26 | 11 | 2014
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Gourock-Kadaver 1942

Bericht des Bezirkslandvermessers Charles Rankin

Gemälde der angeblichen Seeschlange von Gourock (Glen Vaudrey)Die „Gourock-Seeschlange“ wurde weithin bekannt als im September 1980 eine Episode von „Arthur C. Clarke’s Mysterious World“ mit dem Titel „Monsters of the Deep“ im Fernsehen ausgestrahlt wurde. In dieser Folge wurde der ehemalige Bezirksbedienstete Charles Rankin über seine Erfahrung mit dem Kadaver interviewt:

Ich kann nicht sehen, dass dieser Kadaver ein verrotteter Riesenhai war. In erster Linie zeigte dieses Tier keine Zeichen von Verwesung. Es war absolut komplett. Unbeschädigt. Das Monster maß etwa 8,50 Meter [28 feet] von der Nasenspitze bis zum Schwanzende. Der Körper, wie er auf dem Boden lag, war etwa 1,5 Meter [5 feet] bis 1,80 Meter [6 feet] tief. Der Körper könnte als dreiteilig beschrieben werden - der Körper, der Hals und der Schwanz. Und der Hals und Schwanz verjüngten sich sehr allmählich vom Körper weg. Das Tier hatte Zähne. Zähne von vielleicht dieser Größe [Rankin zeigt das erste Fingerglied seines linken Zeigefingers] auf beiden Kiefern. Im Magen der Kreatur war eine kleine Portion von was ich für ein Seemans-Trikot hielt. Es war ein offener, gestrickter Abschnitt eines Strickmaterials und die andere seltsame Sache war eine Ecke, die man als altmodisches Tischtuch beschreiben könnte. Nur die Ecke und es war komplett mit Quasten.
(Transkript von Mr. Rankins Interview von www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=XG0V2LZ9fBw)

Im Begleitbuch zur Fernsehserie ist der Bericht ausführlicher:

Es war etwa 8 – 8,5 Meter [27-28 feet] in der Länge und 1,5 – 2 Meter [5-6 feet] in der Tiefe an der breitesten Stelle. Da es auf der Seite lag, erschien der Körper oval im Abschnitt aber der Winkel der Brustflossen in Relation zum Körper schlug vor, dass der Körperabschnitt beim lebenden Tier rund war. Wenn ja, würde dies die Tiefenabmessung zu einem gewissen Grad reduzieren. Der Kopf und der Hals, der Körper und der Schwanz waren etwa gleich in der Länge, der Hals und Schwanz verjüngten sich allmählich vom Körper weg. Es gab keine Flossen. Der Kopf war vergleichsweise klein, von einer Form ähnlich zu einer Robbe, aber die Schnauze war viel schärfer und die Oberseite des Kopfes flacher. Die Kiefer kamen einer über dem anderen zusammen und es schien eine Beule über den Augen zu sein - sagen wir prominente Augenbrauen. Es waren große, spitze Zähne in jedem Kiefer. Die Augen waren vergleichsweise groß, etwa wie die einer Robbe, aber mehr an der Seite des Kopfes.

Der Schwanz war rechteckig in der Form wie es lag – schien im Leben vertikal. Durch die dünne Haut zeigten sich parallele Reihen von ‚Knochen’, die ein knorpeliges, glänzendes, opakes Aussehen hatten. Ich hatte den Eindruck, dass sich diese ‚Knochen’ fächerartig unter der dünnen Membrane öffnen um einen sehr effektiven Schwanz zu formen. Der Schwanz schien die gleiche Größe über und unter der Mittellinie zu haben.

An der Vorderseite des Körpers war ein Paar von ‚L’-förmigen Brustflossen und am Ende ein ähnliches Paar, kürzer aber breiter. Jede endete in einer ‚knochigen’ Struktur ähnlich zum Schwanz und zweifellos auch fähig auf dieselbe Weise geöffnet zu werden.

Der Körper war in ziemlich kurzen Abständen mit harten, borstigen ‚Haaren’ bedeckt. Diese waren enger zusammen in Richtung des Schwanzes und der rückwärtigen Kante der Flossen. Ich zog eine dieser Borsten aus einer Flosse heraus. Sie war etwa 15 Zentimeter [6 inches] lang und war verjüngt und spitz an beiden Enden wie eine stählerne Stricknadel und eher von der Dicke einer Nadel dieser Größe, aber etwas flexibler. Ich behielt die Borste in der Schublade meines Schreibtisches und irgendwann später sah ich, dass sie in der Form einer Spiralfeder getrocknet war.

Reproduktion der Skizze von Charles Rankin (Markus Hemmler)

Die Haut des Tieres war glatt und beim Schneiden erwies sie sich als vergleichsweise dünn aber zäh. Es schien keine Knochen zu geben außer der Wirbelsäule. Das Fleisch war gleichmäßig tief rosa in der Farbe, war wabbelig und schwierig zu schneiden oder hacken. Es blutete nicht und verhielt sich wie eine dicke Tafel Gelee unter Druck. In dem was ich für den Magen des Tieres hielt, fand sich ein kleines Stück gestrickten, wollenen Materials wie von einem Cardigan und, noch seltsamer, eine kleine Ecke was wie eine gewebte Baumwolltischdecke war – komplett mit Quasten.

Weder Rankin noch sein Vorarbeiter, der auch die Überreste inspizierte, konnten entscheiden zu welcher Art dieser Kadaver gehörte. Rankin erinnerte sich, dass er das Royal Scottish Museum anrief aber diese ein Interesse abwiesen. Aufgrund von Kriegseinschränkungen wurde es ihm mit einer strikten Warnung von der Royal Navy verboten, irgendein Foto des Kadavers zu machen. So wurde der Kadaver letztlich in kleine Stücke zerhackt und auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage begraben, was heute das Spielfeld der örtlichen Schule St Ninian ist (Welfare & Fairley, 1980).

Spekulationen: von Robben zu Haien und Hoax

Autor Paul Harrison bemerkt, dass wenn die Beschreibung genau war, es keinen Bezug zu einem verwesten Riesenhai gäbe und stattdessen mehr wie eine Art der Robben klänge. Allerdings blieb er unschlüssig, speziell da Rankin mit diesen vertraut schien (Harrison, 2001).

Zoologe Dr. Karl P. N. Shuker (2003) schrieb schlüssiger, dass „wenn kollektiv gesehen, Merkmale wie diese Borsten (leicht als Hinweis an die Ceratotrichia erinnernd – knorpelige Fasern – einer Haifischflosse), die echsenartige Form, vertikale Schwanz (charakteristisch für Fische), Fehlen von Körperknochen und glatte Haut einen verwesenden Hai als plausible Erklärung vorschlagen.“ In Anbetracht dieser allgemeinen Identität scheint es sehr wahrscheinlich davon auszugehen, dass es nur ein weiterer Pseudoplesiosaurier war. Viele mysteriöse Kadaver erinnern von ihrer äußeren Form mit oftmals einem kleinem Kopf, einem langen dünnen Hals, einem großer Körper mit Flossen und einem spitz zulaufenden Schwanz auf den ersten Blick an einen Vertreter einer ausgestorbenen marinen Reptiliengruppe. Tatsächlich jedoch handelte es sich bei allen Fällen in denen genügend Material oder Daten zur Identifikation vorhanden waren, ausnahmslos um Kadaver von Riesenhaien (Cetorhinus maximus). Das Problem mit dieser Erklärung ist für Dr. Shuker, dass wenn der Bericht genau war, die Beschreibung von großen, spitzen Zähnen gegen diese Identität sprechen und stattdessen eine karnivore Art favorisiert. Nichtsdestotrotz merkt er an, dass es ein sehr großer karnivorer Hai sein müsste, denn selbst der größte karnivore Hai, der Große Weiße Hai Carcharodon carcharias überschreitet selten 6 Meter (20 feet).

Wegfallende Teile des Riesenhais als Pseudoplesiosaurier  (Markus Bühler)Eine letzte und neuere Spekulation hinsichtlich der Identität war, da Rankin die einzige verfügbare Quelle für diesen Vorfall zu sein schien, dass es möglicherweise ein Hoax gewesen sein könnte (Glen Vaudrey, pers. komm., 30. August 2012). Dies wurde abgelehnt, denn die „Borste“ die der Gemeindebedienstete Rankin in seinem Schreibtisch aufbewahrte, wurde während seines Interviews gezeigt (Karl Shuker, pers. komm., 17. November 2012). Nichtsdestotrotz besteht trotzdem die Möglichkeit, dass auch die „Borste“ Teil des angenommenen Hoax sein könnte.

Beweise von 1942

Neuerliche Recherchen haben gezeigt, dass es tatsächlich einen „Monster“-Kadaver in Gourock im Juni 1942 gab. Die Watt-Bibliothek in Greenock verfügt über ein komplettes Archiv der lokalen Zeitungen inklusive einigen Artikeln die sich auf den Gourock-Kadaver beziehen. Der Greenock Telegraph berichtete am 10. Juni 1942:

Arbeitern aus Gourock wurden schon viele neuartige Jobs anvertraut seit dem Ausbruch des Krieges. Aber heute hatten sie eine Aufgabe, welche die einzigartigste sein musste, die sie bislang bekommen haben.
Sie verbrannten und vergruben dann die Überreste eines Riesenhais, der am Strand von Ashton angeschwemmt wurde. Der Fisch war 8 Meter [twenty-seven feet] lang. Er war in solch einem Stadium der Verwesung, dass kein Händler die Verantwortung für den „Körper“ übernehmen wollte, mit dem Ergebnis, dass die Arbeiter gestern beauftragt wurden es in Stücke zu schneiden und es zum Verbrennungsofen fortzubringen, wo es verbrannt wurde und die Überreste dann begraben wurden.

Nur zwei Tage später, am 12. Juni, folgte die Gourock Times:

Gourock-Stadtangestellte hatten viele neue Arbeiten in Angriff genommen in den letzten Jahren, aber diese Woche hatten sie eine Angelegenheit zu erfüllen, welche die einzigartigste sein musste, die sie bislang bekommen haben. Ein Riesenhai, 8 Meter [twenty-seven feet] in der Länge, wurde am Ufer nahe M’Inroys Point angeschwemmt. Er war in solch einem Stadium der Verwesung, dass kein Händler die Verantwortung für den „Körper“ übernehmen wollte. Arbeiter mussten ihn in Stücke schneiden und zum Verbrennungsofen fortbringen, wo er verbrannt wurde und die Überreste dann begraben wurden.“

Sicherlich interessant ist die Aussage in einer kurzen Notiz in der Gourock Times vom 11. Juni 1942, dass im Gegensatz zu dem was bislang bekannt war, ein Experte vor Ort den Kadaver untersuchte:

Gourock’s Monster, angespült am Strand am Anfang der Woche, war das Subjekt von Diskussionen. Es brauchte einen herkommenden Experten um zu prüfen, dass es ein Riesenhai war.

Diskussion

Ohne Frage handelte es um einen toten Hai im Juni 1942 in Gourock. Doch alle vernünftigen Erklärungen, um was für eine Art von Hai es sich handelte, entweder einen Riesenhai oder einen fleischfressenden Hai, haben einige Unsicherheiten und offene Fragen.

Karnivorer Hai:

Wenn es ein karnivorer Hai war, müsste es ein ziemlich großes Individuum gewesen sein, wie Dr. Shuker (2003) bereits bemerkte. Wenn wir den Großen Weißen Hai als wahrscheinlichen Kandidat annehmen, müsste es ein Individuum ziemlich deutlich über dem akzeptierten Maximum der Länge sein. Zusätzlich gibt es ein Problem mit der Präsenz von C. carcharias zumindest um Schottland, denn zwar wird dies von einigen als möglich erachtet, aber die einzigen Hinweise hierfür sind unverifizierte Sichtungen und der Fund eines fossilisierten Zahns (Lumley, 2011; Wren, 2012). Außerdem gibt es aufgrund des grundsätzlich gleichartigen Körperbaus zwar die möglich erscheinende Annahme, bis heute aber allgemein keine Beweise dafür, dass ein fleischfressender Hai dieselbe Erscheinungsform wie ein Pseudoplesiosaurier annehmen kann.

Die winzigen Zähne eines Riesenhais (Tiburones Chile)Das Hauptargument für die karnivore Identität und gegen einen Riesenhai mit seinen kleinen Zähnchen ist die Beschreibung von „großen, spitzen Zähnen“. Aber die wichtigste Frage ist dann, wie genau war die Beschreibung von Herrn Rankin? Wir können nichts sagen über die Absicht und ihn persönlich, aber von seinem Bericht und der neu präsentierten Daten können wir beurteilen, dass er sicherlich nicht in jedem Detail und nur zu einem gewissen Grad akkurat war. Es wurde bereits zuvor abgelehnt, dass das Tier keine Anzeichen von Fäulnis aufwies, absolut komplett und unbeschädigt war. Stattdessen indiziert die allgemeine Beschreibung klar einen verwesten Hai was auch von beiden Presseberichten bestätigt wird. Dies alles in Betracht gezogen können einige Zweifel aufkommen, dass der Bericht akkurat ist. Auch sagte er selbst zur Länge der Zähne nach immerhin achtunddreißig Jahren aus, dass diese „vielleicht“ so groß sein könnten wie das erste Glied seines Zeigefingers.

Riesenhai:

Im Gegensatz zu C. carcharias ist die gewöhnliche Verbreitung von C. maximus um und sogar im Firth of Clyde gut dokumentiert (Fairfax, 1998) genauso wie die Erscheinungsform als Pseudoplesiosaurier. Hinsichtlich der „großen spitzen Zähne“ und im Gegensatz zu Dr. Shuker (2003) können wir eine Riesenhai-Identität nicht so einfach abtun, denn es gab zumindest eine ähnliche Beschreibung von Körperteilen eines chilenischen Pseudoplesiosauriers von 1991 (luisrn, 2008). Selbst wenn wir davon ausgehen, dass Rankin über echte Zähne sprach, bleibt die zuvor erwähnte Frage, wie akkurat seine Beschreibung war? Alles in allem scheint eine Riesenhai-Identität plausibler und wahrscheinlicher als alles andere. Speziell nachdem wir nun einige Zeitungsartikel von 1942 haben, die deutlich aussagen es wäre ein Riesenhai und dass ein Experte vor Ort die Identifikation durchführte. Aber um alle Zweifel auszuschließen bleiben einige Fragen wie zum Beispiel die Identität dieses Experten oder einige andere Hilfreiche Daten wie ein Foto des Kadavers.

In Anbetracht dessen würde ich mich über jeden freuen, der mich kontaktiert und mit neuen Informationen zu diesem Fall dienen kann. Und natürlich ist jeder Kommentar via Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Danksagungen

Meinen herzlichsten Dank an Dr. Karl P. N. Shuker, Glen Vaudrey, Claire Jaycock und ganz besonders an Frau Betty Hendry, Senior Library Assistant an der Watt Library.

Quellen

  • Fairfax, Denis (1998). The basking shark in Scotland. Tuckwell Press (East Linton).
  • Harrison, Paul. (2001). Sea Serpents and Lake Monsters of the British Isles. Robert Hale: London.
  • luisrn. (2008). El monstruo del Loch Ness. Los primos de Nessie.
    http://marcianitosverdes.haaan.com/2008/07/el-monstruo-del-loch-ness-los-primos-de-nessie-22/
  • Lumley, John. (2011). Great white sharks 'could be in British waters'.
    http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-14657123
  • Shuker, Karl. (2003). The beasts that hide from man – seeking the world's last undiscovered animals. Paraview Press.: New York.
  • Welfare, Simon and Fairley, John. (1980) Arthur C. Clarke's Mysterious World. Collins (London).
  • Wren, Eddie. (2012). Stay away from the water... Tooth of a great white shark discovered off coast of Scotland gives more evidence that killer creatures like to visit UK.
    http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2198112/Stay-away-water--Tooth-great-white-shark-discovered-coast-Scotland-gives-evidence-killer-creatures-like-visit-UK.html

Bilder

  • Gemälde der angeblichen Seeschlange von Gourock: Glen Vaudrey
  • Reproduktion von Rankins Skizze: Markus Hemmler
  • Riesenhai und Pseudoplesiosaurier-Prozess: Markus Bühler/Markus Hemmler
  • Riesenhaizähne: Tiburones Chile (www.flickr.com/photos/tiburoneschile/4621998927/ and http://www.flickr.com/photos/tiburoneschile/4622603724, CC BY-NC-SA 2.0)