Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Fragen und Neuigkeiten, die nicht in ein anderes Forum passen

Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 26.03.2017 12:03

Beim Pleistozän-Park in Sibirien läuft gerade eine Crowdfunding-Kampagne. Ziel ist es, Bisons und (Haus-)Yaks zu erwerben und in den Park zu überführen um endlich Herden aufbauen zu können.

Bislang sind gut $ 50.000 eingenommen. Ziel der Kampagne sind $ 106.000. Crowdfunding-Kampagnen bei Kickstarter sind allerdings immer Alles-oder-Nichts-Kampagnen. Das heißt, wenn sie die $ 106.000 nicht erreichen erhalten sie nichts; die einzelnen Spenden-Versprechen werden dann gar nicht erst bei den Spendern abgerufen.

Die Kampagne bei Kickstarter:
Siehe https://www.kickstarter.com/projects/907484977/pleistocene-park-an-ice-age-ecosystem-to-save-the

Bild


Das Kampagnen-Video bei Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=MfLwGLSs-Uk

Offizielle Pleistocene Park Webseite: http://www.pleistocenepark.ru/en/
Twitter: https://twitter.com/PleistocenePark
Facebook: https://www.facebook.com/PleistocenePark/

Und zu guter Letzt die englische Wikipediaseite, die (milde ausgedrückt) doch etwas umfangreicher und informativer ist als die deutsche: Pleistocene Park
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon TasmanischerTiger » 26.03.2017 20:47

Tolle Idee,

ich werde das Vorhaben unterstützen, danke für den Hinweis!
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 28.03.2017 10:48

Von den deutschsprachigen Ländern ist zur Zeit nur Deutschland unter den ersten Zehn der Spender für diese Kampagne, siehe https://www.kickstarter.com/projects/907484977/pleistocene-park-an-ice-age-ecosystem-to-save-the/community

Städte aus deutschsprachigen Ländern sind zur Zeit überhaupt nicht unter den ersten Zehn. Zumindest Berlin war da vor einiger Zeit noch drauf mit 3 Spendern, ist aber offensichtlich mittlerweile überrundet. Heidelberg zählt ja mindestens 1 Spender, und ich meine, zu Beginn der Kampagne auch Wien auf der Liste gesehen zu haben. Platz 10 wird aber zur Zeit von Washington D. C. mit nur 4 Spendern belegt: also jede Stadt, die 5 Spender stellt, wird zur Zeit auf der Liste erscheinen, unabhängig von der Höhe der Spenden. Wer es also schafft, im Freundes-/Familien-/Bekanntenkreis nur 4–5 einzelne Spender zu gewinnen (und wenn sie nur € 3 spenden) wird seine Stadt (oder sein Dorf!) auf die Liste befördern.
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon TasmanischerTiger » 28.03.2017 17:55

Traurig nur, dass das Projekt nicht mehr Förderer in der Russischen Föderation findet.
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 28.03.2017 22:16

Zum einen haben die Russen vermutlich andere Sorgen. Politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich ist das Land absolut nicht auf dem Niveau der westlichen Welt.

Zum anderen ist, was den Klima-Aspekt angeht, bei diesem Projekt die ganze Welt betroffen. Da ist es vollkommen unverständlich, dass das Projekt nicht weltweit mehr Beachtung und Unterstützung erfährt.

Zur Situation in Russland: Sergey Zimov, der Gründer des Pleistozän-Parks, ist kein kleines Licht, sondern wohl der meist-zitierte russische Geowissenschaftler und die von ihm aufgebaute North-East Science Station international die zweitwichtigste Forschungsstation im Gebiet der Arktis. Die staatliche Unterstützung für das Pleistozän-Park-Experiment ist jedoch Null. Umgekehrt ist der Staat jedoch zur Stelle, wenn es was zu holen gibt. Sergej Zimov hat 1998 zusammen mit Professor F. Stuart Chapin III von der University of Alaska das Waldbison-in-Sibirien-Projekt angeschoben, um ein zweites Standbein für die gefährdeten Waldbisons außerhalb des amerikanischen Kontinents zu schaffen und um eine kälte-geeignete Bisonherde für den Park zu bekommen. Als das am Laufen war, hat sich die Regionalregierung von Jakutien eingeschaltet und das Projekt und die Bisonherde an sich gezogen. Die Herde (von mittlerweile wohl um die 100 Waldbisons) lebt jetzt in Zentraljakutien (der Park ist im Nordosten an der Küste) und Zimovs Gesuche wenigstens einige Tiere für den Park zu bekommen wurden ignoriert. Wenn die Politik nicht mitspielt, könnte ja wohl irgendein russischer Oligarch die Unkosten des Parks aus seiner Portokasse bezahlen und sich damit ins Buch der Geschichte einschreiben, aber auch da scheint nichts zu laufen. Ein zivilgesellschaftliches Verständnis von individueller Verantwortung für das Gemeinwesen und die Umwelt existiert in Russland wohl auf keiner Ebene.

Zum Klima-Aspekt: Beim Pleistozän-Park-Experiment geht es nicht nur darum, die Kältesteppe mit ihrer Megaherbivoren-Fauna wiederauferstehen zu lassen (was den Pleistozän-Park für dieses Forum ja interessant macht), sondern auch um ein wichtiges Experiment im Rahmen der Erderwärmungsvermeidung (oder zumindest -verzögerung). Im Permafrost der Arktis ist ungefähr doppelt soviel Kohlenstoff gebunden wie zur Zeit weltweit in der Atmosphäre als Kohlendioxid frei vorhanden ist. Im Rahmen der Erderwärmung fängt der Permafrost nun an zu tauen und den gebundenen Kohlenstoff freizusetzen. Teilweise als Kohlendioxid, aber zu erheblichen Teilen als Methangas, das einen um ein Vielfaches stärkeren Treibhauseffekt hat als Kohlendioxid. Die Welt starrt wie das Kaninchen auf die Schlange auf diese sich anbahnende Katastrophe, aber der einzige Versuch dagegen anzugehen, ja die einzige Idee, wie dagegen angegangen werden könnte, ist bislang der Pleistozän-Park. Die Theorie dahinter ist, dass zum einen die Megaherbivoren-Herden im Winter die isolierende Schneedecke zerstören und so der Boden wesentlich stärker auskühlen kann, und dass zum andern die von den Megaherbivoren geschaffene Kältesteppe eine ganzjährig wesentlich höhere Sonnenlichtreflektion aufweist als die existierende Tundra und Taiga, der Boden sich also viel weniger aufwärmt.

Gerade was diesen letzten Aspekt angeht sind nicht nur die Russen gefragt, sondern die ganze Welt, denn zum einen ist die ganze Welt ist betroffen und zum anderen sind bei dieser Kohlendioxidquelle (anders als bei direkter menschengemachter Emission) nicht die Russen die Verursacher und damit verantwortlich, auch wenn die Permafrostgebiete geografiebedingt zu großen Teilen auf ihrem Staatsgebiet liegen.
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 30.03.2017 20:42

Der Artikel hier ist gerade erst veröffentlicht worden, er beschreibt kurz und knapp aber dabei doch umfassend, worum es beim Pleistozän-Park geht:
Länger und detaillierter sind diese zwei:
Sind allerdings alle drei auf Englisch. Ein aktueller deutscher Artikel ist mir leider nicht bekannt. (Veraltet und ohne jeden Hinweis auf den Klima-Aspekt ist Rafaela von Bredow, „Serengeti in Sibirien,“ Der Spiegel, September 2006.)
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 31.03.2017 22:57

Berlin ist jetzt in der Liste der 10 Städte mit den meisten Spendern aufgetaucht – mit ganzen vier Spendern :-D .
Siehe https://www.kickstarter.com/projects/907484977/pleistocene-park-an-ice-age-ecosystem-to-save-the/community
Jedenfalls erstmal Glückwunsch an Berlin!
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon TasmanischerTiger » 02.04.2017 13:28

Es wird in jedem Fall knapp werden bis zur Deadline! Bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten sechs Tage noch über 40.000 $ bringen :shock:
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 04.04.2017 18:49

Und noch zwei spannende Artikel zum Pleistozän-Park, ebenfalls frisch veröffentlicht:
Beide auf Englisch. Der erste hat die Auswirkungen auf die Erderwärmung als Schwerpunkt, der zweite die Wiedererschaffung der Mammutsteppe.

Berlin liegt jetzt mit 5 Unterstützern ranggleich mit Chicago auf Platz 9. Andere deutschsprachige Städte sind nicht in der Liste der ersten Zehn. Einfach mal die Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen ansprechen!
Zuletzt geändert von Ranger am 12.04.2017 19:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 05.04.2017 22:11

Am Samstag, 8. April, um 19.30 Uhr MEZ (10:30 AM PST) findet ein Webinar (interaktives Internet-Seminar) mit Nikita Zimov statt, siehe http://www.sustainabledesignmasterclass.com/zimov

Themen:
  • Das Schmelzen des Permafrosts in der Arktis und was das für die Zukunft bedeutet,
  • Prozesse, die ein massives Auftauen des Permafrosts verhindern könnten,
  • Wie die Wiederherstellung der ursprünglichen nördlichen Grassteppe dabei hilft, den Permafrost und das Klima zu schützen,
  • Der Plan der Zimovs, die sibirische Taiga wieder in eine echte Wildnis zu transformieren und große Tierherden in ganz Sibirien anzusiedeln,
  • Wie Herden von großen Herbivoren das Auftauen des Permafrostes verhindern können,
  • Wie die ursprüngliche Herbivorengesellschaft der Mammutsteppe (einschließlich des Mammuts) wiederhergestellt werden kann.

Zur Einstimmung:
Grant Slater, Ross Andersen: „Creating Pleistocene Park.“ (Российские учёные возвращают ледниковый период | The Russian Scientists Bringing Back the Ice Age.) Video, 26:01 Minuten. 2016. (www.youtube.com/watch?v=c71Qm5ljmG8)
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 12.04.2017 19:07

Die Crowdfunding-Kampagne war erfolgreich. Der Pleistozän-Park in Sibirien hat sein Geld und kann nun seinen Tierbestand vergrößern. Es wird sehr spannend werden, die Entwicklungen zu beobachten.

Aber warum macht eigentlich die EU nichts in dieser Hinsicht? Das Permafrost-Problem ist ein sehr großes, vermutlich sogar ein grundlegendes Problem in der Erderwärmung, und wie schon weiter oben gesagt sind zum einen nicht die Länder mit Permafrost verantwortlich für das Problem, und zum anderen ist die ganze Welt einschließlich der EU gleichermaßen von den Auswirkungen betroffen. Ein Minimum wäre, dass die EU (und auch die anderen funktionierenden Erste-Welt-Länder) den sibirischen Pleistozän-Park unterstützen. Darüber hinaus gibt es jedoch auf dem Gebiet der EU in Schweden und Finnland sowie im assoziierten Norwegen ausgedehnte Permafrostgebiete. Es wäre eigentlich dringend geboten, dass die EU hier ein eigenes Forschungsprogramm mit einem eigenen Forschungspark aufbaut. Dann gäbe es zwei unabhängige Forschungsprogramme, deren Ergebnisse sich ergänzten (und wenn die USA und Kanada eigene Forschungsprogramme auflegten, sogar drei bis vier Gebiete), und der EU-Forschungspark würde zwar mit einem starken Rückstand auf den sibirischen starten, dürfte aber wegen der wesentlich besseren finanziellen Ausstattung und der besseren Erreichbarkeit schneller große Herden aufbauen und dadurch schneller wissenschaftlich belastbare und aussagekräftige Ergebnisse liefern können. Und die sind in der gegenwärtigen Situation dringend geboten.

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Pferde, Wisente und Moschusochsen im sibirischen Pleistozän-Park. (Foto von der Kickstarter-Internetseite)
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 25.04.2017 16:27

Am 10. April wurde eine Studie veröffentlicht, derzufolge

  • der Permafrostverlust aufgrund der Erderwärmung [...] ungefähr 20 % höher ist, als in bisherigen Studien angenommen [...]
Siehe S. E. Chadburn et al.: „An observation-based constraint on permafrost loss as a function of global warming.“ Nature Climate Change, 10. April 2017. doi:10.1038/nclimate3262 (Zitat übersetzt aus dem Abstrakt).

Populäre Aufbereitungen:

Newsweek
„Climate Change Will Thaw 20 percent More Permafrost than We Thought“


Washington Post
„Climate change could destroy far more Arctic permafrost than we thought — which would worsen climate change“


ThinkProgress
„Earth’s melting permafrost threatens to unleash a dangerous climate feedback loop“


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Altai-Marale im sibirischen Pleistozän-Park. (Foto von der Animal-People-Forum-Internetseite)
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Re: Pleistocene Park in Sibirien – Crowdfunding Kampagne

Beitragvon Ranger » 18.05.2017 13:14

Die erste Expedition hat begonnen. Zehn Hausyaks werden aus dem Irkutsker Oblast zum Pleistozän-Park gebracht. Ein bis zwei Wochen im Transportcontainer auf einem Lastwagen, dann im Schiff den Kolymafluss runter. Anfang Juni werden die Yaks dann wohl im Park sein.

Die zweite Expedition, mit der Präriebisons geholt werden sollten, musste verschoben werden. Der geplante Kauf hat sich zerschlagen; jetzt sind sie auf der Suche nach anderen Quellen. Der Herbst diesen Jahres ist der frühestmögliche Termin, mit dem sie nun rechnen.

Kickstarter-Update Nr. 10
Twitter-Nachricht 1
Twitter-Nachricht 2

Der selbstgebastelte Transportcontainer:

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