Brutpflege macht Stichlinge schlau

Tiere der Herpetologie und Ichthyologie

Brutpflege macht Stichlinge schlau

Beitragvon Tobias » 26.08.2014 10:08

Hallo,

Dreistachelige Stichlinge kennt nahezu jeder, als Beispiel für einen häufigen, einheimischen Kleinfisch, der auch Brutpflege betreibt.

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Zur Erinnerung: Bei Dreistacheligen Stichlingen betreiben die Männchen Brutpflege. Sie bauen ein Nest aus Pflanzenteilen, in dem ein oder mehrere Weibchen ablaichen. Das Männchen pflegt die Brut, reinigt die Eier, fächelt frisches Wasser ins Nest und baut ständig an der Konstruktion herum. Außerdem verteidigt es sein Revier gegen andere Fische. Diese Brutpflege ist offenbar intellektuell sehr anstrengend, männliche Stichlinge haben größere Gehirne als weibliche.
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Das wäre an sich schon eine spannende Sache und ist auch überaus gut erforscht worden. Doch noch spannender wird es, wenn man bedenkt, dass der Dreistachelige Stichling Gasterosteus aculeatus in zahlreichen Populationen vorkommt. Einige dieser Populationen unterscheiden sich im Verhalten und Aussehen deutlich von den anderen: Sie betreiben keine Brutpflege und zeigen kein Prachtkleid mit rotem Bauch und blauem Auge. Daher werden sie auch als Weiße Stichlinge bezeichnet.

Die Arbeitsgruppe von Kieran Samuk von der Uni in Vancouver verglich drei brutpflegende und zwei nicht brutpflegende Populationen der Stichlinge miteinander. Bei den brutpflegenden Populationen konnten sie die Lehrmeinung bestätigen: Männchen hatten größere Gehirne als Weibchen. Anders bei den beiden untersuchten nicht brutpflegenden Populationen: Hier hatten die Weibchen größere Gehirne, der Sexualdimorphismus war umgekehrt. Samuk und Kollegen schließen daraus, dass für die Brutpflege größere Gehirne notwendig sind. Weitere Studien zu dem Thema müssen folgen: "Dies ist die erste Studie überhaupt zum Zusammenhang zwischen elterlicher Fürsorge und Gehirngröße.", so Samuk.

Um so erstaunlicher ist, dass sich die Populationen erst vor 10.000 Jahren getrennt haben. Die Forscher waren erstaunt, wie wenig Zeit dafür nötig war: "Unsere Studie zeigt, dass Gehirne sich in sehr kurzer Zeit sehr drastisch verändern können", sagt Samuk. "Das hilft uns zu verstehen, wie physische Veränderungen des Gehirns zu komplexen Verhaltensänderungen führen können."

Originalarbeit: Ecology and Evolution

Schöne Grüße

Tobias
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