Malaria: Duft befallener Mäuse lockt Mücken an

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Malaria: Duft befallener Mäuse lockt Mücken an

Beitragvon Tobias » 02.07.2014 11:36

Hallo,

Malaria ist im Moment die vermutlich wichtigste Infektionskrankheit auf dem Planeten. Laut Aussagen des Robert-Koch-Instituts leiden etwa 300 bis 500 Millionen Menschen an der Krankheit, 1,2 bis 1,8 Millionen sterben jährlich daran.
Verursacher sind Einzeller der Gattung Plasmodium, vier Arten lösen beim Menschen die Malaria aus, mit je nach Art unterschiedlichen Symptomen. Die Parasiten durchlaufen einen zweistufigen Kreislauf mit obligatem Wirtswechsel: in der Mücke findet die Befruchtung statt, Infektionsstadien werden in der Speicheldrüse der Mücke gebildet und in den Zwischenwirt, den Menschen übertragen. Dort wandern sie zunächst in eine Leberzelle, wo sie sich stark vermehren, jedoch nur asexuell. Diese Stadien werden ins Blut abgegeben, wo sie in einzelne rote Blutzellen eindringen. Dort reifen sie heran, vermehren sich weiter und bringen die Blutzellen zum Platzen. Frei im Blut entwickeln sie sich zu getrenntgeschlechtlichen Zellen, die bei der nächsten Blutmahlzeit von der Mücke aufgenommen werden.
Das führt zu einer erheblichen Schwächung des Patienten. Leider sind die Stadien, die frei im Blut vorkommen, mit einem "surface coat" bedeckt, einer Oberflächenstruktur, die extrem variabel ist. So können die Zellen immer wieder dem Immunsystem entkommen. Eine Impfung ist also nach dem derzeitigen Kenntnisstand schwierig bis gar nicht möglich, also bleibt nur Chemotherapie. Durch die vergleichsweise nahe Verwandtschaft der Einzeller mit dem Menschen sind hier teilweise heftige Nebenwirkungen möglich, aber immer noch besser, als ein Malariaanfall - wenn man es sich denn leisten kann.
Dazu kommt, dass durch häufige, nicht immer reflektierte Abgabe, Medikamentenfälschungen und gestreckte Wirkstoffe mittlerweile Stämme existieren, die gegen jedes bekannte Chemotherapeutikum resistent sind.
Daher besteht weiterhin dringender Forschungsbedarf. Üblicherweise wird hierzu an Mäusen gearbeitet, die mit einem Erreger der Nagetier-Malaria infiziert sind.

Jetzt haben Forscher der Pennsylvania State University herausgefunden, dass Stechmückenweibchen der Malaria-übertragenden Arten offenbar Mäuse bevorzugen, die bereits infiziert sind. Sie setzten die Mücken in einen kleinen Windkanal. In diesem Windkanal waren zwei Kammern, eine mit einer gesunden Maus, eine mit einer infizierten Maus. Dann beobachteten sie, welche Kammer die Mücken bevorzugten.
Die Mücken fanden die kranken Mäuse attraktiver, besonders in einem Zeitraum 10 bis 20 Tage nach der Erstinfektion.

Um dieses Ergebnis zu verifizieren, isolierte die Arbeitsgruppe um Mark Mescher die Ausdünstungen ein und derselben Maus vor der Infektion und danach. Auch in diesem Fall war der Geruch aus dem Zeitraum zwischen 13 und 20 Tagen nach der Infektion für die Mücken am attrakativsten.

Spannend daran: Genau in dieser Phase sind besonders viele Geschlechtstiere im Blut der Maus vorhanden. So kann der Zyklus im Sinne der Plasmodien erhalten werden.

Diese Ergebnisse werden durch eine Studie aus dem Jahre 2005 bestätigt. Kenianische Kinder, die an Malaria erkrankt waren und sich im entsprechenden Stadium befanden, wurden öfters von Mücken gestochen, als Kinder, die in einem anderen Stadium waren oder gar nicht erkrankt. Den Grund kannte man damals noch nicht, heute ist er sogar chemisch definiert:
Mithilfe der Gas-Chromatografie haben die Forscher den Mäuse-Malaria-Duft untersucht und vier entscheidende Substanzen ausgemacht: 3-Methyl-Buttersäure, 2-Methyl-Buttersäure, Hexansäure und Tridecan. Die Arbeit erschien in der Pnas.

Ob dies bei der Bekämpfung der Malaria mithelfen kann, ist unklar. Da der Mensch und die Menschenaffen die einzigen Zwischenwirte für humanpathogene Malaria-Plasmodien sind, erscheint eine Ausrottung dieser Parasiten zumindest theoretisch möglich. Praktisch fehlt es an Geld und dem Willen, koordinierte Aktionen durchzuführen.

Schöne Grüße

Tobias
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