Gonzales-Sitges-Thylacinus

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Gonzales-Sitges-Thylacinus

Beitragvon Marozi » 12.07.2011 14:25

von Chris Rehberg, Where Light Meets Dark

Ein spanischer Thylacinus?

Danke an Miguel, ein regelmäßiger Leser hier auf Where Light Meets Dark, meine Aufmerksamkeit auf dieses Video zu lenken – und umso mehr dafür auch eine Übersetzung des spanischen Dialoges anzubieten!

Das Video über das ich spreche ist ein Fernsehinterview mit dem Zoologen Fernando Gonzáles Sitges über die Aufnahme eines Thylacinus in Australien in den 1990ziger Jahren. Es ist zum Ansehen verfügbar auf YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=wwOMoC40q6k) und trägt den Titel „möglicher Tasmanischer Tiger in Australien gefilmt“.

Der Text zu diesem Video (wörtlich, Fehler enthalten):

Ein spanisches Fernsehteam filmte Ende der 90ziger ein merkwürdiges Tier in West Australia aber die Wissenschaftler wollten diesen Bericht nicht untersuchen. Die Greyhound-Variante des Beutelwolfs? Der Führer der Expedition war Fernando Gonzales Sitges (Explora Films)

Video Synopsis
Das Video beginnt mit drei Leuten, die die angebliche Aufnahme eines thylacinus-artigen Tieres diskutieren. Die englische Übersetzung des Textes lautet wie folgt:

Journalist – Sie waren vor einiger Zeit in Australien und es gelang Ihnen ein Tier zu filmen, das als ausgestorben gilt?

Fernando González Sitges (Zoologe) – Nun, es war vor zwei Jahren, aber ich warte noch immer auf die Analyse der echten Experten. Das war was passierte; wir waren mit zwei Gruppen filmen. Ich war im Norden um Meerestiere zu filmen und sandte einen Kameramann nach Tasmanien um einen Film über das Thylacinus-Habitat abzuschließen, seinen „Fußspuren“ folgend, denn Tasmanien ist der perfekte Ort um die Story zu erzählen.

Als wir uns wieder trafen sagte er uns, er hätte nichts gefunden in Tasmanien aber durch Zufall filmte er an dem Ort wo ich war einen ungewöhnlichen Hund, vielleicht einen Dingo, der ein Wallaby (was ein kleines Känguru ist) fraß. Ich dachte, dass das merkwürdig war, und als ich den Film sah, war ich beeindruckt... nun das Tier ist dieses hier (Bilder des Tieres werden gezeigt), das ein totes Känguru frisst. Die Wahrheit ist, dass ich Dingos in diesem Gebiet gefilmt habe und sie völlig unterschiedlich sind...

Journalist – Und was denken sie was es ist?

FGS – Möglicherweise ist oder könnte es ein Beutelwolf sein, das ist ein ausgestorbenes Tier oder besser eines, das die Menschen ins Aussterben getrieben haben, denn wir sind die meist destruktivste Art; er war zu Beginn des 20ten Jahrhunderts ausgestorben, der letzte starb in den 60ziger Jahren, ich kann mich nicht erinnern vielleicht war es auch davor... wie auch immer, das ist eine rezente Entdeckung...

Journalist – Es könnte sein, die Natur ist sehr resistent...

FGS – Sogar im 19 Jahrhundert als der Beutelwolf noch auf Tasmanien vorkam, und auf dem Festland bereits ausgestorben war, gab es Berichte von diesem Tier aus diesem Gebiet, und auch viele der Festlandsichtungen der 80ziger bis heute kamen von hier...

Wie sie sehen, sind sie nicht sehr sicher! Es ist möglicherweise ein kranker Dingo oder Fuchs, das Gesicht ist seltsam, aber das könnte aufgrund des Fellverlustes sein.


Dann wird das Video des Thylacinus gezeigt. Es beginnt mit einer kurzen Sequenz, die eine Nahaufnahme eines Wallaby oder Kängurus zeigt, das von der Kamera weghüpft. Die Sequenz springt zu einer neuen Szene, die scheinbar an derselben Örtlichkeit aufgenommen wurde. In der neuen Szene ist ein Tier (der mögliche Thylacinus) zu sehen, das anscheinend Fleisch eines toten Tieres, das zu seinen Füßen im Gras liegt, frisst.

(Ab hier werde ich vom unbekannten Tier als „der Thylacinus“ schreiben

Der Thylacinus fährt fort an dem toten Tier zu reißen. Die untere Hälfte des Thylacinus ist wegen des hohen gelblich-grünen Grases nicht sichtbar. Auch kann das tote Tier nicht erblickt werden, mit der Ausnahme, als ein kleines Stück des toten Tieres über der Graslinie auftaucht.

Während des Fressens bewegt sich der Thylacinus ein wenig und man kann (von vorne) den oberen Teil des Rückens, seine Ohren, Augen und gelegentlich den ganzen Kopf sehen. Nach mehreren Sekunden beginnt der Thylacinus das tote Tier nach rechts zum Bildrand zu ziehen und die Kamera schwenkt um den Bewegungen des Thylacinus zu folgen.

Die Thylacinus-Aufnahme endet, und die Szene kehrt zurück zum Interview, das in einem Fernsehstudio aufgenommen wurde. Im Hintergrund sind große Monitore, die die Thylacinus-Aufnahmen endlos wiederholen.

Erste Eindrücke
Für mich ist dies eine bislang unbekannte Aufnahme, und es ist interessant, sie nur wenige Tage nach der Veröffentlichung im Internet zu finden. Die Hintergrundgeschichte indiziert, dass niemand an der Aufnahme interessiert war als sie in Western Australia in den 1990zigern aufgenommen wurde. Als solche ist sie ziemlich klar in der Interpretation der Aufnahme, obwohl ich erwarten würde, mehrere wichtige Personen hätten diese Aufnahme in den letzten Jahren bereits gesehen und sich eine Meinung dazu gebildet.

Ein “Vorsicht”, das einem in den Sinn kommt ist, dass mehrere Werbeagenturen sich in einer Praxis engagieren, die man “Viral-Marketing” nennt. Hauptsächlich besteht dies aus professionellen Videoproduktionen, die “hausgemacht” erscheinen. In den meisten Fällen sind anscheinend unglaubliche Leistungen auf Video aufgenommen, üblicherweise durch offenbaren Zufall, und die Nachricht verbreitet sich wie Buschfeuer – oder ein Virus – typischerweise durch das Medium Internet.

Sehr häufig kann weder die Marketing-Agentur noch der Auftraggeber auf dem Video identifiziert werden und es kommt nur durch den Aufruhr und Hype der verursacht wird heraus, dass das Video tatsächlich nur eine Marketing-Strategie ist.

Ohne irgendein Wissen über die Umstände, die die angeblichen Aufnahmen in den 1990zigern begleiten, muss ich die Möglichkeit beachten, dass es eine Hoax-Aufnahme für solche Zwecke wie Virales-Marketing ist. Wikipedia merkt an, dass die frühesten Formen des Viralen-Marketing um 1996 erschienen, was das Konzept in das Zeitfenster dieser Aufnahme bringt (unter Berücksichtigung des beigefügten Textes).

Nachdem all das gesagt wurde, untersuchen wir das Tier auf seinen Wert, wie es im Film präsentiert wird.

Die Aufnahme
Es ist interessant, dass die Aufnahme des Wallaby (oder Kängurus) nicht durchgehend ist mit der Szene des Thylacinus, der etwas frisst, das im Gras liegt. Solche Schnitte können so gesehen werden, dass der Betrachter dazu gebracht wird zu denken, der Thylacine fresse ein Wallaby, aber natürlich folgt dies nicht notwendigerweise daraus.

Zur selben Zeit, wenn man sich vorstellt, dass das Szenario echt ist (man ziehe das Video und den Dialog in die Überlegung mit ein) ist es nicht unvernünftig zu akzeptieren, dass das Filmteam ein Wallaby filmte, aufhörte zu filmen, dann durch Zufall eine seltsame Kreatur sah, die ein Wallaby fing und tötete, die Kamera wieder aufnahm und anfing zu drehen als die Beute bereits getötet war.

Zudem scheint die Szenerie hinter dem Wallaby und die Szenerie die den Thylacinus zeigt übereinzustimmen: die Grasfarbe und -länge sind gleich; es gibt einen grünlicheren Fleck horizontal verteilten Grases nahe dem Vordergrund der in beiden Sequenzen erscheint und das Känguru springt hinter einige Büsche und Zweige, die keine signifikante Blätter aufweisen – ähnliche Büsche erscheinen hinter dem Thylacinus.

Näher betrachtet hört sich die Geschichte hinter den Aufnahmen plausibel an und die Szene, die das Känguru zeigt, entspricht der Szene, die den Thylacinus zeigt. Dieser letzte Punkt ist signifikant, denn es bringt die Aufnahme entweder nach Australien oder in einen Zoo, in dem man fleischfressende Raubtiere mit Wallabies zusammenhält. Von diesen zwei Optionen finde ich die erste wahrscheinlicher.

Wendet man seine Aufmerksamkeit auf den Thylacinus selbst wird das Bild interessant. Die erste akzeptabel identifizierbare Aufnahme lässt das Tier mehr wie eine große Katze als einen Thylacinus aussehen. Spätere Szenen lassen das Tier wie irgendetwas wie ein Fuchs, Hund oder Hyäne erscheinen; es bringt sogar einen Thylacoleo ins Gedächtnis. Einige sehr auffallende Merkmale sind das signifikant erhöhte Rückgrat, große spitze Ohren und die Augen, die man kurz in einigen wenigen Aufnahmen sehen kann und die sehr klein erscheinen.

Einige beachtenswerte Punkte über diese Einzelbild-Aufnahmen:

In den meisten Bildern kann man die sehr großen, spitzen Ohren sehen. Frame 2 und 3 scheinen ein sehr ausgeprägtes Rückgrat zu zeigen. Das Tier könnte unterernährt sein. Man beachte, dass keinerlei Streifenmuster auf der Seite des Tieres erscheinen.

Frame 4 ist die einzige Aufnahme, die ich sehen konnte, die möglicherweise den Schwanz des Tieres zeigt (der dunkle Fleck auf der linken Seite des Tieres). Wenn dies der Schwanz ist, sieht er sehr buschig aus und würde am ehesten dem eines Fuchses gleichen. Alternativ gesehen ist dies möglicherweise ein Teil des Tierkadavers an dem der Thylacinus frisst.

Die Frames 1, 5, 7, 11, 12, 13 und 14 bieten alle eine gute Sicht auf die Augen des Tieres. Frame 8 ist einer der wenigen Einzelbildaufnahmen der alle Teile des Tierkadavers zeigt (ganz links im Bild).

Die seitlichen Ansichten (in den Einzelbildaufnahmen von 9 bis 13) scheinen einen Hinweis auf ein Streifenmuster entlang der Wirbelsäule zu geben, aber zusammengenommen mit den früheren Bildern denke ich das Muster ist wahrscheinlicher durch den Schattenwurf der Rückenwirbel des Rückgrats verursacht.

Frame 13 sieht ungewöhnlich aus weil er das Tier aussehen lässt als hätte es eine breite Schnauze – an ein Wildschwein erinnernd oder vielleicht an die Zähne eines Thylacoleo. Die Aussage des Kameramannes, dass das Tier das Wallaby gefangen und gegessen hat würde ein Wildschwein aber negieren.

Frame 7 und 14 geben dem Tier im Gesicht ein sehr katzenähnliches Erscheinungsbild.

Eine Eigenart, die sich durch alle Bilder zieht ist, dass die Nase und der Mund nicht erkennbar sind. Das ist unglücklich, da dies bei der Diagnose geholfen hätte.

Es mag sich als hilfreich erweisen, sich das Gesicht des Tieres mit denen anderer Arten zu betrachten. Das Gonzales Sitges-Tier erscheint schmaler als die anderen, was an der Kameraperspektive liegen mag oder dass das Tier unterernährt ist. Das Aussehen und die Größe der Ohren scheint die eines Fuchses oder genausogut eines Dingos zu treffen. Thylacoleo und der Panther scheinen breitere Schnauzen als jeder Fuchs, Dingo oder Thylacinus zu haben und der Panther kann durch seine kleineren, rundlicheren Ohren ausgeschlossen werden.

Der Thylacinus hat auch ein wenig kleinere Ohren als ein Fuchs oder Dingo und ich denke das Gonzales Sitges-Tier hat größere Ohren als der Thylacinus. Der Fuchs und der Dingo haben beide eine bleiche Färbung an der Seite des Mauls und ich denke ähnliche Zeichnungen können in der ein oder anderen Einzelbildaufnahme des Gonzales Sitges-Tiers gesehen werden. Das Tier scheint auch ein ungewöhnliches Haarbüschel aus Fell auf der Spitze des Kopfes zwischen den Ohren zu haben.

Schlussfolgerung
Angesichts des buschigen Schwanzes und längeren Fells auf dem Kopf (was bei allen Vergleichstieren außer dem Fuchs fehlt), muss ich schließen, dass der wahrscheinlichste Kandidat für diesen Kryptiden der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist. Das ist übereinstimmend mit dem Kameramann, der behauptet, vorher Dingos gefilmt zu haben und dieses Tier als unterschiedlich von diesen betrachtet. Die Ohren scheinen größer als die eines Thylacinus zu sein, aber es ist wirklich der buschige Schwanz, der am meisten Gewicht hat. Vom Thylacoleo ist nicht bekannt, dass er in modernen Zeiten existiert und obwohl es wahrscheinlich Großkatzen in Australien gibt, die in der Wildnis leben, schließen die großen Ohren erneut auch diese Tiere aus der Vergleichskategorie aus.

Es ist eine Schande, dass der Film so kurz ist – mit so etwas ungewöhnlichem wäre es fantastisch gewesen, eine längere Aufnahme anzufertigen und näher an das Tier heranzugehen um klarere Fotos zu bekommen.

Der Film ist natürlich offen für Interpretationen und ich würde mich freuen, die Meinung von anderen zu hören!

Fußnote
Die Vergleichsfotos wurden von verschiedenen Quellen zusammengestellt:


Ich habe beschlossen, den Namen „Gonzales Sitges Thlacinus“ beizubehalten, denn es ist diese These – dass es ein Thylacinus ist – die dem Film die Aufmerksamkeit des Fernsehprogramms brachte und letztlich all derer, die ein Interesse daran haben.

http://www.wherelightmeetsdark.com/inde ... PAGE_id=61

Vielen Dank an Chris Rehberg für die Erlaubnis den Artikel zu übernehmen und zu übersetzen.
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Re: Gonzales-Sitges-Thylacinus

Beitragvon Althäea » 09.08.2011 12:50

Also das könnte bestimmt auch ein verwilderter Hund sein evtl. auch ein Dingo mit Haushund gemixt? Passiert ja immer wieder so was.

Ich meine aber fast dass es für einen Fuchs zu Groß ist oder?

Auf jeden Fall was Canines würde ich sagen.
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Re: Gonzales-Sitges-Thylacinus

Beitragvon Quagga » 13.09.2011 11:18

*gäääääähn :sleep: *
Das ewig gleiche Lied vom räudigen Köter...
Wenn sie so scharf drauf sind, einen Thylacinus zu finden, dann sollen sie eine mehrmonatige Expedition nach Tasmanien ausrüsten, mein Schatz und ich wären gegen freie Kost und Logis sofort von Anfang bis Ende dabei!

Grüße, Andreas
"If i see a track i know something made it!"
Weise Erkenntnis eines Hobby- Kryptozoologen :gut:
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Re: Gonzales-Sitges-Thylacinus

Beitragvon Althäea » 29.09.2011 10:57

Ich geh dann auch mit. :-)
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