von C. spelea 1.07 bis 1.32 so groß wie waren wie die von C. ferox. Rein rechnerisch umgelegt auf die gesamte Körperlänge (bei einer gleichartigen Körpererscheinung) wären das bei einer großzügigen Gesamtlänge von C. ferox von 1,7 Meter 2,21 Meter. Das wären 41 Zentimeter über der Goldkatze (1,5 Meter) und 31 über dem Nebelparder (1,9 Meter). Natürlich ist das die Extreme, nicht der aktuell verfügbare Schnitt.

Wie dem auch sei, angesichts der Lage, in der sich bereits die Fossa befinden, erscheint mir eine rezente Existenz der Riesenfossa fragwürdig.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Cronos » 19.02.2011 15:34

Wenn man bedenkt dass der Schädel von C. spelea nur 16 cm groß war, was ziemlich genau der Schädelgröße von Nebelparden entspricht, wird das ganze Tier wahrscheinlich auch nicht sehr viel größer gewesen sein, selbst wenn der Schwanz ziemlich lang war. Leider ist es extrem schwer gute Daten über die Maße von Fossas zu kriegen, und auch in der Beschreibung der Art ist leider nicht so arg viel zu holen.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Vogel Greif » 20.02.2011 23:55

Der "Riesenfossa" droht auch aus Gründen jenseits von Habitatsverlust und menschgemachter Ökokrise das Vergessen:
Als eigene Spezies hat es sie wohl nie gegeben, Köhnke und Leonhardt (siehe dort http://www.science.smith.edu/departments/Biology/VHAYSSEN/msi/pdf/i0076-3519-254-01-0001.pdf ) bestreiten 1986 den Artstatus und legen dar, dass alle vermeintlichen Spezies in ein morphologisches Kontinuum fallen. Der aktuelle Walker's Mammals geht auch nur von einer einzigen Spezies im Holozän aus, folgt also den beiden.

Es ist wohl so, dass die Fossa wie viele Raubtiere, die die Ankunft des Menschen in ihr Ökosystem überlebt haben, als Spezies an Größe verloren hat und die Fossilien/Subfossilien nur das breitere Spektrum an Größen-Variation vergangener Zeiten abbilden.

Geht de Flacourt eigentlich auf die Fossa als solche ein? Mir scheint es nämlich, dass mit dem Antamba einfach Cryptoprocta ferox als solche gemeint ist, für eine mögliche Riesenform sehe ich in der Beschreibung keinen Hinweis.

Beste Grüße
In dieser Hinsicht ließe sich viel erzählen von geheimnisvollen Tieren, deren Papierdasein sich so ziemlich über den ganzen Erdball erstreckt hat.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Marozi » 21.02.2011 14:05

Ich liebe wissenschaftliche Dispute und Unklarheiten... Goodman, Rosoloarison und Ganzhorn bestätigen C. spelea 2004 trotz der Bedenken von Köhnke und Leonhardt. Die IUCN folgt dem und listet 2010 die Art als valid. :wink:

Für die Frage mit de Flacourt muss ich erst meine französischsprachige Fachabteilung (mein Chef und unser Amtsbote) bemühen, dass kann ein wenig dauern.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Vogel Greif » 21.02.2011 17:44

Hallo Marozi,
danke für das sehr interessante Paper.
Goodman et al. begehen m.M.n. aber einen systematischen Fehler bei ihrer Untersuchung:
Da die subfossilen Überreste keine morphologisch eindeutig verschiedenen Merkmale tragen werden sie wie folgt zugeordnet:
In order to distinguish specimens in the subfossil sample that should not be assigned to C. ferox we used the measurements for modern adult C. ferox to calculate normal distributions for the various characters.

Das ist in etwa das selbe Vorgehen, als wenn man folgendermaßen die Existenz einer zweiten kleineren Menschenart im Mittelalter belegen möchte:
Wir nehmen die heutige Größenverteilung (die gleichmäßig nach rechts verschoben ist) und ordnen demnach die wenigen Menschen auf einem mittelalterlichen Friedhof, die in diese Bandbreite fallen, H.sapiens zu. Dann vergleichen wir die entstehenden Samples und siehe da, wir bekommen auf einmal ziemlich ähnliche Werte.
However, for both the groups of tooth and long bone variables there is overlap between a subset of the subfossil and recently col- lected specimens.
Genau was zu erwarten ist, wenn wir einfach ein verschobenes Spektrum betrachten. Wenig unkritisch die Arbeit an dieser Stelle!
Die beiden abgebildeten Histogramme unterstützen, wenn man das kleine n bedenkt, eine solche Sicht.
Die Arbeit kann an keiner Stelle eine disruptive Merkmalsverteilung innerhalb einer Population von der Hand weisen, noch eine Verschiebung des Größenspektrums nach links bis heute.

Diese Untersuchung überzeugt mich nicht.
Der Größenunterschied der abgebildeten Schädel mag krass anmuten, aber abgesehen von einer allometrischen Größenzunahme von Arcus zygomaticus und Processus mastoideus kann ich keine Unterschiede erkennen. Post-craniale Unterscheidungsmerkmale werden nicht angeführt.
Mir erscheint es plausibler, dass durch menschlichen Druck und das Verschwinden größerer Beutetiere, das Größenspektrum von Cryptoprocta ferox in Richtung kleiner verschoben wurde.
In dieser Hinsicht ließe sich viel erzählen von geheimnisvollen Tieren, deren Papierdasein sich so ziemlich über den ganzen Erdball erstreckt hat.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Cronos » 21.02.2011 18:48

Dein Vergleich mit den Menschen des Mittelalters hinkt allerdings Greif, denn auch wenn im Mittelalter (zumindest in Europa) im Schnitt kleiner waren als heute, gab es doch auch damals schon genau wie heute sehr große und sehr kleine Menschen. Im Falle der Fossa gibt es heute aber eben keine Exemplare welche die Ausmaße von C. spelea erreichen. Eine derartige Abnahme der Größe in so kurzer Zeit halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Man weiß zwar dass es bei einigen Tieren in den letzten Jahrhunderten durchaus Abnahmen in der Größe durch selektive Jagd gegeben hat, aber kaum in dem Maße wie bei der Fossa so postuliert wird. Zudem handelt es sich dabei größtenteils um Arten bei welchen durch die Trophäenjagd gezielt über sehr viele Generationen die größten Exemplare bevorzugt gejagt wurden. Und wer sagt denn dass es auf Madagaskar keine größeren Beutetiere mehr gäbe? Auch dort gibt es schon seit vielen Jahrhunderten verwilderte Schweine, und teilweise sicher auch verwilderte Ziegen.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Vogel Greif » 21.02.2011 19:55

Cronos hat geschrieben:Dein Vergleich mit den Menschen des Mittelalters hinkt allerdings Greif, denn auch wenn im Mittelalter (zumindest in Europa) im Schnitt kleiner waren als heute, gab es doch auch damals schon genau wie heute sehr große und sehr kleine Menschen.
Eben das ist ja mein Punkt. Diese "sehr großen" Menschen schlägt meine Analogie durch den gemachten systematischen Fehler ja grundsätzlich dem modernen Menschen zu und entzieht sie ohne Begründung dem anderen Kollektiv und verdirbt so doch jede Untersuchung. Im Falle der Fossa gibt es heute aber eben keine Exemplare welche die Ausmaße von C. spelea erreichen. Eine Verschiebung nach "kleiner" bedeutet ja frei nach Herrn Gauss auch eine Rarefizierung der größeren Varianten. Vereinzelt gab es nun auch im 20. Jahrhundert berichtete Fossas vom Ausmaß einer var. spelea , u.a. Louvel's zwei Meter Monster.
Eine derartige Abnahme der Größe in so kurzer Zeit halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Man weiß zwar dass es bei einigen Tieren in den letzten Jahrhunderten durchaus Abnahmen in der Größe durch selektive Jagd gegeben hat, aber kaum in dem Maße wie bei der Fossa so postuliert wird. Zudem handelt es sich dabei größtenteils um Arten bei welchen durch die Trophäenjagd gezielt über sehr viele Generationen die größten Exemplare bevorzugt gejagt wurden. Und wer sagt denn dass es auf Madagaskar keine größeren Beutetiere mehr gäbe? Auch dort gibt es schon seit vielen Jahrhunderten verwilderte Schweine, und teilweise sicher auch verwilderte Ziegen.Es ist belegt, dass C.ferox Beute bis zu einem Gewicht von 6kg schlägt, ich halte es nicht für denkbar, dass var. spelea Beute von klar über 10 kg riss. Verfügbarkeit und Beuteschema spielen auch noch eine Rolle. So fällt die Fossa als Hühnerdieb und nicht Ferkelräuber auf. Mit dem Verschwinden der mittelgroßen Lemuren wurde auch die Beute für größere und robustere Fossas seltener.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Cronos » 21.02.2011 20:23

Aber das Beispiel mit den Größenveränderungen seit dem Mittelalter zieht eben nicht. Es sind ja auch aus dem Mittelalter sehr große Menschen bekannt, welche auch die meisten lebenden bei weitem überragen würden. Auch ist die Annahme, dass früher "alle kleiner" waren, auch nicht richtig. Die Minima und Maxima waren in etwa gleich wie heute, und auch wenn es damals mehr kleine und heute mehr größere gibt. Und zudem ist es schon ein ziemlicher Unterschied, ob man von einer Größendifferenz von etwa 12,5 % linearen Maßes ausgeht, oder 25%. Und dabei ist noch nicht einmal in Betracht gezogen, dass die Schädel von C. spelea 25% länger waren als die von außergewöhnlich großen rezenten Vertretern. Eine lineare Differenz von 25% entspricht in etwa einer Massendifferenz von 100%, da die meisten Tiere mit zunehmender Größe aber auch kompakter werden, eher etwas mehr. Ich halte es für extrem unwahrscheinlch, dass die Fossas innerhalb weniger Jahrhunderte bloß aufgrund des Wegfalls der mittelgroßen Großlemuren ihre Maximalgröße auf weniger als die Hälfte reduziert haben sollen.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Vogel Greif » 21.02.2011 22:26

Cronos, ich habe es leider nicht geschafft, Dir mein Beispiel "mit dem Mittelalter" zu vermitteln.
Nie habe ich behauptet, alle Menschen seien kleiner gewesen. Aus den Niederlanden ist das Anwachsen der mittleren Körpergröße sehr gut dokumentiert, von einem Durchschnitt=Median (da Gauss verteilt) von 164cm im späten Mittelalter ist die mittlere Größe bei Männern immerhin auf 185 cm gestiegen, was einer Schwankung der Mediangröße um 13 % in etwa 800 Jahren entspricht.

Es ist nun mal knallhart gesagt Quatsch, eine Grundmenge nach einem Merkmal hin in Kohorten einzuteilen und dann die Unterschiede der Kohorten in eben diesem Merkmal zu bestaunen!


Die möglichen Gründe einer Verschiebung des Größenspektrums bei Cryptoprocta sind ggw. nicht abzusehen. Dies muss nicht mit der Ankunft des Menschen in Zusammenhang stehen. Der Prozess kann sich daher seit Jahrtausenden vollzogen haben.

Wenn Dir das unwahrscheinlich erscheint, ist das Dein gutes Recht.
Ich für meinen Teil halte die Beschreibung einer neuen Art aufgrund von isometrisch vergrößertem subfossilem Material ohne diagnostische Merkmale für nicht vertretbar. Würde mich interessieren, wo es das sonst noch einmal in der Zoologie gibt. Die ganzen pleistozänen Thylacinus-Arten neben cynocephalus hat man ja auch wegen bloß isometrischer Unterschiede kassiert. Es ist doch bezeichnend, dass Goodman et al. keine nennenswerte Allometrie für post-craniale Merkmale bestimmen konnten, die Varianz ihrer Ratios spricht ja nun auch nicht unbedingt für ihre Schlussfolgerungen.
Es erscheint mir wahrscheinlicher, dass isometrisch vergrößertes Material zur selben Spezies gehört und dass bloß dieses Ende des Größenspektrums verschwunden ist.
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Re: Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?

Beitragvon Marozi » 23.02.2011 20:22

Ich wiederhole nochmals Étienne de Flacourt zum Antamba:

„Antamba, ein Raubtier wie ein großer Hund mit einer runden Schnauze, das nach Berichten der Neger einem Leoparden ähnelt und Mensch wie Vieh frisst. Dieses Tier sei sehr selten und nur in den einsamsten Bergregionen zu finden.“


Zur Fossa heißt es bei ihm:

Fossa est un animal semblable au blaireau de France; il mange les poules, il est d’aussi bon goût que le levreau quand il est jeune ou que c’est une femelle.

In etwa wohl: Fossa ist ein Tier, ähnlich dem Dachs von Frankreich, es isst das Huhn, weil es so gut schmeckt wie das Häschen, wenn es jung ist oder ein Weibchen.
"In diesen Bergen gibt es zwei Arten von Löwen. Da ist der simba und da sind die marozi. Diese marozi sind keine Löwen. Da ist der Leopard und da ist der Gepard. Da ist der Löwe und da ist der marozi."

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