Lebendes Riesenfingertier auf Madagaskar?

Kryptide, die nicht zur Hominologie oder Dracontologie gehören

Lebendes Riesenfingertier auf Madagaskar?

Beitragvon Marozi » 04.03.2011 13:52

Die Riesenfossa, oder neutraler formuliert riesige Fossa, ist nicht die einzige Riesenform einer rezenten Tierart auf Madagaskar mit der sich die Kryptozoologie beschäftigt… (siehe auch hiesigen Forenthread "Antamba - lebende Riesenfossa in Madagaskar?")

Das Fingertier oder Aye-Aye (Daubentonia madagascariensis) ist ein endemisch auf die Insel beschränkter nachtaktiver Primat charakterisiert vor allem durch ein einzigartiges Gebiss und die ungewöhnlichen namensgebenden Finger. Der Körper ist bis zu 104 Zentimeter lang, davon entfallen rund 60 Zentimeter auf den Schwanz, bei einem Gewicht von rund 3 Kilogramm. Der Kopf des koboldartig-wirkenden Primaten ist rundlich und wirkt relativ massiv, das Fell ist struppig und lang. Auffälligstes Merkmal ist bei einer ersten näheren Betrachtung der dünne und verlängerte dritte Finger, der eine Anpassung an die Insektenjagd der Allesfresser darstellt. Mit ihm klopfen sie die Bäume auf der Suche nach Hohlräumen ab und holen anschließend mit dem hierfür angepassten Mittelfinger aus den aufgenagten Löcher die Insektenlarven hervor. Verbreitet ist das Fingertier in Wäldern auf ganz Madagaskar, allerdings fehlen sie im trockenen Südwestteil der Insel – dem früheren Verbreitungsgebiet des Riesenfingertiers (Daubentonia robusta).

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Von diesem sind subfossile Überreste, einige Knochen des Rumpfes und einzelne Zähne, aus den südlichen und südwestlichen Regionen Madagaskars bekannt. Diese deuten auf eine rund 30 Prozent größere Art gegenüber dem rezenten Verwandten hin. Ob das Riesenfingertier allerdings tatsächlich vor langer Zeit ausgestorben ist? Karl Shuker berichtet mit eigenen Worten zusammengefasst aus seinem Buch „Extraordinary Animals Revisited“ folgendes:

Die Beschreibung von D. robusta erfolgte 1934 durch C. Lamberton basierend auf einem schädellosen Skelett. Interessant ist dabei, dass bereits 1905 Guillaume Grandidier in Ablagerungen einige Meißel-artige Zähne eines großen Aye-Aye fand, die jedoch nicht als zu einer zweiten Fingertierart zugehörend erkannt wurden. 1928 wurde durch Grandidier bekannt, dass die von ihm gefundenen Zähne bearbeitet wurden und offenbar als Schmuckstücke dienten. Dies deutet darauf hin, dass das Riesenfingertier noch mindestens bis zur Ankunft der Menschen auf der Insel existierte. Ob diese verantwortlich für sein Aussterben sind (wie bei einigen der Lemurenarten), ist dennoch unklar. Ebenfalls nicht bekannt ist wann genau nach diesem Zeitpunkt D. robusta ausstarb.

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D. madagascariensis von Markus Bühler, Bestiarium (vielen Dank hierfür)

Lamberton schrieb in seinen Ausführungen von 1934, dass nur einige wenige Jahre zuvor ein madagassischer Regierungsangehöriger namens Hourcq einen Einwohner des Dorfes Andranomavo im Saolala Distrikt traf, der das Fell eines bemerkenswert großen Aye-Aye besaß. So groß, dass Lamberton und diverse andere Forscher die Möglichkeit eines (damals noch) lebenden Riesenfingertiers in Betracht zogen.

Außer diesem vagen und ungesicherten Hinweis (der Verbleib des Fells scheint verloren), existiert kein weiterer. Im Gegenteil, das rezente Fingertier selbst galt bis 1957 als vermutlich ausgestorben…

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Re: Lebendes Riesenfingertier auf Madagaskar?

Beitragvon Cronos » 04.03.2011 20:23

Daubentonia robusta hat übrigens auch einen kleinen Auftritt in meinem Buch "Die Insel des Grauens", und wird im Hintergrundteil auch weiter ausgeführt.
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Re: Lebendes Riesenfingertier auf Madagaskar?

Beitragvon Marozi » 06.03.2011 17:32

Im Hinblick auf die (Riesen-)Fossa-Diskussion und das wenige Material ergibt sich für mich eine Frage: wie berechtigt ist der Status von Lambertons D. robusta überhaupt? Und die nächste Frage: hat jemand zufällig die entsprechende Textstelle zur Riesenfingertierhaut im Original (bzw. übersetzt)?
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