28 | 04 | 2017
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They found a Megalodon!

Trotz der unverbrüchlichen Überzeugung vieler Menschen von ihrer Existenz sind uns die allermeisten Kryptiden den unwiderlegbaren physischen Beleg schuldig geblieben.
Umso mehr reizt die phantasievolle Ausgestaltung des Moments, in dem die rätselhaften Wesen doch in das reine Licht der wissenschaftlichen Anerkennung treten. Im Internet und zunehmend auch in gedruckter Form finden diese Phantasien Ausdruck als so genannte
Cryptofiction, die meistens von einer solchen Transformation im heuvelmanschen Sinne handelt.

Ganz besondere Aufmerksamkeit hat dabei Carcharocles megalodon erfahren, der zum Hauptdarsteller einer Reihe populärer Romane geworden ist. Tatsächlich ist es aber gar nicht notwendig seine Phantasie oder die eines Autoren zu bemühen, um das Wiederauftauchen des größten bekannten Raubfisches auszugestalten: ein Blick in die jüngere Vergangenheit reicht aus. Denn im Jahre 1976 wurde für einige amerikanische Ichthyologen eben dieser große Moment Realität – jedenfalls beinahe.

Soweit dieser Vorfall heute noch zu recherchieren ist, denn es haben sich nur wenige der Beteiligten öffentlich geäußert und viele von ihnen sind mittlerweile verstorben, nahm dieser Vorfall seinen Ausgang von einem hektischen Telefonat ein paar Tage nach dem 15. November 1976.
Es war passenderweise der Autor des Bestseller-Romans über den kleinen Cousin von Carchorcles megalodon und Drehbuchautor des Kino-Sommerhits des Jahres 1975 Jaws (Der Weiße Hai) Peter Benchley, der seinem Bekannten, dem Ichthyologen Richard Ellis, atemlos eröffnete: “They found a Megalodon!”. Benchley hatte über mehrere Ecken davon erfahren, dass ein Schiff der US-Navy am 15. November im Pazifik einen “Megalodon” geborgen hätte.

Und dann brach die Hysterie los. So erinnert sich zumindest Richard Ellis. Ellis war zu diesem Zeitpunkt, genau einen Monat nach der Veröffentlichung seines Book of Sharks, einer Kompilation des damaligen Wissensstandes über Haie, exzellent vernetzt in ichthyologischen Kreisen und begann unmittelbar damit alle verfügbaren Informationsquellen abzugreifen. Natürlich verbreitete sich damit die Kunde von dieser unglaublichen Entdeckung rasend schnell in Fachkreisen. Das genaue Ausmaß der Verbreitung dieser Nachricht und die Anzahl der beteiligten Personen lässt sich heute nicht mehr feststellen. Jedenfalls gelang es bald, genauere Informationen einzuholen:

Das Forschungsschiff der Marine AFB-14 hatte allem Anschein nach nördlich der Insel Oahu des Hawaii-Archipels eine zoologische Sensation an Bord gehievt. Weitere Nachforschungen ergaben dann eher zögerlich, dass der geborgene Hai zur Untersuchung ins Bernice P. Bishop Museum in Honolulu auf Oahu verbracht worden sei. Den Beteiligten muss die Situation jetzt eindeutig erschienen sein, Carcharocles megalodon war wieder aufgetaucht und das ausgerechnet vor den beliebten Stränden Hawaiis. Ein Schiff der Marine hatte passenderweise das wohl wehrhafteste Tier des Ozeans geborgen.Und Ellis' Book of Sharks würde wohl sehr bald eine Neuauflage bekommen. Doch dann begann das Bild Risse zu bekommen: Das Tier hätte intern den Spitznamen “Megamouth” abbekommen und eine öffentliche Erklärung der Navy und des Direktors des

Bernice P. Bishop-Museums, Dr. Leighton R. Taylor, stünde unmittelbar bevor.
Diese Erklärung erfolgte tatsächlich und deckte das Stille-Post-Spielen der beteiligten Ichthyologen auf: Die AFB-14 hatte am 15. November mit einem ihrer Treibanker einen bisher unbekannten, 14 Fuß langen planktonfressenden Hai eingeholt. Intern war das Tier von den Navy-Angehörigen als “Megamouth” bezeichnet worden und auf Drängen einer jungen Lieutnantin zur See ins Bernice P. Bishop Museum in Honolulu verbracht worden. Direktor Taylor arbeitete bereits an einer wissenschaftlichen Beschreibung der neuen Art, die später einmal als Megachasma pelagios, der Riesenmaulhai, bekannt werden sollte. Irgendwann während der ersten Tage dieses Geschehens muss die Information über den Fund den Kreis der unmittelbar Beteiligten verlassen haben und über ein paar Umwege wurde aus dem “Megamouth” der AFB-14 schließlich Benchley's “Megalodon”. Geblieben ist von dieser Episode trotzdem eine zoologische Sensation und bei einigen Ichthyologen - jedenfalls für ein paar Tage – die Gewissheit, dass der größte Raubfisch aller Zeiten weiter seine Bahnen vor unseren Badestränden zieht.