Sachalin-Kadaver, Juli 2013

See-, Fluß- und Meeresungeheuer

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Sachalin-Kadaver, Juli 2013

Beitragvon Marozi » 06.03.2014 22:23

Dieser "Globster"-Fall von August scheint von den meisten der kryptozoologischen Gemeinschaft übersehen worden zu sein, zumindest von mir wurde er es bis jetzt... Der Kadaver wurde am Strand im Süden der Insel Sachalin, Korsakow-Distrikt, Russland, bereits im Juli gefunden. Die Fotografin kehrte aus dem Urlaub zurück und fuhr am Strand entlang, als sie die Tierleiche sah. Der Kadaver war stark verwest, etwa sieben Meter lang, hatte zwei "Stoßzähne" (ca. 50 bis 60 Zentimeter lang) und war mit Haaren bedeckt. Befragte Wissenschaftler konnten leider nicht vor Ort kommen um den Kadaver zu untersuchen und erzählten ihr , dass sie die Art nur dann sicher identifizieren könnten, wenn ein besseres Bild des Kiefers vorliegt.

Es wurde in den Diskussionen im Internet vermutet, dass es ein Schnabelwal ist; möglicherweise das gleiche Individuum, das tot im Juni in der Region gefunden wurde (http://www.sakhalin.info/news/84539/).

Ich war noch nicht in der Lage die Fundörtlichkeiten zu lokalisieren und zu vergleichen - hauptsächlich aufgrund meiner beschränkten Kenntnisse in der russischen Sprache und Google, das nicht in der Lage war die Namen die ich versucht habe zu finden. Insgesamt kann man den befragten Wissenschaftlern folgen, die Details in den Bilder sind wenig aussagekräftig. Aus dem Bild selbst lässt sich für mich aber erkennen, dass es ein Säugetier ist, sehr wahrscheinlich ein Wal. Die Form scheint suggestiv für einen Schnabelwal und ich spekulieren mal wild, dass der Schädel auf der Seite liegt und der rechte Unterkieferknochen fehlt - ich bin aber absolut nicht sicher und so würde ich gern andere Meinungen dazu hören.

http://paranormal-news.ru/news/na_bereg ... 08-13-7480
"In diesen Bergen gibt es zwei Arten von Löwen. Da ist der simba und da sind die marozi. Diese marozi sind keine Löwen. Da ist der Leopard und da ist der Gepard. Da ist der Löwe und da ist der marozi."

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Re: Sachalin-Kadaver, Juli 2013

Beitragvon Tobias » 07.03.2014 12:00

Hallo Marozi,

den Weg, beide Artikel durch den google-Übersetzer zu jagen, bin ich auch gegangen.

Du schreibst:
Marozi hat geschrieben:Es wurde in den Diskussionen im Internet vermutet, dass es ein Schnabelwal ist; möglicherweise das gleiche Individuum, das tot im Juni in der Region gefunden wurde (http://www.sakhalin.info/news/84539/).

Das erscheint mir unwahrscheinlich, weil der "Juni-Kadaver" eine Länge von 4 m hatte und der jetzt gefundene Kadaver 7 m lang sein soll. Selbst wenn der Körper durch Verwesung an Festigkeit verliert, wird man ihn nicht um 75% ausnudeln können. Dazu kommt, dass der Verwesungsprozess in den 8 Monaten seit Juni die Weichteile des Körpers fast komplett aufgezehrt haben wird, auch in der Sachalin-See, die ja recht kalt werden kann.
Mit großer Sicherheit wird es sich also um ein anderes Individuum handeln.

Ich habe lange versucht, anhand der wirklich nicht sehr aussagekräftigen Fotos irgend etwas zu identifizieren. Wirklich hilfreich ist keines, wird aber etwas besser, wenn man die dunklen Stellen aufhellt. Ich verhotlinke die Originale:
http://paranormal-news.ru/_nw/74/s52944115.jpg

Ich sehe auf diesem Bild einen Walkadaver, der sich in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung befindet. Er liegt offensichtlich am Strand, etwas unterhalb der oberen Strandgutlinie. Links im Hintergrund steht ein Geländewagen, dessen Typ ich nicht erkenne, mit offenen Türen. Rechts ist eine flache Dünenvegtation zu sehen, hinter dem Walkadaver hat sich braunes Pflanzenmaterial angesammelt, ebenso eine durchsichtige Plastikflasche, vermutlich wurde beides angeschwemmt.
Der Wal liegt auf der linken Körperseite, wie auch das andere Bild bestätigt.
Die beiden Fortsätze, die immer gerne als "Stoßzähne" bezeichnet werden. Aufgrund der Lage und Form handelt es sich hier eindeutig um Kieferknochen, am Oberkiefer lassen sich sogar die Öffnungen von Nervenbahnen sehen. Ebenso ist ein kleines Loch im Gaumen sichtbar. Beide Kiefer sind schmal, fast zierlich, aber hoch, der Unterkiefer weist eine breite Öffnung im Kinn auf. Beide Kieferhälften sind konvex geformt. Zähne sind in beiden Kiefern nicht zu sehen, im Oberkiefer sind auch keine Zahnlöcher zu finden, im Unterkiefer sind sie aufgrund der Perspektive nicht sichtbar.

Das erste Bild bestätigt diese Ansätze größtenteils. http://paranormal-news.ru/_nw/74/s43408465.jpg

Dieses Bild ist von der entgegengesetzten Seite des Kadavers aufgenommen worden. Es zeigt den Kadaver, der im Flutsaum des Strandes liegt, im Hintergrund die Wagenspuren im Sand und das Meer. Im hinteren Bereich des Kadavers ist die Wirbelsäule teilweise skelettiert, d.h. die einzelnen Wirbelkörper sind ganz oder teilweise sichtbar. Die Schwanzflosse fehlt.
Aus der Seite des Wals, etwa auf Höhe der Schwanzbasis treten einige Wirbelfortsätze hervor. Hierbei handelt es sich offenbar um die zum Rücken liegenden (für die Fachleute: distal) Dornfortsätze, sie scheinen jedoch nach vorne (kopfwärts) zu weisen. Weiter hinten, zum Schwanz hin, liegt die Wirbelsäule komplett frei, einige Wirbel zeigen auch hier noch Dornfortsätze, die später reduziert werden, als die anderen Fortsätze. Die letzten vier (?) Wirbel sind glatt, ohne Fortsätze.


Zur Identifikation:
Keine Frage: es ist ein Wal. Größe, Körper- und Wirbelform lassen keine andere Tiergruppe zu.
Welche Walgruppe ist es?
Das, was vom Schädel zu sehen ist, macht es extrem unwahrscheinlich, dass es sich um einen Bartenwal handelt. Bartenwalschädel sind komplett anders gebaut, sie haben Kieferknochen, die im Querschnitt oval bis rund sind. Ebenso wie bei den meisten Zahnwalen sind die Kiefer hier nicht konvex, sondern konkav geformt.
Bartenwale, ebenso die großen Delfinartigen wie Orca, Grind- und Belugawale fallen somit aus. Bei den letzteren wären auch Zähne oder Zahnlöcher im Kiefer sichtbar geworden. Der Schluss, dass es sich um einen Schnabelwal handelt, liegt also nahe.

Welche Schnabelwalarten kommen im Pazifik vor Süd-Sachalin vor?
Das ist hauptsächlich Arbeit mit den bekannten Suchroutinen, also Wikipedia, google und ein paar Spezialwebseiten. Dann kommen folgende Arten in Frage:
Mesoplodon ginkgodens (Männchen erreichen etwa 5 m, mit auffälligen Zähnen; Weibchen kleiner)
Mesoplodon carlhubbsi (Männchen erreichen etwas über 5 m, mit auffälligen Zähnen; Weibchen kleiner)
Mesoplodon stejnegeri (erreichen etwas über 5 m, mit auffälligen Zähnen)
Mesoplodon densirostris (erreichen knapp 5 m, mit auffälligen Zähnen)

Ziphius cavirostris (erreicht 7 m und trägt zwei auffällige Zähne an der Spitze des Unterkiefers)
Berardius bairdii (erreicht 10 bis 13 m, zeigt zwei bis vier Zähne im Unterkiefer)
Indopacetus pacificus (erreicht 7 m, sehr wenig bekannt)

Aufgrund der sehr auffälligen Zähne im Unterkiefer sowie der eher geringen Größe fallen die Mesoplodon-Arten heraus. Sie erreichen wenig mehr als 5 m, der Kadaver soll aber 7 m lang gewesen sein. Mehr lässt sich nicht sagen, da der Kiefer halb im Strandsand verborgen ist.

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Sachalin-Kadaver, Juli 2013

Beitragvon Marozi » 07.03.2014 21:20

Danke Dir Tobias, für diese erhellende Analyse und die Eingrenzung auf drei mögliche Kandidaten. :gut: :-D

Die Übersetzung "nicht weniger als vier Meter" hätte ich auch so verstanden, dass es mehr als vier sein könnten. Geht man jedenfalls von dieser Größeneinschränkung aus und schließt somit die Mesoplodon-Arten aus, ist der Kadaver von Juni definitiv nicht derselbe. Hier handelt es sich m. E. um M. stejnegeri wie man anhand des Zahns sieht (Juni-Kadaver: http://nevelsk.ru/photos/cat6/list6/507191&usg=ALkJrhgOOlWhyewbetoe7bmE60qj8mKEnQ; M. stejnegeri-Kadaver: http://vertebrates.si.edu/mammals/beaked_whales/pages/mst/mst_sp_pg1.htm) .
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Re: Sachalin-Kadaver, Juli 2013

Beitragvon Tobias » 08.03.2014 10:00

Hallo Marozi,

vermutlich habe ich die Formulierung "nicht weniger als 4 m" falsch als "weniger als 4 m" interpretiert. Ich denke aber, dass ein "nicht weniger als 4 m" und "etwa 7 m" doch einen ziemlichen Unterschied ausmachen, zumal beim Februar-Kadaver ja auch noch die Schwanzflosse fehlt. Dazu kommt, dass die Beobachter einen Geländewagen mit einer entsprechenden Länge (meist zwischen 4 und 5 m) gehabt haben, was die Abschätzung deutlich erleichtert.

Bei der Identifikation des Juni-Kadavers stimme ich dir zu, die Zähne sind so ähnlich, dass ich das Tier als "positiv identifiziert" ansehe.

Schöne Grüße

Tobias

PS: Hast du die Mail von letztens nicht bekommen?
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