TaurOs Project/der Auerochse

Tiere der Mammalogie

Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 13.06.2012 18:28

Das Heckrind hat nun eine über 70 Jahre lange Zuchtgeschichte. Dennoch ist es extrem heterogen, als würde der Kreuzungsprozess erst ein paar Generationen zurückliegen. Woran liegt das? Zum einen daran, dass die Hecks, wie bereits erwähnt, keine Exemplare aussortiert haben. Des weiteren verhinderte der Zweite Weltkrieg eine Fortführung der Zucht. Nach dem Krieg wurden die Heckrinder immer stärker unter verschiedenen Zoos aufgeteilt (im fälschlichen glauben, es handle sich um eine wissenschaftlich wertvolle Zucht). Ab etwa den 80ern kamen landwirtschaftliche Betriebe und Landschaftspflegeprojekte als Heckrindhalter dazu. Kaum einer dieser Standorte führte konsequente Selektionszucht. Das liegt auch daran, dass die meisten der Halter das Aussehen des Auerochsen nicht wirklich kannten oder kennen. So werden meist nur Exemplare mit gräulicher Farbe aussortiert. Mitunter wurde sogar gegen nach vorne gerichtete Hörner selektiert, wegen eines angeblichen Verletzungsrisikos.

Würde man konsequente Selektionszucht mit allen Heckrindern durchführen, käme man vielleicht auf eine gar nicht so schlechte Rasse. Man könnte den farblichen Geschlechtsdimorphismus fixieren, versuchen halbwegs gute Hörner zu bekommen und alle dackelbeinigen Tiere ausschließen. Sicherlich würden einige Merkmale nicht erreicht, wie etwa athletischer Körperbau, lange Schnauze, authentische Größe etc. weil diese Merkmale in der Heckpopulation nicht vorhanden sind. Auch müssten dazu alle Heckhalter kooperieren und Tiere austauschen, was ich für unwahrscheinlich halte, da jeder Züchter seine eigenen Pläne hat (wo liegt denn da eigentlich noch die Legitimation, das Heckrind als Abbildzüchtung zu bezeichnen?).

Dennoch lege ich hier allen Heckzüchtern eine Liste mit Ausschlusskriterien ans Herz, vielleicht liest ja der eine oder andere mit:

Empfehlung an Züchter: phänotypische Ausschlusskriterien für Heckrinder

Weg mit schwarzen oder dunklen Kühen! Sexualdimorphismus hat einen komplizierten genetischen Hintergrund, wenn man nicht konsequent alle dunklen Kühe entfernt, wird niemals die korrekte Wildfarbe stabilisiert sein. Ist ein Ausschlusskriterium beim Heckrinderzuchtverein, wird jedoch selten wirklich angewandt.
Helle Schattierungen im Bullenfell. Es gibt keinen Beleg für einen hellen Sattel bei europäischen Auerochsen, außerdem ist es oft nicht einmal wirklich ein Sattel, sondern eine von hellbraun durchsetzte Grundfarbe.
Gräuliche-beige Färbung.
Weiße Flecken, oft auf der Stirn oder am Bauch.
Hörner, deren Winkel zur Schnauze größer als 90° ist. Der Winkel beim Ur betrug 60°, bei Heckrindern ist er fast nie derart spitz. Die meisten haben wohl einen Winkel zwischen 80 und 120°. Offizielles Zuchtziel des Vereins ist <120°, aber das ist viel zu lasch.
Hörner, welche kürzer als die Hälfte der Schnauzenlänge sind. Bei Heckrindern treten kurze Hörner recht häufig auf, was an der Zuchtgeschichte liegt.
Beine, die kürzer als 90% der Rumpflänge sind. Man sollte die dackelbeinigen Tiere endlich ausschließen.
Dicker, an Hochlandrinder erinnernder Rumpf.
Langes Fell im Sommer. Tritt hier und da auf, insbesondere bei denen die aussehen wie dunkle Hochlandrinder.
Gerade Rückenlinie. Ist bei den meisten Heckrindern vorhanden, daher ist es wohl schwer, dagegen anzuzüchten, aber eine geschwungene Rückenlinie ist ein wichtiges Auerochsenmerkmal.
Kurzes Kälbchengesicht bei Bullen und Kühen. Bei den meisten Heckrindern vorhanden, bei einigen jedoch weniger deutlich ausgeprägt als anderen.
Stark hervorstehende Beckenknochen. Typisches Milchkuh-Merkmal, bei vielen Heckkühen zu sehen. Der muskulöse Körper eines Wildrinds sollte gewünscht sein.
Haarloses Euter, welches von der Seite deutlich erkennbar ist. Ebenfalls typisches Milchkuhmerkmal, bedeutet Energie- und Wärmeverlust in der Wildnis und sollte Ausschlusskriterium sein.

Wenn all diese Selektionskriterien befolgt würden, wäre nach ein paar Jahren/Jahrzehnten das Heckrind als durchaus Auerochsen-artige Robustrasse stabilisiert und könnte sich vielleicht sogar mit südeuropäischen Primitivrassen messen. Dann wäre die Arbeit, die nach 1945 getan hätte werden müssen, um das Heckrind eine Abbildzüchtung sein zu lassen, tatsächlich getan. Dass sich alle oder viele Züchter dazu bewegen lassen, und eventuell sogar Individuen fleißig und bedacht austauschen würden, glaube ich leider jedoch nicht. Lieber wird nach eigenem Ermessen gehandelt, mit bekannten bescheidenen Resultaten.

Zurück zu TaurOs (weitere Rassenvorstellungen):

Maronesa
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Wie versprochen, kommt nun mehr Information über die Primitivrasse Maronesa. Diese urigen Rinder stammen aus dem Norden Portugals und werden dort, wie die meisten anderen Rinder dort, ohne viel menschliches Zutun gehalten. Die Herden dürfen meist frei durch die gebirgige Landschaft wandern, haben nie einen Unterstand und meist wird nicht zugefüttert. Da in den entsprechenden Regionen auch Wölfe vorkommen, sind es diese Rinder gewohnt, sich und ihre Kälber erfolgreich gegen diese zu verteidigen. Im Winter bilden sie natürlich ein dichtes Winterfell aus, dass bei diesen offensichtlich effizient genug ist, dass sich die Maronesa ohne Probleme in den Schnee legen – das wird bei Heckrindern nur selten beobachtet. Im Sommer ist das Fell kurz und glänzend.
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Farblich sind Maronesas astrein und übertreffen m.M.n. das Heckrind ohne weiteres. Weiße Schnauzenspitze ist bei beiden Geschlechtern vorhanden, Dimorphismus ist deutlich: Schwarzbraune Bullen mit Aalstrich, rotbraune Kühe ohne Aalstrich.* Die Farbe der Stirnlocken variiert von hellbraun bis schwarz. Die Hörner sind v.a. bei Bullen imposant; lang, dick und nach vorne-innen zeigend, im 60°-Winkel. Allerdings haben manche Kühe in den „runierten“ Linien nach außen gedrehte Hörner. Als Zugrinder sind Maronesa athletisch gebaut, es ist ein Schulterbuckel sowohl bei Stier als auch Kuh zu sehen (wie beim Auerochs). Der Rumpf ist vom Profil her meist nach hinten spitz zulaufend, folglich gibt es die schlanke Taille. Beine sind natürlich lang und schlank. Das Euter ist im Idealfall sehr klein und kaum sichbar.
Maronesas gehören meiner Meinung nach zu den Top 3 der Auerochsen-artigsten modernen Robustrinder überhaupt, deren Integration in TaurOs Project ist sicherlich sehr profitabel. Man stelle sich mal eine Kreuzung mit etwa Maremmana primitivo vor, welche noch mehr Größe hinzufügt und eine noch schlankere Gestalt bringt.
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* Leider ist es auch bei manchen Maronesa der Fall, dass von der zuständigen Zuchtorganisation gegen rote Kühe selektiert wird. Rote Kühe werden anscheinend von den Bauern nicht so schön gefunden und sind unerwünscht, sodass bei einigen Linien (oft durch Produktivrassen zerkreuzt) der farbliche Dimorphismus bereits reduziert ist. Bei Sayaguesa ist das am meisten fortgeschritten, doch es gibt immer noch Individuen die sehr gut für die Rückzüchtung geeignet sind.

Barrosa
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Barrosa stammt ebenfalls aus Nordportugal und lebt unter ähnlichen Umständen wie Maronesa. Die Bullen sind etwas massiger und kurzschnauziger, aber recht groß. Der Vorzug dieser Rasse: imposante Hörner mit guter Krümmung. Die Hörner erreichen meines Wissens bis zu 120 cm Länge bei Bullen. Bei Kühen zeigen sie oft nach oben, aber das ist mit Kreuzung sicherlich behebbar. Bei Barrosa sind ei Bullen relativ hell, doch stehts dunkler als die Kühe, welche recht hell sind. Die Rasse ist also klasse für etwa Sayaguesa-Rinder, da die zwar eine gute Statur aber eher kleine Hörner haben, außerdem sind die Kühe recht dunkel. Gekreuzt mit Barrosa dürfte also akkurater Hornschwung mit deutlich helleren, rotbraunen Kühen und schwarzen Bullen (das Schwarz der Sayaguesa-Bullen ist sehr dominant, die dunkle Farbe der Kühe lässt sich jedoch schnell beheben) herauskommen.

Podolica
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Das italienische Podolica ist nicht mit dem podolischen Steppenrind zu verwechseln. Letzteres dürfte zwar von diesem abstammen, aber durch Vermischung mit U. Steppenrindern viel Auerochsen-artigkeit eingebüßt hat.
Podolicas stammen aus Gebirgsregionen Norditaliens und sind feucht-kaltes Klima ebenso wie die Maronesas und Maremmanas gewohnt. Bei ihnen finden sich noch ziemlich dunkle, mitunter gänzlich schwarze, Bullen bei gleichzeitig hellen Kühen. Es fehlt das Rot-Allel für die Fellfarbe, doch mit der richtigen Rasse gekreuzt ist das schnell wieder drinnen; dann hat man ein wildfarbenes Rind. Die Beine sind lang und der Kopf recht groß, Statur ist gut und athletisch geformt. Die Hörner sind eher klein und recht aufrecht, doch das lässt sich spätestens in F2 beheben. Ein weiterer Vorzug der Podolicas ist neben ihrer Robustheit und dem guten Körper ihre Größe: Podolicas sind mitunter verdammt groß. M.W. erreichen die Bullen bis zu 170 cm Schulterhöhe, vielleicht sind sogar 180 cm drinnen. Die verwandten Boskarin-Rinder aus Istrien sind sogar noch größer und ebenfalls sehr gut geformt, jedoch weniger wildfarben – im Prinzip ist es jedoch das Wildfarb-Gen, es fehlen nur ein paar Pigmenttypen, die man „hineinkreuzen“ kann. Die helle Oberseite der Podolica-Bullen mag vielleicht unschön aussehen, doch die ist mit einer einzigen Kreuzung weg. Man darf sich bei der Beurteilung von geeigneten Rassen nicht von solchen Kleinigkeiten ablenken lassen, denn die Farbe ist, wie gesagt, nur das wenigste und auch am leichtesten zu erreichen (vom Dimorphismus abgesehen).
Man stelle sich einen Podolica x Barrosa x Maronesa-Mischling vor: gute ökologische Kapazität mit dichtem Fell, gute Größe, definitiv lange und dicke Hörner mit richtiger Krümmung, Wildfarbe und wahrscheinlich ziemlich guter Statur. In ein Paar Jahren ist das Realität.

Was mich daran so begeistert, ist, dass man heutzutage aufgrund der viel besseren Ausgangsrassen bereits in F1 und F2-Generationen, also relativ rasch, ziemlich Auerochsen-artige Rinder herauskreuzen kann. Man muss also keineswegs lange auf die ersten auerochsenartigen TaurOs-Herden warten. Außerdem steckt das Heckrind phänotypisch ja immer noch in der Frühphase der Stabilisierung bzw. ist dort stecken geblieben, und derartige Selektionszucht würde mindestens genauso lange dauern, ist praktisch relativ unwahrscheinlich und würde wahrscheinlich auch ein weniger gutes Resultat bringen. Zeit ist hier also keineswegs ein Argument.

Die Primitivrassen sind derart interessant und wertvoll, dass ich hoffe, jemand bringt einmal ein schön illustriertes Buch über sie heraus.

LG
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 16.07.2012 21:11

So, dies ist nun mein vorerst letzter Post für diesen Thread, da ich mich nicht mehr wirklich aktiv mit dem Auerochsen beschäftige:

Hier habe ich eine Liste von möglichen Argumenten gegen die Zucht eines möglichst guten Ersatz-Auerochsen und wodurch diese m.M.n. entkräftet werden:

• Eine neue Zucht brauche angeblich lange, um sich zu etablieren und Auerochsen-artig zu sein

Zum einen verwendet TaurOs Ausgangsindividuen in großem Ausmaß (mindestens eine Herde pro Rasse), daher wird es wohl auch recht schnell viele Kreuzungstiere geben und wahrscheinlich ist der Taurosochsen-Bestand um 2020 bereits im dreistelligen Bereich. Darüber hinaus sind die Ausgangsrassen alle samt bereits (bessergesagt: noch) ziemlich Auerochsenartig, daher würden sich abweichende Exemplare sicherlich nicht so dramatisch auswirken wie beim Heckrind. Darüber hinaus würde ein Selektionsprozess, welches Heckrinder als ganzes an einen Ur-artigen Phänotyp heranführen könnte, nicht kürzer dauern. Die Mehrheit der Heckrinder ist immer noch von sehr bescheidener Authentizität und auch die Robustheit ist keine Besonderheit, zudem ist das Heckrind nur auf eine Region zugeschnitten: Mittel- bis Nordwesteuropa. In der Puszta versagen die Heckrinder im Winter, und in Iberien würden sie wohl auch nicht gut performen.

• Das Heckrind habe mehr „Wildniserfahrung“ und sei „erprobter“ als der sich im Aufbau befindende Taurosochse

Das ist leider ein Wischiwaschi-Argument, da außer es außer in Oostvaardersplassen keine wilden Heckrinder gibt. Der Rest lebt in Beweidungsprojekten in extensiver Landwirtschaft, oder in Zoos. Sie werden nicht „wilder“ gehalten, als die Ausgangsrassen von TaurOs seit Jahrhunderten. Außerdem sind werden die Tauros-Rinder auf einem wesentlich größeren Areal und ohne wesentliche Zufütterung im Winter gehalten, also weniger behütet als Heckrinder in extensiver Landwirtschaft. Die Häufigkeit der Heckrinder, die daran liegt, dass es leider in falschem Glauben schnell und weit verbreitet wurde, ändert daran nichts.

• Es gehe ja um ökologische Funktionalität, und nicht „nur um Optik“

TaurOs achtet primär auf ökologische Funktionalität, wovon auch die Rasseauswahl der Herden in den verschiedenen Regionen abhängt (z.B. keine Hochlandrinder in Iberien, keine Pajunas in Nordeuropa). Da aber viele Rinderrassen sich ökologisch gut für die Wildnis eignen, ist es nur logisch, wenn das Projekt vorrangig mit dem Phänotyp und der Genetik wirbt. Außerdem kann man Phänotyp und Ökologie nicht trennen, denn dackelbeinige dicke Rinder mit verkorksten Hörnern sind bei Raubtieren und Rang- und Brunftkämpfen denen mit Wildrind-Körper- und Hornform definitiv unterlegen.

• Der Taurosochse könne angeblich ohnehin nicht viel besser als das Heckrind/Taurusrind werden

Nun ja, die Ausgangsrassen sind um einiges geschickter gewählt würde ich sagen. Was noch wichtiger ist: TaurOs Project ist ein eigenes wissenschaftlich fundiertes Projekt, welches die Zucht der Rinder möglichst nahe an den Auerochsen in phänotypischer und ökologischer sowie genetischer Hinsicht führen will, während Heck-/Taurusrinder in Beweidungsprojekten gehalten werden, wo die Zucht nur nebenbei betrieben wird und die Authentizität der Rinder nur eine nebensächliche Rolle spielt. Darüber hinaus gibt es bei Heck/Taurus keine Dachorganisation, welche rigoros angemessene Selektionskriterien durchsetzt, und jeder Züchter ist ein Individuum und handelt in eigenem Ermessen; und diese Züchter sind eben oft Landschaftspfleger, Landwirte oder Zoos, und keine wissenschaftlich ausgebildeten Experten bzgl. Auerochse und Genetik.
Beim Taurosochsen gibt es jedoch eindeutig definierte Zuchtziele und Standards, und sie werden eben von einem Projekt gezüchtet, welches ausschließlich dieses Ziel verfolgt. Das ist ein Riesenvorteil. Außerdem ist das TaurOs-Projekt das einzige, welches regionale Subtypen der Rasse mit Rücksicht auf die jeweiligen natürlichen Anforderungen anstrebt. Noch dazu kommt, dass TaurOs noch gentechnische Methoden hinzuzieht, sobald diese umsetzbar sind. Etwa könnte bald horizontaler Gentransfer mit entschlüsselten Auerochsenmerkmalen möglich sein (sprich, genuine Einzelmerkmale des Auerochsen in die Kreuzungsrinder „einsetzten“), und vielleicht gibt es in der Zukunft sogar Klon-Auerochsen, welche man in die Zucht einarbeiten kann (sofern es möglich ist und man mit diesen alleine keine lebensfähige Population zusammen bringt).

Zum Abschluss noch ein paar Bilder von schönen Auerochsen-artigen Rindern aus Südeuropa (die natürlich auch in Mitteleuropa bestens klarkommen):

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(Sayaguesa)
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(Maremmana primitivo-Stier)
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(Caldela)
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(Cachena)
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(Kampfrind)
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(Kampfrind)
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(Kampfrind)
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(Castellana, man beachte vor allem den Geschlechtsdimorphismus)
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Limia-Rind.

Ich denke, derartige Rinder verdeutlichen sehr gut, dass das Heckrind eigentlich nicht im entferntesten eine Besonderheit ist. Schade, dass dies bislang so wenigen bekannt ist.
Zuletzt geändert von Allosaurus am 14.09.2013 15:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 20.01.2013 23:18

Nun ist es mehr als ein Jahr her, dass ich hier die ersten Posts geschrieben habe (deren teilweise zu bashigen Ton ich heute gerne revidieren würde), dementsprechend gibt es auch ein paar Neuigkeiten.

Leider wurden zwar die Studien zu der Genetik der Primitivrinder immer noch nicht veröffentlicht, dafür ist jetzt mehr Bild- und Informationsmaterial zu den Kreuzungen von TaurOs Project vorhanden.

TaurOs Project verfügt über viele Maremmana x Hochlandrind-Kreuzungen, die jetzt knapp 3 Jahre alt sind. Highland würfelt den Dimorphismus durcheinander, die Kreuzungen sind immer noch kurzbeinig; dafür ist der dichte Pelz nicht mehr ganz so lang, die Hörner sind groß (und vor allem bei den nicht im Web zu findenden Bullen beeindruckend dimensioniert), und die Tiere sind natürlich sehr winterhart. Die Wildfarbe mit Mehlmaul scheint durch.
http://1.bp.blogspot.com/-zuRCu-Nvh0g/U ... 1%2529.JPG
http://2.bp.blogspot.com/-ImlAXn_N97M/U ... 2%2529.JPG

Diesen Maremmana-Hochland-Kühen wurde ein großer Sayaguesa-Stier (auf dem Bild) zugeführt. Sayaguesa fügt Größe, Langbeinigkeit, langen Schädelbau, nach vorne gerichtete Hörner und einen Ur-ähnlicheren Körperbau hinzu. Da bei dieser Rasse schwarz bei Bullen sehr dominant ist, ein vestigialer Aalstrich vorhanden ist, und sich die Kühe leicht aufhellen lassen, sind die resultierenden Kälber farblich dem Ur bereits nahe:

http://4.bp.blogspot.com/-vqEnpxorhcA/U ... 1120_1.jpg

Die Kälber sind die fünf kleineren Individuen im Hintergrund; die zwei ganz linken Kälber sind Weibchen, und man sieht, dass sie deutlich heller und als die Bullenkälber sind; jene sind schwarz, mit Mehlmaul und Aalstrich (Bullkalb links, Kuhkalb rechts):
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Ich finde es toll, dass sogar bei diesem kleinen Bullen bereits deutlich der Auerochsen-Buckel zu sehen ist. Ich erwarte, zusätzlich zur richtigen Fellfarbe, recht große oder mittelgroße nach vorne zeigende Hörner, aber einen noch recht dicken Körperbau - das muss man also in der F3-Generation beheben, die man in frühestens 2 Jahren erwarten kann.

Die schlechte Maremmana x Tudanca x Sayaguesa-Kuh wurde aussortiert, dafür gibt es jetzt ein Bullkalb das in etwa so vielversprechend ist wie seine Verwandten mit Maremmana-Abstammung (auf dem Bild mit seiner Mutter zu sehen).
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Der "Star" unter den bisherigen Resultaten ist der Maremmana x Pajuna-Stier, der mittlerweile ein prächtiger junger Bulle ist. Er hat eine einwandfreie Auerochsenfarbe, relativ lange Beine und dürfte zwischen 160 und 170 cm Schulterhöhe erreichen (Maremmana primitivo werden oft so groß, und sein Vater war mit 165 cm der größte bekannte Pajuna-Stier). Die Hörner sind leider nicht so groß geworden wie erhofft und zeigen noch deutlich nach außen. Deshalb will man ihn u.a. mit Maronesa kreuzen, was diese Mängel behebt und wohl ein dem Auerochsen sehr ähnliches Tier ergeben wird. Der Stier hat bereits u.a. Limia, Pajuna, Maremmana und Highlands gedeckt (die Rinder sind neben gezielten Paarungen natürlich auch in der Lage, sich "nach Lust und Laune" zu vermischen).

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TaurOs Project hat auch einen Maremmana x Limia-Stier, der diesem recht ähnlich sieht. Er hat allerdings einen deutlicher ausgeprägten Buckel (positiv), einen gräulichen Sattel (negativ) und dürfte größere Hörner bekommen.

All diese Rinder befinden sich im Naturreservat Keent, Niederlande. Sie grasen dort mit wenig Einfluss des Menschen auf großer Fläche, bekommen im Winter kaum Zufütterung und bilden selbständig Herden (gemischtrassig, übrigens). Individuen, die mit den harten Wintern nicht klarkommen, werden von der Zucht ausgeschlossen (bislang gab es so einen Fall aber noch nicht). Natürlich werden, wie bereits erwähnt, sowohl gezielte Paarungen durchgeführt als auch solche, die die Rinder von sich aus begehen. Und hier gilt, der stärkste Stier gewinnt. Kommen dabei unliebsame Kombinationen heraus, kann man sie selbstverständlich aussortieren. Man plant, nach Generation 1 und 2 keine weiteren Highlands mehr zu verwenden, da diese von all den verwendeten Rassen am wenigsten Ur-artig sind.

Die Herde in Keent ist die Hauptherde, aber weitere befinden sich im Aufbau: so hat man letztes Jahr begonnen, in Faia Brava TaurOs-Herden mit Maronesas und anderen geeigneten Lokalrassen aufzubauen, und voraussichtlich dieses Jahr kommt eine Herde in der Tschechei dazu. Bei der Rassenzusammensetzung wird neben der Auerochsen-artigkeit v.a. darauf geachtet, dass sich die Rassen ökologisch für die jeweilige Region eignen - also keine Highlands in Iberien, dafür mehr davon im Norden und Maremmanas etc. z.B. in Mitteleuropa.

Die mit dem Maremmana und Podolica verwandte Rasse Boskarin wird demnächst auch für Mittel-Ost-europäische Zuchtherden verwendet. Diese haben neben ihre Härte v.a. den Vorteil, dass sie teilweise wirklich sehr groß werden und über eine Ur-ähnliche Körperform verfügen.

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Eine neue Entdeckung sind die "maltesischen Ochsen" von Malta. Diese haben eine annähernde Wildfarbe mit (abgeschwächtem) Geschlechtsdimorphismus, werden ebenfalls sehr groß (180 cm bei Bullen!) und sind schlank, hochbeinig und mit Auerochsen-artiger Körperform. Die Hörner sind jedoch ziemlich klein, doch das dürfte sich mit den Vorteilen aufwiegen.

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Und dieser hübsche Maronesa-Jungstier darf künftig halbwild mit den anderen TaurOs-Individuen leben und sorgt hoffentlich für sehr "urige" Nachkommen:

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Man sieht also, es geht recht flott voran mit TaurOs Project, und nächstes Jahr werden einige weitere Kreuzungen folgen. Hoffentlich sind dann auch die genetischen Hintergründe endlich publiziert.
Zum Abschluss wieder ein paar Auerochsen-Rekonstruktionen:

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Zuletzt geändert von Allosaurus am 05.04.2013 11:36, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Tobias » 21.01.2013 18:07

Hallo Allosaurus,

ich hatte schon deine Meldungen zu diesem sehr interessanten Thema vermisst. Toll, wie es voran geht, ich hätte nicht gedacht, dass die "Hardware" binnen so weniger Generationen wieder so ähnlich wird.

Zu deiner unteren Rekonstruktion habe ich aber noch eine Frage:
Wie kommt es, dass du für diese Rekonstruktion im Halsbereich lockiges Fell gewählt hast?

Schöne Grüße

Tobias
"Je ungewöhnlicher eine Tatsache ist, die zu beweisen ist,
um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 21.01.2013 18:55

Hallo Tobias,


Ja, es ist wirklich erfreulich, wie schnell man hier Erfolge erzielt hat; die F2-Hochlandmischlinge etwa sind besser geworden, als ich es erwartete. Einige Rinderrassen sind dem Ur eben noch so ähnlich, dass schon ein bis zwei Kreuzungsgenerationen tolle Resultate bringen. Die Anfänge der Hecks kann man da nicht annähernd vergleichen; sie brauchten 11 Jahre, um die Wildfarbe zu erreichen, die andere Rassen nie verloren haben.
Innerhalb weniger Jahre wird man wahrscheinlich noch bessere Exemplare haben, aber die wirkliche Arbeit ist damit natürlich noch nicht getan: die erwünschten Allele müssen wirklich fixiert sein, und man muss während der Expansion der Zucht immer und immer wieder schlechte Individuen aussortieren und das Zuchtziel im Auge behalten. Dafür hat TaurOs Project auch jüngst einen Katalog mit einheitlichen, am Auerochsen orientierten Zuchtkriterien erstellt, um dies zu garantieren. Dies hat man beim Heckrind versäumt, was zu der sehr heterogenen und wenig authentischen Gesamtpopulation geführt hat, die wir heute kennen.

Die lockigen Haare im Halsbereich finden sich u.a. bei Stieren der Chillingham-Rinder und mancher spanischer Rinder, und bei einigen Bullen in Oostvaardersplassen. Chillingham-Rinder dürfen seit Jahrhunderten ihr natürliches Sozialverhalten mit allen heftigen Rangkämpfen ausleben, und als ich diese im Sommer in Northumberland besuchte, erzählte mir der Rinderwächter Richard Marsh, dass er glaubt, diese "Mähne" habe die Funktion, die Haut im Halsbereich der Bullen bei Rangkämpfen vor den Hörnern des Gegners zu schützen. Bei den Heckstieren in Oostv. treten diese plötzlich ebenso auf, und spanische Stiere leben ebenfalls seit langem schon unter semi-natürlichen Umständen. Daher halte ich die Vermutung, dass diese Locken tatsächlich diese Funktion haben, für plausibel. Historische Quellen geben darüber leider keinen Aufschluss (das lockige Stirnhaar wird jedoch sehr wohl erwähnt) und präparierte Auerochsenfelle gibt es leider nicht (mehr). Es ist natürlich spekulativ, und ich würde Auerochsen-Stiere auch genauso ohne diese Mähne rekonstruieren.
Meine Rekonstruktion basiert übrigens auf einem Oostvaardersplassen-Bullen, dessen Proportionen und Körperform ich entsprechend veränderte, sodass sie auf das Skelett eines Urstieres aus Braunschweig passen. Die Hörner sind auf den Knochenkernen basierend mit GIMP gemalt.

LG
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 29.01.2013 19:17

Ich habe zur Nahaufnahme des Kreuzungs-Bullkalb nun auch das Kuhkalb hinzugefügt, damit man den farblichen Geschlechtsdimorphismus sieht.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass TaurOs Project die bedrohten Primitivrassen nicht nur kauft und zur Kreuzung verwendet, sondern sich auch für deren quantitativen und qualitativen Erhalt einsetzt. So ist etwa der ursprüngliche Phänotyp von Pajuna akut bedroht, da diese Rasse generell selten ist und oft mit Produktivrassen gekreuzt wird. Auch sind die Zuchtziele der einzelnen Rassen oftmals gegen Ur-Merkmale gerichtet. So mögen die meisten Bauern den Geschlechtsdimorphismus nicht und züchten deshalb dagegen an. Bei Sayaguesa ist das leider bereits weit fortgeschritten, denn vor wenigen Jahrzehnten hatte auch diese Rasse eine sehr gute Wildfarbe mit Dimorpismus – wie die selten auftretenden rotbraunen Sayaguesa-Kühe bezeugen. Maronesa steht dasselbe bevor, wenngleich diese Rasse farblich noch sehr gut ist. Um dies einzubremsen, leistet TaurOs Project bei den jeweiligen Zuchtorganisationen Aufklärungsarbeit um zu zeigen, dass man diese Merkmale auch als sehr wertvoll da „urig“ betrachten kann. Wenn man also immer die ursprünglichsten Individuen dieser Rassen verwendet und fördert, wird der ursprüngliche Phänotyp nicht verschwinden, sondern evtl. sogar verbessert.

Dies bringt mich wieder auf das Spanische Kampfrind, Lidia. TaurOs Project verwendet diese Rasse nicht aufgrund ihrer meist ziemlich geringen Größe (Bullen über 150 cm sind eine Seltenheit), abweichender Farb- und Hornformen sowie dem Hang zu übersteigerter Nervosität/Aggressivität.
Allerdings muss man erwähnen, dass es immer wieder Stiere gibt, die wesentlich größer sind oder keine „Kampflust“ zeigen – solche werden meist leider aussortiert. Man könnte solche Individuen also retten und mit ihnen züchten; würde man dazu ausschließlich wildfarbene Tiere mit guten Hornformen und einem Auerochsen-artigen Körperbau verwenden, hätte man wohl eine ziemlich gute und ursprüngliche Lidia-Linie geschaffen. Zuchtlinien wie Casta Navarra u.ä. sind nämlich immer noch farblich sehr gut, und die Körperform ist bei den meisten Lidias ziemlich ursprünglich. Beispiele für ursprüngliche Kampfrinder habe ich bereits hier gepostet. Man könnte aus Lidia also ein Rind herauszüchten, dass Wildfarbe, richtige Hornform, richtige Körperform und annähernd passende Größe aufweist (iberische Ure waren ohnehin kleiner als jene in Nord- und Mitteleuropa) und vielleicht auch ein geringeres Aggressionspotential als übliche Kampfrinder hat. Allerdings ist es dann für eine Verwendung in TaurOs Project vielleicht schon zu spät, weil man nach der Dauer eines solchen Zuchtversuchs auch bei TaurOs Project bereits sehr weit sein wird.

Ich bin neulich auf Bilder von Tudancas und Sayaguesas in den Niederlanden gestoßen, die relativ unbeeindruckt im Winter grasen: http://arjenboerman.blogspot.nl/2012/02 ... 2.html?m=1
Wie man sieht, ist auch ihr Fell dicht und isolierend genug, sodass der Schnee auf ihnen liegen bleibt und nicht schmilzt (das wird ja oft als Besonderheit des Heckrinds hervorgetan, was falsch ist):
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Dieses Video zeigt eine große Podolica-Herde mit vielen interessanten Individuen: http://www.youtube.com/watch?v=JfmsndrP6Sc
Bild
Podolica stammt aus norditalienischen Gebirgsregionen und ist daher ebenso winterhart wie die anderen Rassen. Wenn man sich das Video ansieht und die Größe der Rinder mit den Leuten und dem Traktor vergleicht, sieht man, dass diese Rasse wirklich groß wird. Ihr Körperbau ist nahezu perfekt, mit geschwungenem Rücken, schlankem Rumpf und langen Beinen. Der Farbe fehlen, wie allen Rindern aus der Steppenrind-Gruppe, die Phäomelanine (verantwortlich für die Rotfärbung) – was binnen einer Generation behoben werden kann -, aber ansonsten ist sie ziemlich gut. Mit Mehlmaul, Aalstrich und deutlichem Geschlechtsdimorphismus (wobei dunkle Kühe hier und da auftreten).

Hier ist noch eine Liste der von TaurOs verwendeten Rassen mit ihren Pros und Contras:

Sayaguesa: Wildfarbe mit dominantem schwarz, geschwungener Rücken, gute Proportionen, mitunter richtige Hornkrümmung, Auerochsen-artiger Schädelbau; sehr dunkle Kühe, lange Kehlwamme, Hörner eher klein;
Pajuna: schlanker und athletischer Körperbau, richtige Proportionen, Auerochsen-artiger Schädelbau, mitunter richtige Hornkrümmung; Bullen Tendenz zum Sattel, eher kleine Hörner, lange Kehlwamme;
Maronesa:geschwungener Rücken, gute Proportionen, passende Wildfarbe, Hörner mit oft richtiger Krümmung und Dimensionierung; Hörner stark nach vorne, Schädel eher kurz, Aalstrich mitunter reduziert
Maremmana primitivo: geschwungener Rücken, große und lange Hörner, länglicher Schädelbau, lange Beine; große Wamme, fehlendes Rot in der Färbung, Hörner sehr aufrecht und schwach gekrümmt
Hochlandrind: dichter und langer Pelz, sehr Niederschlagstolerant, deutliche lange Stirnlocken, lange Hörner mit teilweise richtiger Krümmung; dicker, schwerer Körperbau, kurze Beine und kurzer Schädel, keine Wildfarbe
Limia: helle Kühe, gute Proportionen; Tendenz zum Sattel, Hörner nicht immer gut gekrümmt/dimensioniert
Podolica: gute Körperform und richtige Proportionen, gute Färbung, sehr groß; Fehlendes Rot in der Färbung, Hörner aufrecht und eher klein, lange Wamme
Barrosa: sehr gut dimensionierte und oftmals richtig gekrümmte Hörner, helle Kühe; eher stockige Bullen, hell gefärbte Bullen, kurzer Schädelbau
Boskarin: gute Körperform und richtige Proportionen, sehr groß; Fehlendes Rot, Hörner aufrecht, lange Wamme
Malta-Rind: sehr gute schlanke Körperform, länglicher Schädelbau, deutlicher Dimorphismus in der Größe; Geschlechtsdimorphismus in der Farbe reduziert, Hörner klein und aufrecht

Anmerkungen: die Verwendung von Tudanca ist auf die vorhandene Kreuzungskuh begrenzt, und die von Malta-Rind und Boskarin ist noch nicht fix, aber wahrscheinlich. Wenn ein Merkmal bei einer Rasse nicht explizit hervorgehoben ist, heißt das nicht, dass es nicht vorhanden ist, sondern dass es bei anderen eklatanter ist.

Ach ja, für die Herde in der Tschechei wird Caldela (Bilder bereits hier gepostet) in Betracht gezogen. Sie sind Sayaguesa oder Limia ähnlich, jedoch ein wenig stockiger und winterhärter.

Hier noch ein Stimmungsbild einer Gruppe der Maremmana-Kühe von TaurOs im Herbst:

Bild

Und hier weitere Photos des Maremmana x Pajuna-Stiers:

Bild Bild

EDIT:
Hier noch ein Video von Maltarindern (reinrassige gibt es leider nicht mehr, aber diese Herde sieht ziemlich gut aus):

http://www.timesofmalta.com/articles/vi ... ife.321825

LG
Zuletzt geändert von Allosaurus am 03.03.2013 18:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 23.02.2013 13:58

Artikel von Rewilding Europe über TaurOs Project. Darin ist interessanterweise von 150 Kreuzungsindividuen die Rede - entweder damit sind Kreuzungen plus ihre Ausgangstiere gemeint, oder es gibt einen Haufen an Kreuzungen, von denen ich noch nichts weiß.

http://www.rewildingeurope.com/blog/201 ... ing-wings/

Laut Artikel will man zunächst (also in den ersten paar Generationen) vorrangig anhand ökologischer und phänotypischer Kriterien selektieren, und wenn es genug fortgeschrittene Taurosochsen gibt, diese auch genetisch vergleichen und somit anhand genetischer Ursprünglichkeit selektieren. Das dürfte wohl der interessanteste Aspekt sein.

TaurOs hat mittlerweile auch ein FlickR-Portal, auf dem man sich Photos der Kreuzungstiere und Ausgangsrassen ansehen kann. http://www.flickr.com/photos/93256063@N02/ Die interessantesten poste ich hier:

Bild
Maremmana x Highland-Kühe im Alter von etwa 1,5 Jahren.

Bild
Maremmana x Pajuna-Jungstier mit 2 Jahren.

Bild
Bild
Maremmana x Limia-Jungstier mit 1,5 Jahren. Der Sattel ist leider nicht verschwunden, aber er hat m.M.n. tolle Proportionen, eine geschwungene Rückenlinie, ausgeprägtes Stirnhaar und auch die Hörner scheinen größer zu werden als bei der Pajuna-Kreuzung.

Bild
75 % Sayaguesa, 25 % Alistana-Sanabresa, daneben reinrassige Sayaguesa. Diese Kreuzungskuh ist gut gelungen, die Hörner und der Buckel sollten jedoch stärker ausgeprägt sein - Kreuzung mit Barrosa oder dem Limia-Mischling empfiehlt sich in meinen Augen.

Bild
Reinrassige Limia-Kuh mit reinrassigem Bullkalb. Limias haben, wie man sieht, mitunter eine perfekte Wildfarbe mit allen Auerochsenmerkmalen, Bullen tendieren jedoch zum Sattel.

Bild
Stammbaum der gegenwärtigen Tauros-Kreuzungen. Die einzelnen Bilder zeigen keine bestimmten Individuen, wenn also 4 mal ein Maremmana-Bild vorkommt, sind es dennoch 4 verschiedene Kühe.

Bild
Herde von verschiedenen Tauros-Rindern in Keent. Im Hintergrund ein Maremmana-Bulle, rechts davon eine Podolica-Kuh, Limia-Kuh, Kreuzungs-Bullkalb und eine Maremmana-Kuh.

Bild
Junger Pajuna-Stier, der eine Maremmana-Kuh beschnüffelt. Man beachte die schlanke und hochbeinige Statur. Im Hintergrund weiterer Pajuna-Stier und Limia-Kuh.

Bild
Podolica-Kuh. Auerochsen-artige Proportionen mit langen Beinen, kurzer Rumpf und großem Kopf. Man beachte die Größe der Rasse, v.a. verglichen mit den Highlands.

Bild
Die Tudanca x Highland Kreuzungskuh und der große Sayaguesa-Stier der sie gedeckt hat.

Bild
Bild

Zwei Maronesa-Kühe mit ziemlich Auerochsen-artiger Gesamterscheinung in der neuen TaurOs-Herde in Faia Brava, portugiesisches Hochland. Sie dürfen dort nun wild in ihrem natürlichen Lebensraum leben und für "urigen" Nachwuchs sorgen.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 02.03.2013 19:04

Noch ein paar weitere Gedanken:

Wann ist der Taurosochse fertig?

Manche bezeichnen bereits F2 und F3-Individuen als Taurosochsen, für mich sind es aber die ersten Individuen, die alle Zuchtziele mehr oder weniger in sich vereinen. Wann es die gibt, vermag ich nicht zu sagen, aber vielleicht sind dies bereits F3- oder F4-Kreuzungen (erwartbar für 2015-2018). Aber abgeschlossen ist die Zucht dann noch lange nicht, denn wie das Heckrind beinhält sie dann noch eine Menge unwerwünschter Merkmale der Stammrassen. Wenn die Population dann vergrößert und fragmentiert wird, träten diese an die Oberfläche. Es ist also wichtig, während dieser Phase konsequent zu selektieren um den Phäno- und Genotyp tatsächlich zu stabilisieren ohne Inzucht anzuwenden. Laut TaurOs Project soll die Zucht 2025 fertig sein, doch das halte ich für zu früh (F6-Generation). 2050 ist für mich ein weitaus realistischeres Datum (F15, vierzig Jahre Zuchtgeschichte).
In der ersten Phase muss man transformierende Selektion anwenden, um einen bestimmten Phäno- und Genotyp zu fixieren. Diese Phase ist nun im Gange. Darauf folgt die stabilisierende Selektion, die diesen stabilisiert indem abweichende Individuen ausselektiert werden. Mit dieser Phase kann man beginnen, wenn alle Individuen zufriedenstellend Auerochsenartig sind (evtl. 2020). Von nun an können die Tiere auch beginnen zu verwildern, da keine kontrollierten Paarungen mehr erforderlich sind. D.h. natürliche Selektion bestimmt die Ur-ähnlichen Rinder maßgebend, und menschlicher Einfluss tut das übrige durch Entfernen von züchterischen Rückschlägen. Dann hat man bis 2050 nicht nur ein Rind, dass die Zuchtziele stabil in sich vereinigt, sondern auch durch natürliche Selektion verfeinert wurde, und die äußerlichen Merkmale sind auch mit der Funktionalität abgestimmt und tatsächlich Wildmerkmale; und das Verhalten wird nach dieser Zeit ohnehin das eines Wildtiers sein. Dann sind die Taurosochsen neue Wildrinder als Teil der Natur.

Hier ein neues Bild von Tauros-Rindern:

Bild

Es zeigt 3 Maremmana-Kühe, eine Limia-Kuh und 2 junge Pajuna-Bullen.

Oostvaardersplassen: vom Heckdackel zum Wildrind durch menschliche Hilfe?

Ich habe bereits früher ausgeführt, dass ein schlichtes Weiterlaufen des Dedomestikationsexperiments Oostvaardersplassen die dortige Heckrinderpopulation nicht zu „neuen Auerochsen“ werden lässt. Die Population ist besonders bzgl. Fellfarbe und Hornform sehr heterogen, die Körperform hausrindtypisch und die Größe viel zu gering. Aber überlegen wir mal, was sich durch natürliche Selektion bei dieser Rinderpopulation am schnellsten ändern wird:
Hornform und Körperform. Die Hornform ist für Rinder essentiell, da sie bei Rang- und Paarungskämpfen ein bestimmendes Element sind. Dementsprechend ist eine Annäherung der Hornform an die funktional günstigste Form und Dimensionierung, die des Auerochsen, zu erwarten – der Genpool ist divers genug dafür. Und tatsächlich weisen einige Heckrinder in Oostvaardersplassen bereits deutlich nach innen weisende Hörner auf, die auch stärker nach vorne zeigen. Eine wirkliche Fixierung von Auerochsenhörnern würde jedoch ziemlich lange dauern. Die Körperform ist ebenfalls entscheidend, da innerartliche Kämpfe wendige, hochbeinige Tiere mit schlanker Taillie und starker Rücken- und Nackenmuskulatur bevorzugt. Weiters erfordern die harten Winter Sparsamkeit, große Euter und lange Kehlwammen sind also hinderlich. Diese Trends sind in der Population ebenfalls feststellbar, obwohl es noch viele Tiere mit dicker kurzbeiniger Hausrinderstatur gibt.
Körperliche Parameter, die nicht von der in Ostv. stattfindenden natürlichen Selektion erfasst werden, sind Körpergröße und Fellfarbe. Eine größere Körpergröße wird mangels Raubtieren nicht erzwungen, und das kleine isolierte Areal mit hoher Bestandsdichte wird eher zu einem Inseleffekt und der Verkleinerung der Tiere führen (also noch kleiner als 140 cm!). Die Fellfarbe hat bei großen Tieren wie Rinder wohl nur einen geringen Effekt auf die Fitness, und ohne Räuber im Reservat wohl gar keinen. D.h. graue Tiere, gescheckte Tiere, schwarze Kühe und helle Bullen wird es die nächsten Jahrhunderte weiterhin dort geben.

Ich schlage daher folgende Aktionspunkte vor, um der Natur in diesem Dedomestikationsexperiment unter die Arme zu greifen, damit auch tatsächlich Wildrind-artige Wildrinder dort grasen:

Abschuss von Rindern mit all zu abweichenden Hornformen, Fellfarben, dicken und kurzbeinigen Körpern. Klingt brutal, aber aufgrund der hohen Bestandsdichte ist in Ovst. Bestandskontrolle wohl oder übel notwendig, und wenn tatsächlich einige duzend Rinder geschossen werden sollen, wäre es dumm, nicht auf phänotypische Kriterien zu achten.
Festlegung einer Bestandsobergrenze mit jährlicher Abschussquote. Oostv. ist derzeit mit Herbivoren überbevölkert, was der Landschaft und den Tieren langfristig nicht gut bekommen wird, vor allem da Raubtieransiedelungen wohl außer Diskussion sind. Diese Obergrenze ist also notwendig, und da sollte man bei den Rindern natürlich nach phänotypischen Kriterien vorgehen.
Zusätzliche Freilassung züchterisch besserer Tiere im Reservat. Die meisten Heckrinder dort sind zu klein, kurzbeinig und mit zu steilen Hörnern ausgestattet. Entsprechend beschaffener Rinder (v.a. Taurus-Kreuzungen) würden diesen Schnitt verbessern und eine schnellere Entwicklumg zu einem Auerochsen-artigen ermöglichen.

Meines Wissens sind die Verantwortlichen in Ostv. bereit, die dortigen Rinder durch authentischere zu ersetzen. Ich würde es aber schade finden, wenn diese dort gänzlich verschwinden würden, da einige Individuen durch die 20-jährige natürliche Selektion bereits interessante Wildeigenschaften erwarben und regional angepasst sind. Ich würde diese guten Individuen gemäß meines obigen Vorschlags also quasi als „Substrat“ für eine authentische wilde Rinderpopulation nutzen.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 07.03.2013 15:43

Schön langsam geht es mächtig voran mit der Internetpräsenz von Tauros Project ;). Eine neue Website soll auch kommen.

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Maronesa-Individuen aus einer der Herden, aus der die geeignetsten Tiere angekauft wurden. Man beachte den Geschlechtsdimorphismus und die Hornformen!

Bild
Bild
Bild

Mehr Photos von den Maremmana x Highland-Kühen.

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Barrosa-Stier und Kuh. Wie man sieht ist ein deutlich erkennbarer farblicher Dimorphismus vorhanden, der durch Kreuzung verstärkt werden kann, und bezüglich Körperform und Größe sucht dieser Geschlechtsdimorphismus beim Heckrind wahrlich seinesgleichen.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 13.03.2013 22:20

http://rewildingeurope.photoshelter.com ... ZyQ7uMlxIc

Sehr schönes Photo vom Maremmana x Pajuna-Stier; die Gallerie enthält auch weitere, bislang noch nicht hier verlinkte Photos von Taurosrindern. FlickR-Präsenz von Tauros Project: http://www.flickr.com/photos/93256063@N02/

Um mal näher auf die Größe der Tauros-Rassen einzugehen:

Sehr groß (165-180 cm*): Maremmana, Podolica, Boskarin, Malta-Rind
Groß (150-165 cm): Sayaguesa, Maronesa**,
Mittelgroß (140-150 cm): Pajuna**, Limia, Tudanca
Klein (≤140 cm): Highland

* Schulterhöhe der Bullen. Kühe sind meist ein mehr oder weniger deutliches Stück kleiner.
** Von diesen Rassen gibt es auch wesentlich kleinere Zuchten, Tauros verwendet jedoch Tiere aus möglichst großen Linien.

Zum Vergleich: Das Heckrind zeigt im durchschnitt 140 cm Schulterhöhe für Bullen, also normale Größe für mitteleurop. Hausrinder. Rekordwerte sind 160 cm in "reinrassigen" Heckrindern (Wörther Zuchtlinie) und 165 cm bei manchen Taurusbullen. In meinen Augen hat der Taurosochse also gute Chancen, die größten Heckrinder zu übertreffen, durchschnittliche Heckrinder auf jeden Fall. Die Rekonstruktion einer authentischen, imposanten Auerochsen-Größe ist absolut möglich.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon yelref » 22.05.2013 20:00

Hallo :)

Ich möchte erst mal ein großes Lob aussprechen! Es steckt sicherlich eine Menge Arbeit dahinter, einen solch umfassenden Beitrag zusammen zu tragen...

Auch, wenn ich nicht immer einverstanden bin, was das Heckrind betrifft, so freue ich mich doch, dass du das Thema weiterverfolgst und vor Allem auch hier davon berichtest! :wink:

Hast du evtl. noch weitere Bilder von den Kreuzungstieren? Mich würde besonders Interessieren, ob die F1 Generation mehr oder weniger heterogen geworden ist, oder, ob sich, je nach Ausgangsrassen, doch Unterschiede zeigen?

Freue mich auf eine Antwort!

LG

yelref
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 24.05.2013 14:35

Hallo,

dein positives Feedback freut mich ;).

Ja, es wurde unlängst ein Haufen neuer Photos auf dem Tauros-FlickRstream präsentiert:

Bild
Der Maremmana x Pajuna-Bulle.

Bild
75 % Sayaguesa, 25 % Alistana-Sanabresa. Perfekte Auerochsenfarbe.

Bild
Maremmana x Highland. Überraschend hochbeinige und gute Statur für eine Highland-Kreuzung.

Bild
(Maremmana x Pajuna) x Highland.

Bild
Der Maremmana x Limia-Jungstier.

Dies waren jetzt die interessantesten der neuen Photos, wer will kann sich die restlichen auf dem Stream ansehen (man sieht da auch schöne neue Photos von sehr guten Ausgangsindividuen): http://www.flickr.com/photos/93256063@N ... 731396229/
Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus den Kreuzungen, die bereits existieren - ich habe da selber keinen Überblick mehr.

Die ersten paar Kreuzungsgenerationen sind natürlich heterogen, das geht gar nicht anders bei sich unterscheidenden Ausgangsrassen. Spannend wird es für mich ab F3 oder F4, da wird man vermutlich mit einigen Individuen schon ziemlich weit sein. Aber natürlich sind die unerwünschten Allele dann noch in der Population (genauso wie die älteren Kreuzungstiere), konsequente Selektion muss diese Merkmale tilgen.

Ich glaube an raschen Erfolg in den Folgegenerationen mit zumindest mit einigen Individuen vor allem weil die Ausgangsindividuen teilweise einfach sehr Auerochsen-artig sind, hier zwei Beispiele:

Bild
Bild
Maronesa-Kuh und Sayaguesa-Jungstier.

Mich würde interessieren, wo wir bzgl. des Heckrinds nicht zustimmen, ich würde mich über einen kleinen Diskurs freuen ;).

LG
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Quagga » 25.05.2013 12:00

Hallo :)!

Sehe ich richtig, dass die hochbeinige Maremmana x Highland- Kuh von der Fellfarbe her Brindle, also quasi gestromt wie manche Boxerhunde, ist?
Ist die denn damit verwendbar?
Zudem scheint die ein Aufhellungsgen zu haben, wie der bleiche Pony zeigt. Bringt das nicht zuviel uneinheitliche Zeichnung und Gene in die TaurOs- Rinder?

Ansonsten bin ich ja sowas von angetan von dem Projekt! Wenn ich Extensiv- oder überhaupt Viehhalter wäre, ich würde absolut auf die umstellen und das Projekt nach Kräften unterstützen!

Besten Gruß,
Andreas
"If i see a track i know something made it!"
Weise Erkenntnis eines Hobby- Kryptozoologen :gut:
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 25.05.2013 14:02

Hi,

ja, das stimmt: Highlands haben ein Dilutionsgen und das e-Gen auf dem Extension-Locus statt der Wildfarbe, was in einer hellroten Farbe ohne schwarze Pigmente resultiert. Kreuzt man Highlands mit wildfarbenen Rindern kommt diese Brindle-Farbe heraus, weil deren Farbgene nicht komplett rezessiv sind (so wie ich das verstehe). Aber in der nächsten Generation ist das wieder weg, zumindest phänotypisch. Die (Highland x Maremmana) x Sayaguesa-Kälber zeigen immerhin schon eine zufriedenstellende Wildfarbe mit schwarzen Bullen und roten Kühen + die Markierungen.

Bild

Was das (Maremmana x Pajuna) x Highland-Bullkalb angeht, steckt dieses nicht nur gerade im Wechsel zwischen Winter- und Sommerfell, sondern befindet sich auch gerade in der Umfärbung - er wird also sicherlich noch dunkler. Ich bin gespannt, wie seine Hörner werden. Aber man möchte die Highlands künftig ausschließen und nur für die ersten Generationen verwenden, da sie viele unerwünschte Merkmale einbringen (aber sie sind natürlich für einen dichten Pelz, große Hörner, hübsche Stirnlocken und enorme Kältetoleranz sehr wichtig).

Es sind zwar bis auf das Hochlandrind alle Tauros-Rassen grundsätzlich wildfarben, aber natürlich tragen manche Rassen unerwünschte Allele ein. Neben Graustich aufgrund von Dillutionsgenen gibt es auch Sattel bei Bullen oder zu dunkle Kühe. Das erfordert konsequente Selektion wenn man erst einmal genug Tiere hat, um eine korrekte Wildfarbe zu fixieren. Ich habe Henri Kerkdijk-Otten schon oft darauf angesprochen, und er hat mir versichert, man hat aus den Fehlern beim Heckrind gelernt und wird sie nicht wiederholen. Darum will man die Taurosochsen mindestens 30 Jahre selektieren. Dies ist auch noch möglich, wenn die Tiere wild leben - Populationskontrolle wird wahrscheinlich ohnehin von Nöten sein, da kann man dann die weniger guten Tiere auswählen und entfernen.

LG
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon yelref » 26.05.2013 15:58

Hey :)

Ja die Fotos hatte ich auch schon entdeckt ;)

Was mich nur wundert ist, dass es keine anderen Highland-Kreuzungstiere zu sehen gibt. Ich meine auf der Seite von Stichting Taurus gelesen zu haben, dass es bereits 2010 Sayaguesa x Highland Kreuzungen und Podolica x Highland Kreuzungen gab. Was ist aus den Tieren geworden? Die müssten ja mittlerweile um die 3 Jahre alt sein und evtl. schon selber Nachwuchs haben. Gibt es dazu auch Bilder? Es wird da auch von 2 Podolicas aus Emryotransfer geredet... Was ist mit denen passiert?
Interessiert mich sehr wie die Aussehen!!!

Gibt es auch Bilder von männlichen Maremmana x Highland Tieren? Die werden ja wohl kaum ALLE weiblich geworden sein, oder? ;)

Zu der Brindle-Farbe:
ich glaube, dass das ein ganz normaler Farbschlag der Highlands ist, der hin und wieder vorkommt, genauso, wie es schwarze Highlands gibt.
Sprich diese Färbung ist von den Highlands "eingeschleppt"
Und ich denke, dass gegen diesen Farbschlag möglichst früh selektiert werden sollte!

Gruß
yelref
 

Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 26.05.2013 22:42

Hi,

Was mich nur wundert ist, dass es keine anderen Highland-Kreuzungstiere zu sehen gibt. Ich meine auf der Seite von Stichting Taurus gelesen zu haben, dass es bereits 2010 Sayaguesa x Highland Kreuzungen und Podolica x Highland Kreuzungen gab. Was ist aus den Tieren geworden? Die müssten ja mittlerweile um die 3 Jahre alt sein und evtl. schon selber Nachwuchs haben. Gibt es dazu auch Bilder? Es wird da auch von 2 Podolicas aus Emryotransfer geredet... Was ist mit denen passiert?
Interessiert mich sehr wie die Aussehen!!!


Ja, es gab bereits 2010 ein Sayaguesa x (Highland x Maremmana)-Kuhkalb - ein Photo von ihr sieht man im ganz ersten Post hier. Sie wurde meines Wissens aber aussortiert, da sie nicht gut war (kein "Buckel", tonniger Körper, kein Geschlechtsdimorphismus usw.). Mittlerweile gibt es ein Stierkalb aus der gleichen Kombination, das besser aussieht. Highland x Podolica glaubte man zu haben, dann kam aber raus, dass sich der Podolica-Stier doch nicht fortgepflanzt hat. Und was den Embryotransfer angeht, nehme ich an, dass die Kälber schon länger auf der Welt sind, vielleicht ist ja die Podolica-Kuh auf dem FlickR-Stream (die junge) eine von diesen.

Gibt es auch Bilder von männlichen Maremmana x Highland Tieren? Die werden ja wohl kaum ALLE weiblich geworden sein, oder?

Solche Stiere gibt es, die Photos sind aber nicht online. Ich weiß nicht, wo die gehalten werden, aber wahrscheinlich nicht zusammen mit Kühen, damit sie nicht unkontrolliert andere Rassen bespringen und damit den Highland-Anteil in der Herde zu sehr erhöhen. Denn wie gesagt, der Highland-Einfluss soll aus guten Gründen gering bleiben. Einige dieser Stiere sehen aber recht gut aus, mit sehr großen und dicken (mit unter sogar nach vorne zeigenden) Hörnern - der Körper blieb trotzdem recht dick.

Zu der Brindle-Farbe:
ich glaube, dass das ein ganz normaler Farbschlag der Highlands ist, der hin und wieder vorkommt, genauso, wie es schwarze Highlands gibt.
Sprich diese Färbung ist von den Highlands "eingeschleppt"
Und ich denke, dass gegen diesen Farbschlag möglichst früh selektiert werden sollte!


Manche zeigen diese Farbe ansatzweise, in dieser Ausprägung habe ich sie aber noch nie bei reinen Highlands gesehen - ausschließlich Kreuzungen mit Aubracs, Tudanca & Maremmana. Auch ist bei diesen Kreuzungen das Mehlmaul viel schärfer abgegrenzt als bei Highlands (wenn vorhanden) und auch die Nasenschleimhäute sind mitunter schwarz (Indikator für die Wildfarbe, bei reinen Highlands sind diese üblicherweise hell). Ich irre mich aber gerne, denn das würde heißen, dass sich die "falsche" Farbe der Highlands ggü. Wildfarbe dominant vererbt - Es ist viel leichter, gegen dominante Merkmale zu selektieren als gegen rezessive.

Wie gesagt bringt jede Rasse auch ungewollte Merkmale ein, aber dagegen wird nach Möglichkeit immer möglichst früh selektiert. Hier in der Form, dass der Highland-Anteil langsam verdrängt wird (bei Beibehaltung der guten Merkmale), da sie nur in den ersten ein - zwei Generationen verwendet werden. Jeder der Nachkommen, der dann vielleicht wieder eine solche Farbe zeigt, wird dann wieder ausselektiert usw. Praktisch ist bei der "falschen" Farbe der Highlands, dass sie (teilweise) dominant ist, wie man sieht.

Btw, hier ein schwarzer Hochland-Stier mit Auerochsen-artigen Hörnern, der recht interessant aussieht:

Bild

Nicht zu vergessen gibt es auch Herden bzw. zukünftige Linien ganz ohne Highland, nähmlich dort, wo sie nicht notwendig sind (Iberien und wo halt noch südliche Taurosherden folgen werden). Da arbeitet man ausschließlich mit wildfarbenen Rassen.

LG ;)
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon yelref » 29.05.2013 17:17

hier mal ein link zur Genetik der der Farbschläge der Highlands

http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... AA&dur=375

es wird sowohl auf die Brindle-Farbe, als auch auf die anderen Farbschläge eingegangen, wenn man sich ein wenig durchklickt... leider alles auf Englisch
yelref
 

Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 01.06.2013 10:21

Hi,

hier ist ein Beitrag aus dem Carnivora-Thread über die Methodik von Tauros Project, den ich euch nicht vorenthalten will:

While the phenotype is important, the focus of attention is placed on the aurochsen’s genotype, its instincts and its ecological role. Thus the backbreeding of the aurochs will be implemented in three main phases:

Phase 1: Breeding to the phenotype / breeding for quantity
1.a: Compiling a longlist of suitable breeds (~30 were found);
1.b: Selecting a shortlist of breeds to be used for the basic breeding (6 breeds were selected);
1.c: Mass breeding on the basis of as many individuals as possible with controlled and non-controlled crossings (important to create a large gene pool for the tauros and a large breeding base for phase 2).

Phase 2: Breeding to the genotype / breeding for quality
2.a: (Parallel to phase 1) scientific ground work: (I) Determining the DNA of the 30 longlist breeds and of as many aurochsen finds as possible, (II) analysing the ecological role of aurochs and domestic cattle;
2.b: Controlled crossings and selection on basis of the scientific findings.

Phase 3: Natural selection
3.a: “Fine honing” of the genotype through natural selection in the final habitats of the individual herds.

The final phase is the one that bullseye advocated as the main one, and it is the one that will truly turn the tauros into a wild animal that is part of its ecosystem, but only in combination with phases 1 and 2 will it turn the tauros into a backbred wild aurochs (aside from the 3-phase process being much faster than simply relying on natural selection).


1. Selection of breeds
There has been a lot of wishful thinking going on in this thread concerning the breeds that might be used in breeding the tauros. The problem in selecting appropriate breeds is that you have two potentially conflicting aims: (a) inclusion of wanted traits, (b) exclusion of unwanted traits. This may sound self-evident, but the problem is that the more breeds you include the more unwanted traits will end up in your gene pool, and getting rid of those is not as easy as it may seem. (On one web site I saw a pretty recent picture of a piebald Heck calf – after 80–90 years of breeding. That really gives one a feel for the scope of the problem.) So what you want to do is start with as few breeds as possible. This means selecting just a few breeds which have a lot of desirable traits and excluding breeds with just a few positive traits, even if these are spectacular. I trust the Tauros people to have given this some thought and to have selected the most suitable breeds available. (This does not exclude the careful and monitored introgression of further breeds in phase 2.)

There was some discussion about primitive breeds with some zebu genes versus purely taurine but highly domesticated breeds. Primitive taurine would of course be the best, but all northern breeds are phenotypically further removed from the aurochs than the primitive southern breeds (size, colouring, dimorphism, etc.), and as for highly domesticated breeds, you want to keep as far away from them as possible. Here the discussion centred too much on looks and not enough on behaviour as regulated by instinct, hormones, etc.. The problem with highly domesticated breeds is that you usually have a correlating high loss of instincts, which you definitely do not want in the tauros gene pool, and your chances of getting rid of those once you have them are close to nil.

A similar reasoning applies to Spanish fighting cattle, no matter how wonderfully aurochsen-like they might look. These were bred not to flee but to attack in a tight situation and this applies to both sexes. All breeding cows are screened on this trait when young. This constitutes an instinctual warping of the race, and again, one which you definitely do not want.

There was also a bit of discussion about highland cattle. It is true, they are not as perfect as the southern breeds, but they have two advantages nonetheless. Firstly, they give the tauros a broad, healthy genetic base. To achieve the same effect with the southern breeds, you would have to seriously deplete the numbers of those races in their home countries, which is not in the interest of the Tauros Project. Secondly, they will only be used for the central and northern herds, where they add their adaption to the northern climate to the gene pool. From what I have read here and there, Boškarin will be used in southeastern Europe, Maronesa in Portugal and Sayaguesa in Italia (though the two latter are already part of the basic breeds?) to add adaption to the local environment in tauros herds in those countries. And I would assume that local landraces like Kerry cattle in Ireland, Jutland cattle in Denmark, Ringamåla cattle in Sweden, Česká červinka in Czechia, etc. would be used, if ever tauros herds were founded there.


2. Breeding the Tauros
There have been quite a few jubilant comments about the F1 crosses, how aurochs-like they already are, and speculations on which race would be the perfect partner for individual F1 specimens (Manolo Uno especially) to get rid of remaining minor deficiencies. Unfortunately, none of this is true. These misconceptions arise from not differentiating between phenotype and genotype. If anything, the F1 crosses could be said to be a step back from the parental breeds – but a necessary step back. To explain this one needs to look at the differences between three types of breeding generations, the P-generation, the F1-generation and the F2 and following generations. (There was one comment in this thread about this being too simplistic, about having to differentiate exactly between F-generations and B-generations etc. This is only relevant for high precision breeding of races and breeding lines and not applicable to the Tauros Project.)

P: The parental animals are very homogeneous genetically and will pass on this homogeneity to their purebred offspring. A Podolica bred to a Podolica will produce a Podolica. In these animals, the phenotype and the genotype correlate closely.
F1: Genetically the F1 animals are the height of inhomogeneity – but in a very ordered way. All 30 pairs of chromosomes will be made up of one paternal chromosome and one maternal chromosome. Depending on how the alleles of the individual genes interact (dominant/recessive, intermediate, codominant), an F1 animal may have genetic traits which do not show up in the phenotype. Phenotype and genotype no longer correlate, but the hidden genes are known when you know the parental races.
F2 and following: Genetically all chaos breaks lose. Phenotype and genotype do not correlate, and as an F2 animal’s genes are a wild mix of the ancestral genes, the only way to be sure about its genetic makeup would be genetic testing.

A good example to make clear the resulting problems might be horn length. I assume (but do not know) that a simple feature like horn length is governed by only one gene and that the phenotypic showing will be intermediate to the two alleles of the gene. If you cross a Pajuna (too short horns) with a Barrosa (too long horns) the resulting horn length should be perfect – but only phenotypically. Genotypically, the F1 offspring has one gene for too long horns and on for too short horns, and it is one of these imperfect genes that it will pass on to the F2 generation and not its phenotypically perfect horn length.

That is why I called the F1 generation a step back. Manolo Uno, for example, as a Maremmana × Pajuna cross has one complete set of Maremmana chromosomes and one complete set of Pajuna chromosomes. This means that in his genes he has all the desirable traits of both Maremmana and Pajuna, but unfortunately he also has all the undesirable traits of either race. Which alleles he will pass on to his offspring is governed by pure chance.

Thus the importance of Manolo Uno and the other F1 bulls lies not in how they look like now, but in the possibilities they offer for the future. Bred to as many cows as possible pure chance will take over, a lot of their male offspring will be genotypically less valuable then they are, but there will be those who are more valuable: a higher percentage of genes with desirable traits and a lower percentage of genes with undesirable traits. These ‘improved’ bulls can then be used in the same way to breed the next generation of superior bulls, and so on. Only the bulls need be tested, the average genetic quality of the cows will rise with each generation because of the rising genetic quality of the bulls fathering them. (Though controlled breeding, i.e. selecting suitable cows for each bull, should speed up the process.)

There are two requirements for this to happen. One is that you have a large enough base of cows to breed your bulls to. Each breeding act is like a roll of dice, and the more dice you have the higher is your chance of a good roll, i.e. a superior bull.

The second requirement is a high quality screening process. This is where the scientific groundwork will come to fruition. But this is now only very rough guesswork on my part. For many genetic loci the function and the desirable and undesirable alleles will be known. The Tauros people will, I assume, have identified more genetic loci where there is few or no genetic variation in the aurochsen DNA, but where the domestic cattle differ. Here the aurochsen alleles will be the desirable ones. For all these loci, the bulls can be tested genetically, which effectively eliminates the uncertainties of using the phenotype to guess at the genotype.


3. The role of natural selection
Here a word to the general concept of breeding back the aurochs. To opponents of the concept such a thing as “breeding back an extinct species” is impossible. I disagree for three reasons.
1. This has been said often already: Bos primigenius is not extinct, only its subspecies B. p. primigenius is. Most, probably all, of the relevant DNA needed to breed back the aurochs can be found in B. p. tauros. (For a variety of reasons I assume that there will have been a lot of introgression of European aurochs into domestic cattle in ancient times.) And that is what the Tauros Project is all about: collecting the relevant data and reuniting all those scattered aurochs DNA in one animal again.
2. It will not be a 100 % replica of the extinct aurochs, but neither would a contemporary aurochs be, if the breed had survived till today. The holocene aurochsen gene pool differed from the aurochsen gene pool of Germanic times which again differed from the aurochsen gene pool of the middle ages. Evolutionary forces in a radically changing environment would have continued to shape and alter the aurochsen gene pool right up to our times. The purpose of the tauros is not to replicate some outdated stage of aurochsen development, but to be an aurochs for the 21st century. Nature is dynamic, but the thinking of some nature conservationists can sometimes be strangely static and thus, in my opinion, counterproductive.
3. The tauros will not be as perfect a fit in its environment as a naturally evolved aurochs would have been, but that is not a criterion for exclusion. Fitting in your environment is not a matter of ‘yes or no’, it is a matter of degree. This can be seen for example in the relationship of trees and insects. In central Europe, the oaks (Quercus) offer a habitat for 284 species of insects, the hawthorns (Crataegus) for 149, beeches (Fagus) for 64, and linden trees (Tilia) for only 31. This does not mean that environmentally oaks are good trees and linden bad, it just means that oaks have been present in central Europe much longer and accordingly their environmental integration goes much deeper – and as time goes by, it will grow more deeper still. The same goes for the tauros. Wherever it is rewilded (or used in controlled grazing projects) it will step into the extinct aurochsen’s place and become a part of the local environmental processes.

As soon as this happens, phase 3 will start: the natural selection of the tauros. Some few animals will die, especially in the beginning and in areas with harsh winters or a large wolf population, but mostly the selection will be a matter of degree. Those more suited to their environment and those with healthier instincts will have more surviving offspring and as a result the gene pool will slowly shift. And over time, hopefully, ‘cultural’ traits like the creching that bullseye mentioned recently will reappear.


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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 05.06.2013 16:14

Btw, falls es jemanden interessiert, ich habe mir nun einen Blog über "Rückzüchtung" zugelegt: http://breedingback.blogspot.com

Werde dort nicht nur den Auerochsen, sondern auch Tarpan, Quagga und was sonst so anfällt behandeln, und auch über News von den verschiedenen Projekten auf dem Laufenden halten. Hat den Vorteil, dass ich dieses Forum hier weniger vollstopfe :D.

Ich hoffe, Marozi verzeiht mir meine schamlose Eigenwerbung ;).

EDIT:

Habe einen Haufen Videos der Herde mit den Halbmaremmanas, dem Sayaguesa-Stier und deren F2-Kälber in Kempen~Broek gefunden:

https://www.youtube.com/watch?v=_LgVfBv0_vM
https://www.youtube.com/watch?v=P89BCzctBgs
https://www.youtube.com/watch?v=Y25VUnp ... =endscreen

Und hier reinrassige Sayaguesa in Kempen~Broek: https://www.youtube.com/watch?v=X0uqZi5jpK4

Und hiieer ein paar Maremmana-Kühe und ein sehr hübscher Pajunabulle: https://www.youtube.com/watch?v=Iw7b87y79Ys
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon yelref » 09.06.2013 13:25

Hey ;)

Sehr interessante Videos!

Wenn ich nicht verguckt habe sind bei den Maremmana-Kreuzungen aber mindestens 2 Tudanca-Mischlinge bei... ich würde sie jedenfalls wegen der Hornform als solche einorden...
Anscheinend gibt es also doch mehr als nur die eine Kreuzungskuh :?:

Alles in allem jedenfalls jetzt schon sehr schöne Tiere!

Freue mich schon sehr darauf, Fotos von ausgewachsenen F2/F3 Tieren zu sehen!
yelref
 

Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 09.06.2013 14:30

Hi,

Wenn ich nicht verguckt habe sind bei den Maremmana-Kreuzungen aber mindestens 2 Tudanca-Mischlinge bei... ich würde sie jedenfalls wegen der Hornform als solche einorden...


Stimmt, habe ich vergessen zu erwähnen.

Anscheinend gibt es also doch mehr als nur die eine Kreuzungskuh

In Kempen~Broek gibt es noch einen Haufen anderer Kreuzungen, von denen ich leider nicht viel weiß. Ich hoffe, dass bald begonnen wird, ein Zuchtbuch anzulegen. Das wird die ganze Arbeit transparent machen, und man wird bei jedem Tier in der Zukunft die genaue Rassekombination feststellen können.

Alles in allem jedenfalls jetzt schon sehr schöne Tiere!

Ja, vor allem die Horngröße der Halb-Highlands ist beeindruckend. Mir gefällt auch der Sayaguesa-Stier, er sieht mit seiner muskulösen Statur ein bisschen aus wie ein Kampfstier. Die F2-Kälber, die man im Video sieht, werden sicherlich auch große Hörner haben und vielleicht ungefähr so schlank sein wie ein besseres Heckrind. So wie ich das erkennen kann, hat sich doch noch kein farblicher Dimorphismus vererbt, viel eher scheint es so zu sein, dass der eine Teil der Kälber Highland-farben ist und der andere wildfarben aber einheitlich dunkel (wie Sayaguesa). Ich persönlich würde die Highland-farbenen sowie die schwarzen Kühe aussortieren, und die Kreuzungsstiere dann Kühen zuführen, die guten Dimorphismus vererben und Schlankheit hinzufügen. Vielleicht ist Manolo Uno's Halb-Limia-Tochter* dafür gut geeignet, die sich ebenfalls in Kempen~Broek befindet. Wird sicherlich sehr spannend!

* von der konnte ich noch keine Photos ausfindig machen.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon yelref » 09.06.2013 15:29

Manolo Uno
ist sicherlich der Maremmana x Pajuna Stier???

Ich persönlich würde die Highland-farbenen sowie die schwarzen Kühe aussortieren, und die Kreuzungsstiere dann Kühen zuführen, die guten Dimorphismus vererben und Schlankheit hinzufügen.


Ich denke man muss die schwarzen Kühe (noch) gar nicht aussortieren. Erst wenn das Merkmal nach einer Kreuzung mit Maronesa oder Limia immernoch auftritt, sollte dagegen selektiert werden.
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon Allosaurus » 09.06.2013 17:50

ist sicherlich der Maremmana x Pajuna Stier???

Ja, sorry ich dachte ich hatte das im Thread bereits erwähnt.

Ich denke man muss die schwarzen Kühe (noch) gar nicht aussortieren. Erst wenn das Merkmal nach einer Kreuzung mit Maronesa oder Limia immernoch auftritt, sollte dagegen selektiert werden.

Guter Punkt; letztendlich könnten ja auch bei diesen Kühen gute Merkmale auftreten, die bei den anderen Exemplaren nicht zu finden sind.

LG
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Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon yelref » 10.06.2013 20:24

Guter Punkt; letztendlich könnten ja auch bei diesen Kühen gute Merkmale auftreten, die bei den anderen Exemplaren nicht zu finden sind


Vor allem ist es auch einfacher, das dominante Schwarz der Sayaguesa über die Kühe heraus zu selektieren, da man es hier gleich sieht.
Würde man nur mit den Stieren weiterzüchten, wüsste man ohne genetische Tests nie, ob die Schwarzfärbung der Kühe weiervererbt wurde.

Natürlich muss man auch bei den Kühen mindest auf die 2. Generation nach der Sayaguesa-Einkreuzung warten, da das Schwarz ja dominant ist. Dann sollten aber, je nachdem welche Rassen zur Kreuzung verwendet werden, eine entsprächend gewünschte Färbung heraustreten.
yelref
 

Re: TaurOs Project: Der Auerochse

Beitragvon yelref » 10.06.2013 20:25

Guter Punkt; letztendlich könnten ja auch bei diesen Kühen gute Merkmale auftreten, die bei den anderen Exemplaren nicht zu finden sind


Vor allem ist es auch einfacher, das dominante Schwarz der Sayaguesa über die Kühe heraus zu selektieren, da man es hier gleich sieht.
Würde man nur mit den Stieren weiterzüchten, wüsste man ohne genetische Tests nie, ob die Schwarzfärbung der Kühe weiervererbt wurde.

Natürlich muss man auch bei den Kühen mindest auf die 2. Generation nach der Sayaguesa-Einkreuzung warten, da das Schwarz ja dominant ist. Dann sollten aber, je nachdem welche Rassen zur Kreuzung verwendet werden, eine entsprächend gewünschte Färbung heraustreten.
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