Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Kryptide, die nicht zur Hominologie oder Dracontologie gehören

Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon Quagga » 18.08.2015 19:23

Erster Teil...

Hallo zusammen!

Ich hatte es im Diskussionsbereich schon anklingen lassen. Uhus sind zwar keine Kryptiden im "klassischen" Sinne, bereits beschrieben und bekannt, jedoch hat es mit dem Uhu von Altenkirchen etwas auf sich, dass die gängigen Definitionen eines Kryptiden voll erfüllt.

Wir leben am Nordhang des höchsten Berges (400 m NN) in der Umgebung von Altenkirchen, der Kreisstadt des Landkreises Altenkirchen im nördlichen Rheinland- Pfalz, in einem 190 Seelen- Örtchen ziemlich abseits der größeren Straßen.
Nach Norden hin liegt ein Tal mit Feldern und vor allem Wiesen, die Grate und Gipfel der umgebenden Hügel sind mit Wald bestanden, in der Regel Wirtschaftsholz aus Fichten und Eichen, aber auch großen, artenreichen Naturverjüngungsflächen, die Orkan "Kyrill" riß. In näherer Umgebung (bis 10 km) finden sich mindestens drei Steinbrüche, ein aktiver sowie mindestens zwei aufgelassene sowie das Flüsschen Sieg, dass nur wenige km weiter vorbei fließt. Die Gegend ist noch recht weitläufig und von nur wenigen Straßen durchschnitten, wenngleich auf großen Flächen auch sehr flurbereinigt. Ein Uhu- Vorkommen ist hier bislang nicht bekannt.

Angefangen hat alles im letzten Spät- September, als ich von der Einfahrt unseres Hofes aus entfernteren Waldwinkeln ein dumpfes, einsilbig erscheinendes "Huh" im Abstand von mehreren Sekunden hörte. Sofort entflammte meine Begeisterung, denn einen Uhu in freier Wildbahn sah ich noch nie, eine Eule überhaupt erst einmal. Auch meine Frau lauschte und war begeistert, ich alter Skeptiker jedoch glaubte es nicht ganz, denn eigentlich heißt ja der Uhu nach seinem Ruf, dem dunklen "Bu-ho" oder auch mal "huhu".

Ich verglich also den gehörten Ruf mit den Stimmen von Uhu und Waldohreule auf der sehr guten Vogelstimmen- Seite http://www.xeno-canto.org/ (Waldkäuze rufen ja deutlich anders, die kleineren Eulenarten sowieso) und fand beide Rufe recht ähnlich.
Die der Waldohreule aber in bedeutend geringeren Abständen und höher von der Stimme her, zudem passte die Rufzeit gar nicht zur Waldohreule. Wohl aber zum Uhu, der regelmäßig im September seine Herbstbalz beginnt.
Einige Wochen später hörten wir die Rufe aus einem näheren Waldstück und mit Wind von dort, so dass man tatsächlich nach der ersten "Huh"- Silbe noch ein stimmloseres, dunkleres "o" wahrnehmen konnte. Meine Frau und ich noch begeisterter, doch ist eine Stimme ohne Sichtung zwar ein gutes Indiz, aber leider noch kein Nach- oder gar Beweis.

Leider gelang uns in den tags darauf aufgesuchten Waldstücken keine Sichtung, es hassten auch keine Kleinvögel oder Krähen, also war der nächtliche Rufer wohl abgestrichen und hielt sich übertags woanders auf.
So gingen ab Januar, beim letzten Hören der Balzrufe, die Monate ins Land, es wurde erst Frühling, dann Sommer.
Anfang Juli dann fing ich an, die Fauna und Flora eines nahen Steinbruchs zu kartieren, um amtlich prüfen zu lassen, ob eine offizielle Erhebung zum Naturschutzgebiet möglich wäre. Dies Projekt setze ich auf ein Jahr an, um zu jeder Jahreszeit die typischen Tiere und Pflanzen erfassen zu können. Und bereits am ersten Kartierungstag stieß ich an einem Waldrand nahe am Steinbruch, direkt im Saum des Wirtschaftsweges, auf weiteres aufregendes. Und zwar lagen dort unter einer recht lichten, größeren Eiche viele Federn eine Waldohreule.
Es handelte sich überwiegend um Schwungfedern und wenige Konturfedern, von denen ich zunächst erfreut dachte, es wären Mauserfedern, und ich hätte also den Tageseinstand einer Waldohreule entdeckt- die ich ebenfalls noch nicht in der Wildnis gesehen habe.
Beim Aufsammeln ein paar schöner Federn aber musste ich mit leichtem Entsetzen feststellen, dass die jeweils ersten drei Handschwingen jedes Flügels noch durch Haut und etwas Fleisch verbunden waren, welches schon etwas angetrocknet war und auf einen etwa drei Tage alten Riss schließen liess.
Entsetzen deshalb, weil die intakten Federkiele auf Erbeutung durch einen Vogel schließen liessen (Raubsäuger wie Füchse beißen Großgefieder dicht über der Haut ab).
Und des weiteren, weil wir (für mich als Hühnerhalter besonders) das Glück haben, kein Habichtrevier zu haben. Das nächste Habichtpaar lebt etwa 15 km entfernt nördlich, von dem allerdings in jedem Winterhalbjahr, ab etwa September, ein Jungvogel unsere Gegend bejagt.
Anfang Juli jedoch ist noch kein Junghabicht hier zugegen, so dass sich die mögliche Artzugehörigkeit des Eulen- Erbeuters sehr einschränkte, praktisch kam da als weitere Prädatorenart nur noch ein Uhu in Frage.
Auch musste die Waldohreule im Baum selbst gerupft worden sein, denn in etwa sechs Metern Höhe hingen zwei kleine Konturfedern an kurzen Austrieben, und die Federn am Boden lagen recht zerstreut- nicht so wie bei einem am Boden rupfenden Habicht, um dessen Rupfplatz sich die Federn ringförmig konzentrieren oder recht gehäuft liegen.

Diese Waldohreulen- Rupfung war also bereits das zweite Indiz nach den herbstlichen und winterlichen Rufen, dass hier ein Uhu sein Revier hat...

to be continued...
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Re: Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon TasmanischerTiger » 19.08.2015 03:26

Hallo, Quagga!

Ich bin sehr sehr angetan von Deiner tätigen Kryptozoologie und finde die Fragestellung ungemein spannend.
Verborgenes Leben und die Pirsch auf der Fährte des Unbekannten braucht keine Saurier im Kongobecken, um zu fesseln.
Direkt vor unserer Haustüre wartet eine lebendige Welt im ständigen Wandel. Und die Rätsel unserer kleinen Welt können einem genauso einen wohligen Schauer das Rückgrat hinunter senden, wie die fantastischsten Monstrositäten in den entlegensten Winkeln.

Ich meine auch, dass man auch in der Fragestellung nach dem Uhu von Altenkirchen die grundlegenden psychologischen Mechanismen, Positionen und Argumentationslinien wiederfinden kann, die die gesamte kryptozoologische Diskussionskultur durchziehen:

Persönlich bin ich sehr geneigt, an die Existenz dieses Uhus zu glauben. Du hast die Laute und den Riss der Waldohreule gekonnt als Werk eines in der Gegend unbekannten Tieres gedeutet. Diese Deutung ist in sich kohärent und inhaltlich auch plausibel.
Reichen diese Indizien, um Dich selbst oder - schwieriger noch - einen Gesinnungs-Skeptiker restlos zu überzeugen?
Wahrscheinlich nicht. Auch geübten Naturbeobachtern unterlaufen kleine Fehler und in der Erinnerung kann sich so manches verschieben. Wenn schließlich erstmal eine griffige Spekulation bereit liegt, dann wird doch sowieso alles passend betrachtet.
Die kryptozoologische Crux - wie leistet man den vollumfänglich akzeptierten Beleg?
Ich hoffe sehr, dass die sich finden lässt, denn mein Gefühl wähnt den Uhu sicher im Dunkel der Altenkirchener Wälder.
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Re: Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon Quagga » 19.08.2015 22:43

Hallo Tiger ;)!

Wie man ja am "to be continued..." am Ende ersehen kann, war es das noch lange nicht.
Habe noch zwei weitere dringende Hinweise auf einen Uhu in der Hand, die ich, wie auch die Überschrift des Textes "Erster Teil" andeutet, hier nach und nach präsentieren werde. Alles auf einmal wäre zu viel zu schreiben, und man will ja auch etwas Spannung aufbauen, damit die Leute es spannend finden zu lesen und "wieder einschalten".

Des weiteren werde ich, wenn ich welche erwische, Waldarbeiter nach Hinweisen befragen, diesen möglichen Hinweisen nachgehen, mit Wildkameras an passend scheinender Örtlichkeit arbeiten, und hoffe natürlich im Endeffekt den Nachweis erbringen zu können, was nicht nur für mich, sondern für den Naturschutz der ganzen Gegend ein Gewinn wäre, denn der Uhu ist nach wie vor besonders nach etlichen Richtlinien und Gesetzmäßigkeiten geschützt.
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Re: Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon Quagga » 19.08.2015 23:54

Zweiter Teil

Das dritte, zuerst nicht als solches interpretierte Indiz fand ich daraufhin bereits wenig später, als ich drei Tage nach dem ersten Kartierungsgang in den seit einigen Jahren aufgelassenen Steinbruch den nächsten dorthin machte.
Beim ersten Gang hatte ich einen schmalen Wildwechsel genutzt, um auf die nächste Terrasse des Steinbruches zu gelangen und einen eher direkten Weg genommen, der vorwiegend der ersten Sichtung diente. Beim nun folgenden zweiten Gang ging ich die Sache mit etwas mehr Geländekenntnis weit detaillierter an, und so fand ich auf einem Geröllhang aus erodierter Grauwacke den schon gebleichten Schädel einer Schermaus (Microtus arvalis) inkl. halbem Unterkiefer.
Dem maß ich zunächst nicht so viel Bedeutung bei, weil die auch am unmittelbar anschließenden, etwa 12 m hohen Stück Steilhang des Steinbruches hätte abgestürzt sein können und so zu Tode hätte kommen können.

Wieder stieg ich zur ersten Teilterrasse des Steinbruches auf, nahm aber diesmal nicht den Wildwechsel wie beim ersten Mal, sondern wollte die deutlich sichtbar das steile Gefälle des Hanges herabführende Spur dokumentieren, die bewies, dass Mountainbiker unerlaubter Weise den Steinbruch als Abfahrt benutzen, der durch Dekret der Gemeinde an und für sich gesperrt und so zumindest kommissarisch geschützt ist. Dabei fiel mir dann folgendes auf, was sich unmittelbar neben der Abfahrt der Mountainbiker befindet:

Bild

Ein etwas prominenter, aus dem Geländeprofil herausragender Felsblock, zu dessen rechter Seite sich der Abhang befindet, der auf das Feld des erodierten Grauwacke- Schotters führt, mit deutlichen Spuren tierischer Aktivität darauf.

Im Detail:

Bild

... kann man folgendes erkennen.
Am linken oberen Bildrand Schwungfedern eines Vogels, mutmaßlich einer Ringeltaube. In der relativ ausgeformt erscheinenden Mitte des Felsens diverse Krümel tierischen Ursprungs, die zertretene Gewölle sein könnten. Und schließlich mittig im unteren Bilddrittel ein recht gebündelt liegender Haufen Knochen, das nahezu vollständige Skelett einer Schermaus. Jenes, wozu der unten auf dem Geröllfeld befindliche Schädel gehört. Ich halte dies für ein verwittertes Uhu- Gewölle, von dem nestbauende Meisen den Haaranteil bereits recycelt haben, die Maße des Skelett"ballens" stimmen mit denen eines Uhu- Gewölles relativ gut überein.
Ich interpretiere diesen Felsen nun als Rupfplatz eines Uhus, die in Nestnähe unterhalten werden. Allerdings legt das sehr ausgeformt wirkende Zentrum der Felsauflage und die Anordnung der tierischen Überreste an deren Rändern auch den Gedanken nahe, dass es in der Tat ein Nest war. Das dann entweder durch Aktivität von Mountainbikern gestört wurde, oder wo ein Altvogel durch zB einen Fuchs zu Tode kam. Beides sind nur Vermutungen, jedoch legen die tierischen Überreste ebenfalls die Nutzung durch einen Uhu nahe.
Habichte würden nicht derart offen und prominent rupfen, und denselben Platz auch nicht mehrfach nutzen, wie es hier eindeutig der Fall war. Wanderfalken wären auch mögliche Bewohner eines Steinbruchs, die auch gerne offene, erhöhte Warten zum Rupfen nutzen, das erklärt jedoch nicht die Wühlmaus- Überreste in ihrer Vollständigkeit und überhaupt deren Vorhandensein, da Falken im Gegensatz zu Eulen mitgefressene Knochenteile ihrer Beute verdauen- Eulen scheiden sie zusammen mit den anderen unverdaulichen Überresten wie den Haaren, den Zähnen und Krallen als Gewölle wieder aus.

Leider scheint an diesem Aktivitätszentrum des mutmaßlichen Uhus schon länger kein Besuch mehr stattgefunden zu haben, was auf eine wirklich empfindliche Störung in der Vergangenheit hindeutet (und eine versuchte Brut noch wahrscheinlicher macht). Jedoch steht unmittelbar an dem Felsen ein junger Baum mit dichtem Astwerk im unteren Bereich, so dass ich es einmal wagen werde, meine Wildkamera dort für zwei/ drei Tage und Nächte zu stationieren. Am besten während eher schlechter Witterungsphasen, um einen möglichen Diebstahl möglichst unwahrscheinlich zu machen.
Dieser Felsen mit seinen Spuren war im frühen Juli 2015 auf jeden Fall das Indiz Nummero 3 für einen Uhu.

Im selben Monat dann begaben sich zwei weitere seltsame Gegebenheiten. Innerhalb einer Woche verschwanden hier im Dorf spurlos zwei weibliche Katzen.
Die eine, eine älter wirkende schwarz- weiße, hatte ich beim Nach Hause- kommen von der zweiten Kartierung im und um den Steinbruch noch am Straßenrand sitzen gesehen, und wenige Tage später hing der Vermissten- Zettel eben dieser Katze an den Laternenmasten.
Wir haben hier nur sehr wenige schwarz- weiße Katzen im Dorf, einen Kater und eben diese Katze, sie war es also ganz sicher. Und wiederum nur ein paar Tage später sagte meine Frau am Nachmittag, von einem Spaziergang mit dem kleinen Sohnemann heimkommend "Es ist wieder eine Katze verschwunden, hängt der nächste Zettel dran"...
Zunächst lag natürlich der Gedanke nahe, ob da wohl einer rumfährt und Katzen für irgendwelche Labors einfängt. Auffallend war auch, dass für die auf das Verschwinden folgenden etwa zwei Wochen kaum mehr eine Katze auf der Straße und unserem Grundstück zu sehen war, das an und für sich eine der Hauptverkehrsachsen der örtlichen Katzentiere ist. Einer Idee folgend platzierte ich meine Wildkamera daraufhin am Pfahl unseres amerikanischen Briefkastens vorne an der Straße, und in der Tat nahm sie in den folgenden drei Nächten... nichts auf- rein gar nichts!
Keine Katzen, keine Marder, nichts! Die letzten Bilder am Abend waren vorbei fahrende Autos, und die ersten am Morgen wiederum Autos oder der Bus. Dieser Sachverhalt ist hier sehr sehr ungewöhnlich, weil zu jeder Tages- und Nachtzeit sonst mindestens 6 verschiedene Katzen hier durchziehen, und sich weitere 4 recht regelmäßig sehen lassen.
Als sich dann die Katzen wieder zu zeigen begannen fiel mir auf, dass unser dominanter Dorfkater hier, ein echt riesiger, kräftiger Brocken, auf einem Hinterbein hinkte. Das kann durchaus einem Revierkampf geschuldet gewesen sein, jedoch keinem Autounfall, weil wir hier wirklich sehr ruhig ohne Durchgangsverkehr leben.
Da auffallender Weise zwei Kätzinnen verschwanden, die leichter und kleiner als Kater sind, und der dominante, also omnipräsenteste und an sich unangefochtene, Kater des Dorfes dann verletzt war, bin ich geneigt zu glauben, dass auch da möglicherweise der Uhu im Spiel war.

Greife und auch Eulen bejagen in unseren Breitengraden nach meinen jahrzehntelangen Beobachtungen niemals ihr Revier gleichmäßig, sondern immer partiell. Das heißt, ein bis zwei Wochen wird zB jener Waldwinkel oder Dorfabschnitt bejagt, die nächsten ein/ zwei Wochen dann ein anderer, und so weiter. Wobei dasselbe Gebiet etwa alle ein bis zwei Monate wieder besucht wird.
Auffälligerweise nun fielen der Riss der Waldohreule und das Verschwinden der beiden Katzen zeitlich sehr eng zusammen. Und der Uhu hat ein derart weites Beutespektrum, dass er von Mäusen bis zu Feldhasen und Jungfüchsen alles bejagt, was sein Revier hergibt- also alles im Größenbereich von 50 g bis 2- 4 Kg.
Am oberen Ende des erbeutbaren Spektrums stehen somit auch leichtere Katzen, die zwar wehrhaft sind, aber überrascht und bei einem erfahrenen Jäger eine ebenso leichte Beute sind wie Kaninchen, draußen schlafendes Geflügel oder Feldhasen.

Mein Augenmerk liegt daher nun unmittelbar darauf zu versuchen, herauszufinden, ob die beiden Katzen tatsächlich vom Uhu erbeutet worden sein können. Als junger Familienvater mit großem Hof und vielerlei zu tun konnte ich in der Richtung noch nicht weiter nachhaken, jedoch werde ich schauen, ob sich im Nahbereich des Orts oder in ruhigen Winkeln eventuell erhöhte oder exponierte Plätze und dort Katzen- Überreste finden lassen.
Wenn ja, wäre das Indiz ebenfalls gesichert, wenn nicht, könnten sie wohl doch den Weg vieler plötzlich verschwundener Stubentiger genommen haben- in den Pelzhandel oder auch eben Labore...

Wird fortgesetzt...
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Re: Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon Tobias » 20.08.2015 17:55

Hallo,

die Story wird immer besser. Ein paar Einwürfe habe ich aber doch:

1. Wie siehts bei euch mit Igeln aus? Soweit ich weiß, ist das ja eine der Lieblingsbeuten von Uhus.

2. Kein Labor kann eine auf der Straße gefangene Katze brauchen. Für irgend eine Art von Forschung ist sie ungeeignet, da niemand weiß, was sie für ein Vorleben hat, welche Erkrankungen sie mitbringt, welche unentdeckten Folgen von ehemaligen Erkrankungen, ob und gegen was sie geimpft ist, wie die genetische Disposition für alles mögliche aussieht.
Eine Streunerkatze ist schlicht nicht standardisiert und damit für ein Labor wertlos. (Einzige Ausnahme: Verhaltensstudien zu ehemals freilaufenden Katzen, aber dazu braucht es keine heimlichen Fangaktionen, da muss man nur im Tierheim nachfragen).

Für medizinische Tests, die sowieso sehr selten an Katzen durchgeführt werden, haben die wenigen Labors, die so etwas machen, eigene Zuchtstämme. Das ist sicherer, zuverlässiger und -weil damit die Gefahr sinkt, dass ein Zufallsergebnis einen Versuch killt- auch billiger.

Dass hier Katzen für den Kürschner gefangen werden, halte ich für genauso wenig wahrscheinlich. Kein Kürschner würde hier eine Katze abbalgen, wenn er für das Geld einer ganzen Katze ein Dutzend Felle aus China bekommt. Dazu kommt, dass Katzenfell in der Regel nur als Kragen- oder Kapuzenapplikation an billigen Jacken und Mänteln zu finden ist, und wo kommen die her? Niemand wird ernsthaft annehmen, dass jemand hier Katzen fängt, abbalgt, nach Bangladesh schickt und dann von da aus die Jacken wieder importiert...

Es wird also andere Gründe haben, dass die Katzen verschwinden... wer weiß?

schöne Grüße

Tobias
"Je ungewöhnlicher eine Tatsache ist, die zu beweisen ist,
um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

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Re: Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon TasmanischerTiger » 20.08.2015 20:07

Ja, die Frage nach dem "Katzenfänger" - wäre eigentlich eine eigene Diskussion wert!
Bin als Kind in der grünen Vorstadt ebenfalls sozialisiert worden mit der Bedrohung für Katzen durch "weiße Lieferwagen" und derlei Phantastischem mehr.

Persönlich war ich immer der Meinung, dass es so eine Art urbane Legende ist.
Vielleicht auch einfach eine Art von psychologischer Verdrängungsreaktion, wenn die geliebte Katze dem Straßenverkehr oder einem Fuchs zum Opfer gefallen ist - oder gar aus freien Stücken auf und davon ist.
Ökonomisch scheint es ja nun auch keinen Sinn zu machen. Es gibt allerdings ein paar ganz wenige, seltsame Begebenheiten, die Anderes nahe legen: In den 2000ern hat die Autobahnpolizei in Norddeutschland tatsächlich einen dieser "Lieferwagen" hochgenommen - mit dutzenden Katzen an Bord. Es soll wohl auch schon eine Handvoll Prozesse vor deutschen Gerichten zu diesem Thema gegeben haben. Auch konnte ich gerüchteweise vernehmen, dass vor den 1980er Jahren tatsächlich weiterverbreitet Hauskatzen in der BRD zum Verkauf an die forschende Industrie gestohlen wurden. Von der Jagd auf "Dachhasen" ganz abgesehen : )
Ich muss das alles noch einmal recherchieren und dann führen wir die Diskussion auch am besten in einem eigenen Thread weiter.
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Re: Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon Quagga » 20.08.2015 23:27

Hy Tobias!

Danke für die Erklärungen zur Katze- Labore denke ich auch weniger, aber Katzenpelze sind durchaus gefragt. Was die Verarbeitung etc. angeht, so schicken sie auch fangfrische Nordsee- Krabben zum Pulen nach Marokko, weil es da billiger ist, und reimportieren sie dann. Ist also irgendwie alles möglich, aber das ist sicherlich besserer Gegenstand eines eigenen Themas :).

Igel gibt es hier keine bzw. nur noch derart wenige, dass sie nicht ins Gewicht fallen.
Vertrete ja die These, dass das Tier am häufigsten Verkehrsopfer wird, was in einer Gegend am häufigsten ist. Und traurigerweise habe ich den letzten überfahrenen Igel der Gegend im Jahr 2013 gesehen. Füchse, Marder auch nicht mehr, aber Rehe nach wie vor so vier Stück im Jahr, Amseln, Sperlinge sowieso.

In Berlin habe ich gleich am ersten Tag meiner Lehre, Anfang August '93 auf meiner ersten Baustelle (Restaurierung eines historischen Parkweges, wo ein paar Jahrzehnte ein Damwildgatter draufstand) in besagtem Gatter einen Baumstumpf gefunden, auf dem sowohl Igelstacheln als auch Teile des Gebisses lagen- die zwei mitgenommenen Backenzähne müsste ich sogar noch irgendwo haben.
Habe damals auf Anhieb gedacht "Boah, Uhu!", mir dann aber nach der Wahrscheinlichkeitsrechung eingeredet, dass es bestimmt nur ein Habicht war... Aber Habichte und Igel, exponiert auf einem Baumstubben? Selbstbetrug ist eine wirkungsvolle Waffe, und der will ich nicht nochmal erliegen ;).

Morgen kommt der dritte Teil mit einem Hinweis, was den Uhu eigentlich quasi unanzweifelbar macht, aber wie wir in der Kryptozoologie ja sind- es müssen erst einwandfreie Bilder vom Gesuchten her- und die stehen eben noch aus...
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Re: Die Suche nach dem Uhu von Altenkirchen

Beitragvon Quagga » 15.09.2015 23:05

Hy!

Tja, da ich die Bilder nicht und nicht mehr finde, die ich für den dritten Teil vorgesehen hatte, muss ich denn wohl ohne weiter machen und nach kurzer Erwähnung deren Inhalts gleich zu Teil 4 kommen :? ...

Die Bilder des dritten Teils machte ich anlässlich eines dörflichen Wandertages, an dem wir mal wieder teilnahmen (tun wir nur selten, weil's meistens nix anderes ist als ein Wettrennen, wer der erste am Bier ist, das am Zielort wartet...). Die Tour führte uns durch ein Waldstück, das ich bislang noch nicht kannte, und da kamen wir durch einen total schönen Waldteil mit älterem Fichtenhochwald, weit gestellt und halbschattig belichtet.
Hier und da Quellmöörchen und Bäche, der Hauptbach mit ausgewaschenen Steilüferchen in den Kehren, am Boden flächendeckend Moos, richtig schöner Wald. Darin waren relativ jüngst zwei der Fichten geerntet worden, einer der Stümpfe ragte etwa 10 m vom Weg entfernt, offen einsehbar auf weite Strecke, etwa 60 cm in die Höhe. Und um diesen herum sah ich Federn verteilt- eine Rupfung.
An und für sich ja nix ungewöhnliches in Revieren, wo es Sperber und zumindest zeitweise Habicht gibt, doch wirkten diese Federn auf die Entfernung recht groß.

Ich also hin da, die Wandertruppe mal ziehen lassend, und sah schon auf halbe Strecke, dass das Greifvogelfedern waren. Spannung stieg!
Am Stubben dann runzelte ich zuerst die Stirn über die relativ untypisch gezeichneten und orange getönten Federn, dann aber dämmerte zusammen mit der Entdeckung einer Schwanzfeder die Erkenntnis- hier wurde ein Rotmilan erbeutet und zumindest teil- gerupft!
Spannung explodierte!
Denn da wir hier in der wärmeren Jahreshälfte keinen Habicht haben, blieb ja soviel nicht übrig, was imstande sein konnte, einen erwachsenen Rotmilan zu schlagen... Und ein Vogel war es, da die Federkiele ganz und nicht abgebissen waren, wie es für Raubsäuger zumindest am Großgefieder typisch ist.
Bilder gemacht, die aber nun verschollen sind- jedenfalls: Ein eindringliches weiteres Indiz auf Uhu.
Waldarbeiter oder Förster/ Jäger habe ich leider nie welche angetroffen, wenn ich in den Wäldern bin, kommen höchstens Wochenendreiter vorbei, die ich aber möglichst umgehe, damit die Gäule bei unseren steilen Hängen hier nicht scheuen, umknicken oder sonstewas dummes passiert. "Interviews" waren also leider keine möglich.

So, und nun Teil 4 mit endlich mal einem Stück greifbaren Beweises!
Vergangenen Samstag machte ich mich los, Pilze suchen. Wollte zu einer bestimmten Stelle, wo Semmelstoppelpilze wachsen (die eßbar sind, aber hier niemand sammelt) und bin dazu, und weil die Gegend da recht divers und strukturreich ist, einen bestimmten Weg hoch, der an rechts einer von Wald und Verjüngungsfläche umgebener Pferdekoppel sowie links einer ausgedehnten Wiese gesäumt ist, die frisch gemäht war, die Silageballen noch drauf...
Da ging ich auf die offene Weide, um mal nach Champignons zu kucken, und fand quasi direkt im Eingangsbereich eine gelbliche, dunkelgestreifte, weiche Feder. Ganz klar Eule, und recht groß.
Da war es eigentlich schon klar, aber da ich noch nie Uhu sah oder dessen Federn fand, lieber nicht zu früh gefreut... Unter der vordersten Eckfichte der angrenzenden Dickung war dann eine Brombeere weiß getüncht, die Fichte selbst eher magerwüchsig mit zum Stamm hin sauberen Ästen, ein einwandfreier Ansitz also mit 325 ° Rundumsicht... Wo der ehemalige Federnbesitzer also ganz unlängst angesessen haben muss, denn die Feder war noch sauber, intakt, nicht verregnet oder verweht. Wenngleich natürlich im Baum selbst niemand mehr saß...

Jedenfalls, hier die Feder. 11,8 cm lang und 5 cm breit:
Bild

Zur bombensicheren Bestimmung (im Netz gibt es leider großenteils nur Bilder von Uhu- Großgefieder...) habe ich mich nach über drei Jahren Abstinenz mal wieder in meinem alten Vogelforum eingeloggt und die Feder dort mit Größenangabe und meiner Vermutung zur Bestimmung gestellt. Und von einem alten Freund, einem jahrzehntelang erfahrenen Falkner und Jäger, die Bestätigung bekommen!
Ich dachte, es wäre eine Armdecke eines Uhu- Terzels, in der Tat ist es aber eine Unterhanddecke tendenziell eines Weibchens... In jedem Falle aber: UHU :mrgreen: !!!
Das ist schon mal mehr als genial und schon die ersehnte Bestätigung, ABER nur ein weiteres Indiz. Ebenso wie es ein Büschel Haare "unbekannter Art" wäre, die man im Himalaja oder im Sasquatch Country aus einem Gebüsch klaubt... Wirklicher "Proof" ist es erst, wenn man das Objekt der Begierde am besten MIT einem unmittelbar darauf gefundenen Haarbüschel, oder in meinem Fall Feder, obwohl man es hier sicherlich weniger eng sehen kann, dingfest machen kann.

Die handfeste Bestätigung in Form der Feder ist also da, und somit nähert sich meine "Uhu- Quest" dem Höhepunkt.
Nun muss ich mich noch überwinden, meine Wildkamera mal außerhalb in der Gegend anzubringen, entlang einer Schneise im Jungwald, an einer markanten Geländemarke wie der Eckfichte mit dem Schmelz auf den Brombeeren darunter und der Feder, oder an prominenten Orten in abgelegenerer Gegend, wo er schon mal rupfte, oder rupfen könnte...

Es bleibt spannend...!

Grüße,
Andreas

PS: Ich habe das jetzt erst gelesen, Hansjörg! Ich bedanke mich herzlich und nehme diese Gelegenheit gerne wahr!
Lass' mich die Suche vllt noch zu Ende führen, dann kann ich einen "Vierteiler" draus machen, und Du hättest für nächstes Jahr eine Fortsetzungsgeschichte (wo wir auch wieder abonnieren werden). Vielleicht habe ich bis dahin auch wieder die Bilder von der Milanrupfung gefunden, die man dann im dritten Teil mit nutzen kann. Wie klänge das :)?
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