Meeresschnecken nutzen Insulin als Waffe

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Meeresschnecken nutzen Insulin als Waffe

Beitragvon Tobias » 22.01.2015 18:51

Hallo,

die Häuser von Conusschnecken sind schön anzusehen und wurden gerne als Souvenier aus tropischen Ländern mitgenommen. Heute tut man sowas natürlich nicht mehr (hust), um keine Tiere für Andenkenzwecke umzubringen.
Doch die hübschen Schnecken haben noch eine andere Seite: das sprichwörtlich langsames Weichtier kann nicht nur schnell reagierende Fische fangen, es tut das regelmäßig zum Lebenserwerb. Das lässt vermuten, dass da Gift im Spiel ist. Richtig, die meisten Conus-Schnecken verfügen über hoch entwickelte Gifte, die Fische binnen Sekundenbruchteilen lähmen. Sie injizieren diese Gifte mit einem Stachel, der im Mundbereich liegt. Einige Arten sind auch für den Menschen gefährlich, deswegen sollte man sich hüten, diese Schnecken zu sammeln und in der Hosentasche mitzunehmen.

Wissenschaftler der Uni vom Salt Lake City, USA haben jetzt bei zwei Arten (Conus geographicus und C. tulipa) eine Insulinvariante im Gift entdeckt. Die Schnecken geben dieses Insulinderivat ins Wasser ab, wo Fische es über die Kiemen aufnehmen. Wie bei Menschen auch senkt das sofort den Blutzuckerspiegel, je nach Konzentration fallen die Fische in einen Schockzustand und können so von den Schnecken einfacher erbeutet werden.
Bei C. tulipa konnte eine weitere Variante nachgewiesen werden: Diese Insulinabart ähnelt dem Schneckeninsulin. Die Forscher vermuten, dass die Schnecke diesen Stoff gegen konkurrierende Artgenossen einsetzt.

Das ist der erste Nachweis vom Einsatz von Stoffwechselhormonen als Jagdwaffe. Lediglich bei der Gila Krustenechse (Heloderma suspectum) wurde Exendrin-4 nachgewiesen. Dieser Stoff regt die Insulin-Ausschüttung beim Beutetier an.

Abstract der Originalarbeit: PNAS

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Meeresschnecken nutzen Insulin als Waffe

Beitragvon TasmanischerTiger » 23.01.2015 12:17

Das Exendin-4 der Gila-Monster hilft tatsächlich schon seit einigen Jahren in Form der Diabetes-Medikamenten-Klasse der Inkretin-Mimetika menschlichen Erkrankten, die es sich unter die Haut spritzen.

Die Evolutionsgeschichte derartiger endokrin-wirkender Gifte muss schon spannend sein. Ich werde mich mal versuchen, da hinein zu fuchsen.
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