Das sechste große Artensterben

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Das sechste große Artensterben

Beitragvon Tobias » 26.07.2014 11:00

Hallo,

Seit etwa 540 Millionen Jahren gibt es Mehrzeller auf diesem Planeten. In dieser Zeit hat es fünf große Artensterben gegeben, das Letzte an der Kreide/Tertiär-Grenze hat unter anderem die Dinosaurier dahingerafft.

Derzeit läuft ein sechstes großes Artensterben. Die Fachzeitschrift Science hat dieses Artensterben als Schwerpunkt thematisiert: "Heute sind wir mit einer ziemlich verarmten Tierwelt zurückgeblieben, und wir verlieren weiter Arten" heißt es dort. Science fasst damit das Aussterben der pleistozänen Megafauna mit der aktuellen Situation auf der Welt zusammen, nicht zu Unrecht. Alleine in den den letzten 500 Jahren sind mehr als 320 Arten terrestrischer Wirbeltiere ausgestorben. Die Bestände der verbliebenen Arten sind durchschnittlich um ein Viertel geschrumpft, schreiben Wissenschaftler um Rodolfo Dirzo von der Stanford University. Bei wirbellosen Arten sieht es ähnlich düster aus.

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Das aktuelle Artensterben ist im Ausmaß mit den bisherigen Artensterben mindestens vergleichbar. Derzeit sterben jährlich zwischen 11.000 und 58.000 Arten vollständig aus, regionales Verschwinden einzelner Arten kann sich ebenso heftig auswirken: Schon ein regionaler Rückgang einzelner Arten und damit eine veränderte Artenzusammensetzung kann enorme ökologische Folgen haben.

Das Artensterben zieht sich quer durch die gesamte Tierwelt, auch wenn einige Gruppen besonders betroffen sind: Groß- und Raubtiere, Amphibien und Bestäuber. Bei vielen dieser Arten handelt es sich um Schlüsselarten im Ökosystem, die Verteilung der Baumarten verändert sich, wenn Bestäuber fehlen: Arten mit Windbestäubung nehmen zu. Spezies, deren Samen vom Wind verbreitet werden, haben einen Vorteil gegenüber solchen mit Früchten, die auf die Verbreitung durch Tiere angewiesen sind, wenn diese Tiere fehlen.

Durch den Wegfall kleinerer Fleischfresser wie Amphibien, Reptilien, Insektenfresser und anderen Arten vermehren sich Schädlinge. Derzeit sind Insekten für Ernteverluste von 8 bis 15% verantwortlich. "Ohne natürliche biologische Kontrolle könnte dieser Anteil auf 37 Prozent steigen", so die Forscher. Der weltweite Wert dieser Fressfeinde von Schädlingen geht weltweit in die Milliarden US$.

Doch auch der direkte Einfluß des Menschen bedroht Arten. 23 bis 36% aller vom Menschen genutzten Amphibien, Vögel und Säugetiere sind bedroht.

"Die Geschwindigkeit, mit der Tierarten von unserem Planeten verschwinden, ist ein Kennzeichen dieses Zeitalters, ebenso sicher ein Zeichen der menschlichen Dominanz wie unser Einfluss auf den Stickstoff-, Phosphor- und Kohlenstoffkreislauf." Zu diesem Schluss kommen Joshua Tewksbury, Direktor des Luc-Hoffmann-Instituts in Gland und Haldre Rogers von der Rice University im texanischen Houston. "Tiere sind den Menschen wichtig, im Vergleich aber nicht so wichtig wie Essen, Arbeit, Geld und wirtschaftliche Entwicklung", schreiben sie in "Science". "Solange wir Tiere in Ökosystemen weiter als irrelevant für diese Grundbedürfnisse halten, werden Tiere die Verlierer sein."

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Das sechste große Artensterben

Beitragvon Beren » 28.07.2014 00:43

1. Miese Sache.

2. Speziesdefinition. Wäre "phylogenetic species concept" Standard, wäre die Nummer um ein Mehrfaches höher.
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