Kaviar ohne tote Störe

Tiere der Herpetologie und Ichthyologie

Kaviar ohne tote Störe

Beitragvon Tobias » 19.08.2014 13:56

Hallo,

die Aquakultur ist auf dem Vormarsch, auch im Luxus-Bereich. In Deutschland wurde jetzt eine Methode entwickelt, wie man Kaviar gewinnen kann, ohne die Störweibchen zu schlachten.

Bislang wurden Störweibchen geschlachtet oder ihnen bei lebendigem Leib der Bauch aufgeschnitten und der Eierstock mit noch unreifem Rogen entnommen. Oft wurden sie provisorisch wieder zugenäht und ausgesetzt. Man kann sich vorstellen, dass die Überlebensrate dieser Methode eher gering ist.
Reifer Rogen, der sich durch Abstreifen der Tiere gewinnen lässt, ist –anders als bei Lachsartigen- bei Stören nicht stabil genug, um die Reinigung und das Einsalzen unbeschadet zu überstehen. Die reifen Eier verkleben bei Wasserkontakt und platzen bei der Zugabe von Salz. Nur unreifer Rogen konnte bisher zu Kaviar verarbeitet werden.
Im niedersächsischen Loxstedt wird aber jetzt eine Methode angewandt, um Kaviar von lebenden Stören zu gewinnen. Das Alfred-Wegener-Institut entwickelte das patentierte Verfahren im Labor, seit einigen Wochen wird nun auch in größerem Maßstab produziert.
Der Trick dabei: Die reifen Störweibchen werden abgestreift, die Eier fallen aber nicht einfach ins Wasser, sondern in eine calciumhaltige Flüssigkeit, so wie bei der Befruchtung der Eier. Dadurch werden Enzyme im Ei aktiviert, die Kornhülle wird stabilisiert. "Die Idee lag eigentlich auf der Hand", sagt Meeresbiologin Angela Köhler, die das Verfahren entwickelt hat.
Mit Unterstützung des AWI gründete sie 2010 mit anderen Kollegen das Unternehmen Vivace Caviar. In der 7500 m großen Produktionsanlage der Firma schwimmen rund 7000 Störe, die künftig bis zu 7 t Kaviar im Jahr produzieren sollen.
Bemerkenswert hierbei: Der auf die tierfreundliche Weise gewonnene Kaviar schmeckt frischer als konventioneller. Wegen der glatten Oberfläche brauchen die reifen Eier außer wenig Salz keine Konservierung. Unreifer Rogen ist dagegen mit Blutgefäßen und Follikelzellen bedeckt. "Das ist ein Paradies für Bakterien und Pilze", erklärt Köhler. "Damit die Ware nicht so schnell verdirbt, wird mit dem Nervengift Borax konserviert."
Anfragen gibt es bereits aus aller Welt, angeblich sogar aus Russland. Für das Kilo Kaviar werden zwischen 1500 und 3000 Euro bezahlt, ein Störweibchen liefert jedes Jahr zwischen 700 und 1400 g Rogen.

Quelle: n-tv-Bilderserie

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Kaviar ohne tote Störe

Beitragvon Ahuizotl » 21.08.2014 09:44

Lang lebe der Stör!
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