Oostvaardersplassen (Niederlande)
Arten: Rothirsch, Konikpferde, Heckrinder
Beschreibung: fisch- und vogelreiche aufgegebene Kulturlandschaft bestehend aus weiten Feuchtwiesen und Gebüsch. Große Herbivorenherden, deren Zahl die Kapazitätsgrenze erreicht hat. Keine Raubtiere, daher bald Bestandsregulierung notwendig. Eher große Weide als Wildnis.
Keent (Niederlande)

Arten: Exmoor-Pferd, TaurOs- und Hochlandrinder
Beschreibung: Ähnlich wie Oostvaardersplassen, jedoch greift der Mensch bislang noch ein. Die Tiere leben auf großen Feuchtwiesen mit wenig bis keiner Zufütterung, diverse Avifauna. Die Hochlandrinder sollen ersetzt und die Primitivrinder zum Taurosochsen gezüchtet werden. Ob Raubtiere irgendwann geplant sind, weiß ich nicht.
Exmoor-Nationalpark (England)

Arten: Rothirsch, Exmoor-Pferd
Beschreibung: der wohl letzte Ort Europas, in dem derart ursprüngliche Pferde wie das Exmoor wild leben dürfen. Sie bilden dort Herden, die zwar jemandem gehören (und die dominanten Hengste werden vom Menschen ausgewählt, aber in vielen Wildreservaten werden die Tiere ausgetauscht), aber ansonsten scheue Wildtiere und ein Magnet für Pferde- und Wildliebhaber sind. Ähnliches mit dem Dartmoor-Pferd in Dartmoor.
Doñana Nationalpark (Spanien)
Arten: Spanischer Rothirsch, Damhirsch, Wildschwein, Pardelluchs, verwilderte Rinder und Pferde
Beschreibung: Typisch iberische Landschaft mit reicher Avifauna und Mangusten. Rückzugsort des stark bedrohten Pardelluchses. Herden verwilderter spanischer Rinder und Pferde häufig (ebenfalls Privateigentum jedoch wild). Der Camargue mit den Camargue-Rindern ähnlich.
Faia Brava-Reservat (Portugal)

Arten: TaurOs-Rinder, Retuerta-Pferde
Beschreibung: Im portugisischen Hochland, befindet sich erst im Aufbau. Die TaurOs-Rinder sollen zum Taurosochsen gezüchtet werden, weitere Herbivoren und Wölfe sind anzusiedeln geplant und eventuell werden auch die Retuertas mit authentischeren Rassen supplementiert. Teil von Rewilding Europe.
Nationalpark Bialowieza (Polen)

Arten: Wisent, Elch, Rothirsch, Wolf
Beschreibung: Der einzige Ort Europas, in dem (wieder) eine große Population des Wisents vorkommt. Mischwaldgebiet, das außerdem noch von anderen, selten gesehenen europäischen Großtieren besiedelt wird.
Nationalpark Hortobágyi (Ungarn)
Arten: Przewalski-Pferd, Taurus- und Heckrinder
Beschreibung: Die künstliche Exklave der eurasischen Steppe weist eine diverse Avifauna auf (u.a. Großtrappe), und die Beweidung mit großen Herbivoren soll diesen Lebensraum erhalten. Das Przewalski-Pferd ist ein geeigneter Ökotyp, doch die etwa 200 Heck-/Taurusrinder haben leider Probleme in härteren Wintern und brauchen Zufütterung. Dafür sind sie teilweise Ur-ähnlich. Die Ansiedelung von Wölfen oder anderen Raubtieren ist meines Wissens (noch?) nicht geplant.
Rondane-Nationalpark (Norwegen)

Arten: Moschusochsen, Rentiere, Elche, Braunbären, Wolf, Vielfraß
Beschreibung: naturbelassene Taiga mit vielen nordeurasischen Wildarten. Fehlen nur noch Wildpferde und Großkatzen sowie eine stärkere Bestandsdichte der Arten, und diese lokale Megafauna ist wieder komplett!
Pleistocene Park (Russland)

Arten: Wisent, Moschusochsen, Altai-Marale, Elche, Rentiere, Jakutenpferde
Beschreibung: Noch im Aufbau, das Ziel ist eine Rekonstruktion der Mammutsteppen-Fauna. Jakutenpferde sind ursprünglich und robust und haben sich für diese Region besser erwiesen als Przewalskis. Ich persönlich hätte jedoch den Waldbison ggü. dem Wisent vorgezogen, da dieser im frühen Holozän in dieser Region vorkam. Als Apexräuber ist der Sibirische Tiger geplant.
Sperrzone Tschernobyl

Arten: Wisent, Wildpferd, Elch, Rothirsch, Wolf, Luchs, Braunbär
Beschreibung: Wohl das größte und vollständigste Großwild-Wildnisgebiet in Europa überhaupt. Es enthält sämtliche noch lebende einheimischen größeren Säugetiere, die völlig ohne menschliche Eingriffe überleben. Europaweit einzigartig.
Also sind die Mengen an wilden/halbwilden Großtieren in Europa doch nicht so unerheblich, wie einem TV-Dokumentationen und Bücher teilweise glauben machen. Und in der Zukunft wird es definitiv mehr Großwildgebiete geben. Denn es gibt einige Programme, welche sich die Etablierung solcher zum Ziel gemacht haben und die demographische Entwicklung Europas kommt diesen Projekten sehr gelegen.
Viele solcher Projekte laufen im Rahmen von Rewilding Europe ab, durch die (wie bereits in einem anderen Thread erwähnt) etwa bereits mehrere kleine Wisentherden verteilt über Europa ausgesiedelt wurden. Geplant sind fünf Kernregionen: Westiberien, Ostkarpaten, Donaudelta, Südkarpaten, Velebit (Kroatien). In der Zukunft sollen solche Wildnisgebiete durch Wildkorridore vernetzt sein, sodass die Tiere zwischen den verschiedenen Reservaten genetischen Austausch vollziehen können – was allerdings noch Zukunftsmusik ist. Ich denke jedenfalls, dass einige Arten des ursprünglichen europäischen Großwilds Schritt für Schritt zurück in die hiesigen Naturräume kommen werden. Dazu gehören neben den drei größeren Raubtieren natürlich Wisent, Wildrind (Auerochsenersatz von TaurOs), Wildpferd (enstsprechende ursprüngliche Rassen), Elche, in Südeuropa auch Wildesel und sogar Wasserbüffel.
Hätte ich persönlich 3 Wunsch-Großwildgebiete zu errichten (etwas ähnliches hat ja Tobias bereits in seinem Thread „Utopie Naturschutz“ thematisiert), würde ich eines in Osteuropa, etwa Polen (dort gibt es noch weite und schöne Naturlandschaften und die Bevölkerungszahlen sind m.W. rückläufig), eines in Nordafrika und eines in der Mongolei platzieren.
Im erstgenannten Reservat würde ich versuchen, die größte zusammenhängende und gesunde Wisentpopulation aufzubauen. Zusätzlich sollten natürlich Rothirsche und Elche vorkommen. Ich würde auch einen Tarpan-Ersatz, vorzugsweise Exmoor-Pferde, sowie die besten erhältlichen Auerochsen-Ersatzrinder ansiedeln. Zum kleineren Schalenwild würden die ohnehin vorhandenen Wildschweine, Damhirsche und Rehe gehören. Raubtiere wären neben dem Rotfuchs natürlich Nordluchs, Wolf und Braunbär. Auch würde ich den Schritt wagen und eine Großkatze einführen sofern genug Platz ist. Entweder Persische Löwen oder Sibirische Tiger, je nach dem, wie gut sie dort zurecht kommen. Großkatzen sind höchstwahrscheinlich notwendig, um die Bestände der großen Pflanzenfresser ausreichend zu regulieren, und Raubtiere sind v.a. für die Dedomestikation der Rinder und Pferde unverzichtbar.
Nordafrika war einst (vor wenigen Jahrtausenden) die Schnittstelle der typisch afrikanischen und typisch eurasischen Fauna. Dementsprechend würde ich dort ein Reservat mit Rothirschen, Wasserbüffeln, rückgezüchteten Berberlöwen, afrikanischen Elefanten, afrikanischen Wildeseln, aus südeuropäischen Rindern gezüchtete Ersätze des nordafrikanischen Urs, Wildschweine, Mähnenschafe, Mufflons, Cuviergazellen, Berberaffen, Straußen, kantabrische Braunbären und ägyptische Wölfe, Goldschakale eurasischen Luchsen und Fleckenhyänen ansiedeln. Ein solches Reservat wäre auch für den Tourismus, der ja eine der wichtigsten Lebensadern der Region darstellt, eine lukrative Option, da Leute nicht mehr nach Südafrika zu fliegen bräuchten, um Ähnliches zu erleben.
In einem mongolischen Reservat würde ich versuchen, die erste großen wilden Herden von Przewalsi-Pferden seit 100 Jahren zu etablieren, gemeinsam mit geretteten Wildyaks, Saigas, Altai-Maralen, Tschirus, Asiatischen Wildeseln, baktrischen Wildkamelen, die eine diverse Großherbivorenwelt bilden würden. Wohl nur in geringer Dichte, da die mongolische Steppe ja nicht sehr produktiv ist. Gejagt würden diese von Sibirischen Tigern, Amurleoparden, Himalaya-Braubären, Schneeleoparden und Wölfen.
Ich persönlich hoffe, dass es irgendwann in der Zukunft solche großen und zusammenhängenden Wildreservate als letzte Rückzugsgebiete einer ursprünglichen Wildtierwelt geben wird, denn die überall fortschreitende Zivilisation und die wachsende Weltbevölkerung wird es der Natur in den kommenden Jahrhunderten sehr eng machen. Natürlich kommt das jetzt sehr Großwild-zentrizitiert rüber, aber man beachte, dass derartige große unberührte Reservate auch große Mengen an kleinerer Fauna, die weniger Probleme sich auszubreiten und anzusiedeln hat und durch das Zusammenspiel der Arten sehr diverse Landschaftstypen beinhalten würden.



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