2 Haiangriffe in Australien

Tiere der Herpetologie und Ichthyologie

2 Haiangriffe in Australien

Beitragvon Tobias » 09.02.2015 11:11

Hallo,

in den letzten Tagen hat es an der australischen Ostküste zwei schwere Haiangriffe auf Surfer gegeben, einer davon tödlich.

Am letzten Sonntag, den 8.2. wurde der 35jährige Jabez Reitman beim Surfen attackiert und schwer verletzt. Er war als Surfer vor einem Strand namens Seven Mile Beach in der Nähe des populären Urlaubsortes Byron Bay an der zentralen Ostküste des Landes unterwegs. Laut übereinstimmenden Medienberichten erlitt er eine Schnittwunde am Rücken und punktförmige Wunden am Gesäß, war aber in der Lage, nach dem Haiangriff selbstständig das Wasser zu verlassen und mit dem Auto ins Krankenhaus zu fahren.
Der Hai hatte ihn angegriffen, als er etwa 60 m von der Wasserlinie entfernt auf dem Surfbrett saß. "Irgendetwas sprang aus dem Wasser erfasste meine Hüfte und zog mich ins Wasser" erzählte er der Australian Broadcasting Corporation.
Reitman gab an, es handele sich um einen etwa 2-3 m lange Hai: "Nachdem ich die Menge Blut im Wasser sah, realisierte ich, dass das kein Delfin war" sagte er dem Gold Coast Bulletin. "Für einen Haiangriff bin ich glimpflich davon gekommen. Ich habe Glück und werde mir deswegen nächste Woche einen Lottoschein kaufen".

Am heutigen Montag lief die Sache nicht so glimpflich ab. Ein 41jähriger Japaner wurde morgens gegen halb 9 (Angaben unklar) von einem Hai angegriffen, nur 30 km südlich am Shelly Beach beim Badeort Ballina (google Map). Der Hai biss ihm beide Beine ab, während er auf seinem Surfbrett saß und zusammen mit anderen Surfern auf eine Welle wartete. Eine Gruppe Surfer zog den Mann noch an Land und leistete Erste Hilfe, aber wegen der massiven Verletzungen war der Blutverlust so groß, dass der Mann noch vor Ort verstarb.
Inspector Lindsey von der örtlichen Polizei machte nähere Angaben zum Haiangriff: Der Mann war in einer Gruppr mit bis zu fünf Mitgliedern unterwegs, davon waren zwei sehr dicht bei ihm. Sie leisteten ihm auch sofort Hilfe und zogen ihn an Land. Zwei weitere Surfer paddelten heraus, um zu helfen, aber letztlich konnten sie den Blutverlust nicht stoppen.
Die Polizei hat einen noch nicht näher benannten Haiexperten zu Untersuchungen hinzu gezogen. Nach Polizeiangaben gibt es ein Video des Haiangriffes, das erste Erkenntnisse über die Haiart liefern soll, aber offenbar setzt es erst nach dem Haiangriff ein und zeigt vor allem eine große Menge Blut im Wasser. "Wenn wir wissen, um welche Haiart es sich handelt und ob sie eine Bedrohung für weitere Menschen darstellt, werden wir entscheiden, was wir mit dem Hai machen", so Inspector Lindsay.

In Australien fallen immer wieder Menschen Haiangriffen zum Opfer, seit einem Jahr ist das bereits der 6. Todesfall.

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Warum kommt es in Australien zu so vielen Haiangriffen auf Menschen?

Wie so oft kann man hier von mehreren Gründen sprechen:

- In Australien gibt es wegen zahlreicher Schutzgesetze, die auch streng kontrolliert werden, noch relativ viele große Haie. Alle wichtigen Urlaubsregionen haben Küsten, die grob in Nord-Süd-Richtung verlaufen, so dass die tropischen Arten Bullen- und Tigerhai hier relativ einfach auf die subtropisch-gemäßigten Weißen Haie treffen. So ist die Zahl der Arten, die häufiger als nur sporadisch Menschen angreifen, relativ hoch.

- Australien ist ein Sport- und vor allem Wassersportmekka. Die Zahl der Surfer ist in Australien außergewöhnlich hoch, was auch die Wahrscheinlichkeit für Angriffe erhöht.

- In Australien ist das "Speerfischen" sehr beliebt. Bei diesem Unterwassermorden werden Fische mit einer Harpune oder einem Speer gejagt, üblicherweise mittlerweile als Apnoetaucher. Dabei gelangt eine Menge Blut ins Wasser, was Haie anlockt. Dazu kommt, dass die meisten "Speerfischer" ein kleines Boot als "Basis" nutzen: Neoprenanzüge, kleine Boote, Paddeln, das alles wird auch Assoziationen bei Haien wecken, dummerweise haben Surfer ein sehr ähnliches Erscheinungsbild, lediglich das Blut im Wasser und die zappelnden Fische fehlen.
Diese könnten aber wiederum durch das ebenfalls sehr beliebte Angeln "erzeugt" werden. Oft wird früh morgens auch an Badestränden geangelt, wobei die Leinen weit, bis an die Surflinie ins Wasser geworfen werden.

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Anmerkung:
In Byron Bay und Umgebung ist zur Zeit Hochsommer. Die Lufttemperaturen erreichen über 30°C, die Wassertemperatur liegt bei 26°. Das ist zu warm für Weiße Haie, vermutlich wurden die Angriffe von anderen Arten ausgeführt. Kräftiger Ostwind und Regen sorgen zwar für eine schöne Dünung, was die Surfer freut, aber auch für trübes Wasser, was vor allem Bullenhaie sehr zu schätzen wissen.

Schöne Grüße

Tobias
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um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

J. Meldrum
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