Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

See-, Fluß- und Meeresungeheuer

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Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Marozi » 24.07.2013 19:12

Dieser "haiähnliche" Fisch mit Merkmalen von Hai und Robbe wurde 1901 bei Thames, Neuseeland, gefangen. Ein wenig Recherche erbrachte, dass das Tier von einem Mr. Targett später gegen Geld öffentlich ausgestellt wurde. Bevor ein eingeladener Wissenschaftler es jedoch besichtigen konnte, wurde es wg. der Verwesung begraben. Neben den im Text erwähnten Tieren im Magen, wird in einem anderen Zeitungsbericht im Übrigen auch erwähnt, dass zudem ein Hai (unbekannter Größe) zum Mageninhalt zählte. Die Leber des Fischs erbrachte sechs Gallonen Öl. Das Tier sieht also in seiner generellen Form aus wie ein Hai und hat eine Leber mit Öl wie ein Hai... Soweit ich es verstehe, handelt es sich bei dem präsentierten Bild auch nur um eine Zeichnung anhand einer Skizze eines anderen. Haben sich also Fehler eingeschlichen wie z. B. die kleine und zu weit hinten liegende Rückenflosse? Dann aber gibt es da noch weitere Zeitungsberichte. Bei Mr. Targett handelt es sich vermutlich um Mr. Elijah Targett von Thames. Und genau dieser Mr. Elijah Targett hatte bereits 1877 einene "unbekannten Fisch" ausgestellt, mit dem er später sogar landesweit auf Tour ging. Handelt es sich also angesichts dessen um einen gefakten Fisch um Geld zu verdienen? Wer weiß mehr?

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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Tobias » 24.07.2013 21:24

Hallo Marozi,

das Bild sieht nach einem mehr oder weniger normalen Fisch aus. Man könnte die Rückenflossen als Fehler ansehen, aber es gibt durchaus Haiarten, die sehr weit zurückliegende und kleine Rückenflossen haben, Ammenhaie zum Beispiel.

Ich denke, 1877 in Neuseeland war es ähnlich wie hier heute: Wenn man richtig Brimborium macht, kommen die Leute und gucken sich alles an. Egal ob das ein unbekannter Fisch ist oder die Supernanny. Siehe auch: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypic ... ay/3116495

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon architeuthis » 25.04.2014 16:18

Leider kann man auf Zeichnungen von unbekannten Lebewesen nicht viel geben, da die Fantasie doch sicher das Ein oder Andere "dazuerfindet". Fotografien sind da um Einiges zuverlässiger, obwohl man es heute leider auch durch Nachbearbeitung faken kann.
Liebe Grüße Architeuthis
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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Cronos » 26.04.2014 22:23

Die Zeichnung hat schon recht große Ähnlichkeiten zu Haien der Gattung Echinorinus, wie etwa dem Stachelhai (E. cookei) oder dem Nagelhai (brucus). Diese haben sehr kompakte Körper mit einer ungewöhnlich kurzen Schwanzpartie und sehr weit hinten liegenden kleine Rückenflossen. Der erstere erreicht Längen von bis zu vier Metern, zweiterer bis über drei. Beide Arten kommen auch vor Neuseeland vor, und wie viele andere in größeren Tiefen lebenden Haie ist es alles andere als ungewöhnlich dass sie auch ander kleinere Haiarten fressen. Ich wage aufgrund der wirklich sehr großen Ähnlichkeit zu behaupten dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine der beiden Arten handelte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Echinorhinus_cookei
http://www.arkive.org/prickly-shark/ech ... 32692.html
http://www.fishesofaustralia.net.au/Home/family/284


http://de.wikipedia.org/wiki/Nagelhai
http://www.arkive.org/bramble-shark/ech ... us-brucus/
http://tiburonesengalicia.blogspot.de/2 ... rucus.html

Nebenbei bemerkt sollte beide Arten auch in der Reihe "Bizarre Haie" auf meinem Blog vorgestellt werden, aber leider habe ich das dann auch nicht mehr geschafft, da es schlichtweg viel zu viele ungewöhnliche Haiarten gibt.
Zuletzt geändert von Cronos am 26.04.2014 22:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Cronos » 26.04.2014 22:28

Noch ein kleiner Nachtrag: Photographien sind leider auch viel zu oft nicht sonderlich zuverlässig, und zwar aus dem bestimmten Grund dass viele Leute völlig unfähig sind gute Bilder zu machen. Ständig müssen seltsame Schrägansichten gemacht werden, welche die genauen Proportionen nicht zeigen, Größenverhältnisse sind viel zu oft kaum (teilweise auch bewusst) nicht vorhanden, wenn nicht gar so arrangiert dass das besagte Wesen auf dem Photo größer erscheint. Wichtige anatomische Details werden oft nicht photographiert, oder teilweise sogar nicht einmal das ganze Tier. Leider ist das auch bei "Experten" gang und gäbe, insbesondere bei Pressephotographen.
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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Tobias » 27.04.2014 09:13

Hallo Cronos,

bei den meisten der von dir genannten "Experten" geht es ja nicht darum, ein unbekanntes Lebewesen so zu dokumentieren, dass man es eindeutig identifizieren kann. Das ist nicht Aufgabe der Presse, sondern der Wissenschaft und ggf. Organen wie der Polizei.

Die Aufgabe der Presse ist prosaischer: Die Leute darüber informieren, was passiert ist. Das kann die Daten der Wissenschaft mit einschließen, muss es aber nicht. Ob man versucht, möglichst viele Leute mit "da ist etwas unglaubliches passiert" zu informieren oder wenige interessierte fundiert mit "das und das ist passiert" zu füttern, hängt vor allem vom Presseorgan ab. Ein Reporter eines Spartenkanals von BBC wird anders an so ein Lebewesen gehen wie ein Reporter der PM oder der Bild.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Unbekannte Lebewesen werden in der Regel nicht dort an Land gespült, wo wirklich gute Pressestellen sitzen. Meist bekommen irgendwelche Reporter von Provinzblättern das Ding zu sehen und fotografieren dann so, dass man a) das Biest im Ganzen sieht und b) einen Eindruck bekommt, wie der Besucher die Szenerie sieht.
Da kann man dem Reporter nur begrenzt einen Vorwurf machen, denn a) ist einwandfreie Dokumentation nicht seine Aufgabe und b) hat er relativ schnell gelernt, dass es viel leichter ist, über Menschen zu berichten, als über die Natur. Dazu kommt, dass viele Menschen sich eher für Menschen interessieren, so kommt es, dass eher über den Finder berichtet wird, als über den Fund.

Schönes Beispiel: Neulich hatte ich eine Reportage über Kanada oder Alaska gesehen. Im Begleittext wurde von großen Wäldern und weiter Natur gesprochen. Die Natur machte 5 von 45 Minuten aus, der Rest bezog sich auf Leute, die da leben, zeigte sie beim Holz hacken, Boot fahren, Blockhaus bauen, Schlagfallen aufstellen (es wurde erwähnt, dass das unerlässlich sei, um zu überleben und dass die Tiere ja auch nur maximal zwei Tage leiden würden), Kochen usw. Das hätten sie dann auch im Westerwald drehen können.

Schöne Grüße

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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Cronos » 27.04.2014 10:59

@Tobias: Ja, das stimmt zweifellos alles was du schreibst. Es müssen übrigens keineswegs immer nur unbekannte Tiere sein. Auch durchaus bekannte, wenngleich auch recht ungewöhnliche Tiere, besonders sehr große Exemplare werden leider fast immer auf himmelsschreiend reißerische Weise photographiert, um sie nur möglichst groß erscheinen zu lassen. Ich denke da zum Beispiel an diesen riesigen Hammerhai de vor ein paar Jahren gefangen wurde:

http://www.northernstar.com.au/news/wha ... rk/507778/

Das Photo lässt durch die schräge Perspektive nicht nur keine wirklich objektive Einschätzung der Größe zu (leider machen das Angler gerade deswegen fast immer), sondern zeigt noch nicht einmal mehr den ganzen Hai, ja noch nicht einmal mehr den ganzen Kopf. Wenn man einmal auf sowas achtet, fällt auf dass leider die allermeisten Photos in der Art sind. Wirkliche Seitenansichten oder sinnvolle Größenvergleiche sucht man viel zu oft vergebens. Das Problem besteht bei solchen Bilder auch darin, dass sogar bewusst Photos so gemacht werden um ein Tier auf möglichst reißerische Weise darzustellen, teilweise gerade damit man sie nicht mehr so leicht photographieren kann. Leider sind von einer ganze Reihe von Kryptiden alte Photos in Zeitungen die einzigen verbliebenen Bilddokumente, und gerade da ist es oft außerordentlich frustrierend wenn diese dann auch noch völlig unnötig schlecht sind.
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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Chrom » 10.06.2014 20:51

Hallo ,ich bin neu im Forum ich liebe Legenden und wahre Geschichten über Fluss und Seemonster :)

Hab deinen Hai gleich erkannt der wurde in letzer Zeit erst beschrieben das müsste ein Koboldhai sein http://de.wikipedia.org/wiki/Koboldhai

Mit besten grüßen
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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Cronos » 16.07.2014 20:02

@Chrom: Das ist definitiv und zu 100 Prozent kein Koboldhai, so ziemlich jedes Merkmal passt nicht. Ein Stachelhai oder Nagelhai passt dagegen sehr gut.
Übrigens wurde der Koboldhai schon für über 100 Jahren beschrieben, nämlich bereits 1898, also wirklich nicht in letzter Zeit.
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Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Chrom » 22.07.2014 21:11

Cronos hat geschrieben:@Chrom: Das ist definitiv und zu 100 Prozent kein Koboldhai, so ziemlich jedes Merkmal passt nicht. Ein Stachelhai oder Nagelhai passt dagegen sehr gut.
Übrigens wurde der Koboldhai schon für über 100 Jahren beschrieben, nämlich bereits 1898, also wirklich nicht in letzter Zeit.


also ich erkenn da nix anderes als einen Koboldhai geographisch passt er auch perfekt, nicht wirklich in letzer Zeit aber die ersten Video Bilder von den Tieren sind erst kürzlich entstanden . Erkläre doch dein Argument mit den Merkmalen mal genauer .... Zeitlich passt das auch super ,jemand beschreibt einen Hai und irgentwo wird ne Sensationsmeldung gemacht 3 Jahre später wenn man bedenkt das es da noch kein internet gab ....
Chrom
 

Re: Haiähnlicher Fisch von Thames, 1901

Beitragvon Cronos » 01.12.2014 19:22

@Chrom: Ich denke du bist primär aufgrund der relativ langen dünnen Schnauze der Auffassung dass die Darstellung einen Koboldhai zeigt. Allerdings ist dies lediglich ein einziges Merkmal das passt, und auch die Schnauze wäre jetzt keineswegs so lang und dünn, dass sie zweifelsfrei auf einen Koboldhai hindeutet und einen Hai der Gattung Echinorhinus ausschließt. Noch mal zum Vergleich ein Koboldhai im Original:

http://en.wikipedia.org/wiki/Goblin_shark#mediaviewer/File:Mistukurina_owstoni_museum_victoria.jpg

Koboldhaie haben einen recht langgestreckten Körper, die erste Rückenflosse sitzt ziemlich genau auf Höhe der Mitte des Körpers zwischen Brust-und Bauchflossen, und der Abstand zur zweiten Rückenflosse ist sehr groß. Die Schwanzregion ist recht schlank und langgezogen, und die eigentliche Schwanzflosse stark verlängert, mit einem kaum entwickelten unteren Flossenlappen. Zudem besitzen Koboldhaie in der Mitte der Schwanzregion eine sehr gut ausgebildete Analflosse, welche auf der Darstellung des Hais von 1901 aber fehlt. All die zu sehenden Merkmale, inklusive der fehlenden Analflosse, passen allerdings perfekt zu Echinorhinus cookei oder Echinorhinus brucus:

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Echinorhinus_brucus_Mc_Coy.jpg

http://de.wikipedia.org/wiki/Echinorhinus_cookei#mediaviewer/File:Prickly_Shark.gif

Dahingehend kann die Vorstellung es handele sich um einen Koboldhai, nicht aufrecht gehalten werden, während die ungewöhnlichen Merkmale wie die sehr weit hinten liegenden und nahe beieinander stehenden Rückenflossen, der sehr kurze dicke Schwanzbereich, die relativ normale Schwanzflossenform und die fehlende Analflosse perfekt auf die beiden Echinorhinus-Arten passt.
Hinzuzufügen wäre auch dass Koboldhaie vor allem von kleineren Fischen und Kopffüßern leben (weshalb sie ja auch extrem lange und dünne Zähne haben), während sich E. cookei und E. brucus durchaus auch von anderen kleineren Haien ernähren, insofern passt auch der Fund eines 1,2 m langen Dornhai im Magen sehr gut zu dieser Identifizierung.
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