Antarktische Seebären hungern, wie die Population reagiert

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Antarktische Seebären hungern, wie die Population reagiert

Beitragvon Tobias » 29.07.2014 10:31

Hallo,

Jaume Forcada vom British Antarctic Survey in Cambridge hat zusammen mit Joseph Hoffman von der Universität Bielefeld seit 1982 die Seebären auf Südgeorgien untersucht. In dieser Zeit erfassten sie Daten von mehreren Tausend weiblicher, Antarktischer Seebären. Die Veränderungen in dem Zeitraum waren auffällig: Die Tiere finden nicht mehr genug Nahrung, so dass die Populationen schrumpfen: In den vergangen 27 Jahren nahm die Zahl der sich fortpflanzenden Weibchen um etwa ein Viertel ab!
Die Wissenschaftler verglichen die Daten der Seebärenpopulationen mit Informationen über Wasser- und Lufttemperatur, Eismenge und der Verfügbarkeit von Krill, der Basis der Nahrungsketten im antarktischen Ozean.

Spannend war hierbei, dass die Population nicht nur durch Schrumpfen an den Resourcenmangel angepasst wurde. Die Forscher beobachteten eine Verschiebung in der Genetik: Seebärenweibchen sind robuster geworden, verfügten also über einen kräftigeren Körperbau. Gleichzeitig scheinen Paarungen zwischen genetisch möglichst verschiedenen Individuen bevorzugt zu werden, so dass eine größere Variabilität in der Population entsteht.
Hinderlich erscheint allerdings, dass die angepassten, robusteren Weibchen erst später mit der Fortpflanzung beginnen, weniger und kleinere Jungtiere bekommen, die eine geringere Überlebenschance haben. Typisch für eine Population, in der Nahrung knapp ist.
"Wir haben Antarktische Seebären untersucht, weil sie ein guter Indikator für den Zustand des Ozeans sind" sagt Forcada. "Wenn der Mangel an Krill die Seebären bedroht, sind mit Sicherheit auch andere Tiere von der Knappheit betroffen."

Bemerkenswert an diesem Artikel sind zwei Punkte: die schnelle genetische Anpassung an solchen Nahrungsmangel durch die Partnerwahl der Tiere selber und dass der Klimawandel und nicht etwa die Überfischung am Nahrungsmangel schuld sein soll.

Schöne Grüße

Tobias

Quelle:
nature
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