Thor Heyerdahls rätselhafte Meeresbewohner

See-, Fluß- und Meeresungeheuer

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Thor Heyerdahls rätselhafte Meeresbewohner

Beitragvon TasmanischerTiger » 24.11.2014 03:21

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Der Norweger Thor Heyerdahl ist vielen sicherlich als schillernder Experimentalarchäologe und Abenteurer bekannt, der große nautische Risiken auf sich genommen hat, um die grundsätzliche Kritik an einer als Hyper-Diffusions-Lehre bezeichneten Vorstellung zu entkräften. Diese archäologisch-historische Idee besagt, dass der interkulturelle Austausch zwischen den Menschen über die ganze beobachtete Geschichte global sehr intensiv war und auch über Ozeane hinweg trotz des ehemals niedrigen seefahrerischen Könnens der Kulturen schon vor Jahrtausenden funktionierte. Thor Heyerdahl
1947 setzte Heyerdahl zu einer Pazifiküberfahrt von Südamerika aus an, um die Möglichkeit eines kulturellen Austausches zwischen prä-kolumbianischen indianischen Völkern und Polynesien mittels der frühen südamerikanischen Schiffsbauformen zu beweisen. Dieses nautische Abenteuer der besonderen Art brachte Thor Heyerdahl schließlich Weltruhm, einen Bestseller und sogar einen Oscar ein.
Die Fahrt auf dem floßartigen Balsaholz-Gefährt, auf dem sich eine Hütte als Aufbau befand in der die Teilnehmer der Expedition lebten, erwies sich als fantastische Gelegenheit nicht nur für Fischfang, sondern auch für gespenstisch nahe Begegnungen mit den verschiedensten Meeresbewohnern.
Der studierte Zoologe Heyerdahl berichtet in seinem Werk "Kon-Tiki" ausgiebig über fantastische Nahbeobachtungen von vielen bekannten Meeresbewohnern wie Walhaien oder einem außergewöhnlich großen Blauhai.
Aber auch unheimliche Begegnungen mit rätselhaften unidentifzierten Meerestieren oder Phänomenen werden geschildert.
Im folgenden übersetze ich nach der englischen Ausgabe von Heyerdahls "Kon Tiki" von 1948:

Zwischen dem 28. April und dem 7. August...

Einige Male, wenn die See ruhig da lag, füllte sich das nächtliche Wasser rund um das Floß plötzlich mit rundlichen Köpfen, 30-60 cm im Durchmesser, die uns regungslos aus großen, leuchtenden Augen betrachteten.
In anderen Nächten würden Lichtbälle von einem Meter Durchmesser unter der Oberfläche sichtbar werden, die unregelmäßig aufblitzten fast wie elektrische Leuchten, die für einen Moment angeschaltet werden.

...

Nach und nach gewöhnten wir uns daran, diese unterseeischen Geschöpfe unter dem Boden unseres Floßes zu wissen, aber wir waren trotzdem jedes Mal genauso überrascht, wenn sich eine neue Art blicken ließ. Um etwa 2 Uhr einer wolkenverhangenen Nacht, als es schon schwer war, schwarzes Wasser von schwarzem Horizont zu unterschieden, entdeckte der Mann an der Bugspitze ein schwache Leuchten tief im Wasser, das langsam die Gestalt eines großen Tieres annahm. Es war unmöglich zu erkennen, ob es Meeresleuchten war, das seinen Körper erhellte, oder ob es das Tier selbst war, das leuchtete. Jedenfalls gab das Glimmern tief unten im schwarzen Wasser dem Tier einen seltsam unsteten Umriss. Den einen Moment erschien es rundlich, dann oval oder dreieckig und plötzlich teilte es sich in zwei Teile, die unabhängig unter dem Floß hin- und herschwammen Schließlich waren drei dieser großen leuchtenden Phantome erkennbar, die langsam unter uns ihre Kreise drehten.

Es waren echte Giganten, denn allein die sichtbaren Anteile waren um die 9 oder 10 m lang und wir versammelten uns alle schnellstens an Deck, um dem Geistertanz zuzusehen. Es ging so weiter Stunde um Stunde, immer dem Kurs der Kon-Tiki nach. Geheimnisvoll und geräuschlos hielten sich unsere leuchtenden Begleiter ein gutes Stück unter der Meeresoberfläche, meistens auf Steuerbord, wo unser Licht hing. Aber auch oft direkt unter dem Floß oder auf Backbord-Seite. Der Schimmer auf ihrem Rücken zeigte uns, dass diese Tiere größer als Elefanten gewesen sein müssen, aber sie waren keine Wale, denn sie tauchten nie auf, um Luft zu holen. Waren es riesenhafte Fische, die sich um die eigene Achse drehten? Sie schienen es nicht zu bemerken, wenn wir unser Licht direkt an die Oberfläche hielten, um sie hoch zu locken. Und genau wie alle echten Geister und Gespenster versanken sie mit dem Morgengrauen wieder in den lichtlosen Tiefen.

...

So sahen wir auch den phosphoreszierenden Schein von Augen, die in dunklen Nächten an der Oberfläche trieben und bei einer einzigen Gelegenheit sahen wir auch, wie die See anfing zu kochen und zu schäumen, als etwas, das aussah wie ein großes Rad auftauchte und an der Oberfläche in der Luft rotierte. Währenddessen suchten unsere Delfin-Begleiter verzweifelt das Weite.

...

Einige Male fuhren wir auch an einer riesigen dunklen Masse vorbei, so groß wie ein ganzer Raum, die regungslos unter der Wasseroberfläche lag, fast wie ein verstecktes Riff. Es war bestimmt der große Manta oder Teufelsrochen, aber er rührte sich nie und wir kamen nie nahe genug, um seine Gestalt klar auszumachen.



Rätselhafte Beobachtungen, von einer Mannschaft, die dem Meeresleben des Pazifiks wahrscheinlich so nahe kam, wie keine vor ihr.
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Re: Thor Heyerdahls rätselhafte Meeresbewohner

Beitragvon Annie » 24.11.2014 07:07

Hallo,


So ganz spontan musste ich an den Humboldt-Kalmar (dosidicus gigas) denken..
In einer Doku wurde das blitzende Leuchten sehr eindrücklich gezeigt zudem sind sie gerne in Gruppen unterwegs.

Ich denke Kalmare könnten,neben anderer, eine Erklärung sein...
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Re: Thor Heyerdahls rätselhafte Meeresbewohner

Beitragvon TasmanischerTiger » 26.11.2014 00:26

Eine gute Frage ist, welche Kenntnisse man Ende der 1940er Jahre über Biolumineszenz von Meerestieren hatte. Wir haben heute sofort Kopffüßler und Nesseltiere im Kopf, aber damals - ich weiß es nicht.
Heyerdahl ist ja insgesamt sehr vorsichtig damit, seine verschiedenen rätselhaften Sichtungen zu erklären. Nur den Manta-Rochen nennt er klar beim Namen als Erklärung für den großen schwarzen Schatten.
Manches: keine Ahnung, was die Erklärung für das "Rad" sein soll, dass die See zum Schäumen und die Delphine zum Türmen bringt.
Auch die runden Köpfe: Klingen sehr nach Robben, aber auf hoher See, blieben da eigentlich nur Seeelefanten als Erklärung übrig.
Den "Geistertanz" hätte ich zu gern selbst miterlebt, wobei das bei mir auf der "Kon Tiki" - mehr Floß als Schiff - sicher für einen besonderen Nervenkitzel gesorgt hätte.

Für Seemannsgarn halte ich Heyerdahl's Berichte übrigens nicht, so sachlich und unaufgeregt wie er darüber berichtet, erscheinen sie kaum wie stilistische Mittel des Nervenkitzels, um seinen Reisebericht aufzupeppen. Je zweifelhafter die Beobachtungen, desto kürzer der Bericht - das spricht für ihn.
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Re: Thor Heyerdahls rätselhafte Meeresbewohner

Beitragvon Annie » 01.12.2014 20:38

Ich denke auch, dass es keine pure Fantasie ist... es wird bildhaft beschrieben sein, so wie man es macht, wenn man etwas sieht, was man nicht kennt...

Robbenähnlichen Tiere als weitere mögliche Erklärung finde ich auch sehr gut....

hm das Rad... vielleicht sind es die Luftblasenkreise von jagenden Buckelwalen... entsprechend übertrieben natürlich ;-)
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