30 | 03 | 2017
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Cadborosaurus (Caddy)

Der kanadischen Provinz British Columbia sagt man nach, sie sei die Heimat zahlreicher Seeungeheuer. Eines von ihnen taucht seit langer Zeit immer wieder in der Cadboro Bay auf, einer Bucht, die nahe der Stadt Victoria auf Vancouver Island liegt. 1933 taufte der Redakteur der „Victoria Daily Times“, Archie H. Wills, die Kreatur auf den Namen „Cadborosaurus“ – kurz „Caddy“. Die Chinhook-Indianer kannten dieses rätselhafte Lebewesen allerdings schon lange unter dem Namen „Hiachuckaluck“.

Im Jahre 1933 begegneten Segler einem mehr als drei Meter langen schlangenartigen Ungeheuer. Sein Kopf erinnerte ihren Aussagen nach an einen Hund oder ein Pferd, während seine Nase der Schnauze eines Kamels glich – ein Detail, auf das man in zahllosen Sichtungsberichten immer wieder stößt. Die „Victoria Daily Times“ berichtete am 5. Oktober jenes Jahres und in der Folgezeit immer wieder über die Beobachtungen, die sich rund um die Cadboro Bay immens häuften.
Fast immer verliefen diese Begegnungen friedlich, wie die Schilderungen der Augenzeugen erkennen lassen. Lediglich einmal soll Cadborosaurus eine Frau und ihren Hund zutiefst erschreckt haben.
Sicherlich sind einige Sichtungsfälle auf große Pinnipedia wie zum Beispiel Seebären, die eine Mähne und einen länglichen Hals besitzen, zurückzuführen. Der männliche See-Elefant (Mirounga angustirostris) kann bis zu sechs Meter lang werden, hat einen relativ langen Hals, ein Brustflossenpaar und einen „Rüssel“ auf dem Kopf, der wie eine nach unten gerichtete Schnauze wirkt – und da diese große Robbe vor der Pazifikküste Nordamerikas vorkommt, speziell in der Region um Vancouver Island, liegt es nahe, dass sie für viele Caddy-Sichtungen verantwortlich sein könnte.
Cadborosaurus gelangte zu weltweiter Berühmtheit unter Monsterfans und Kryptozoologen, als im Juli 1937 ein totes Exemplar gefunden wurde. In der Walfangstation Naden Harbour wurde damals im Magen eines erlegten Pottwals der verweste Kadaver einer mysteriösen und anscheinend unbekannten Kreatur gefunden, die der Wal vor seinem Tod verschluckt haben musste. Die fremdartige Tierleiche war etwa drei Meter lang und besaß einen länglichen Hals mit einem hundeartigen Kopf. Die Schnauze war wie die eines Kamels nach unten gerichtet. Zudem besaß das Wesen zwei kleine Brust- und eine ausgefranste Schwanzflosse, die der eines Fisches ähnelte. Der Kadaver wurde zum Field Museum Chicago gesandt, nach den dortigen Eintragungen ist er jedoch niemals angekommen. Heute existieren nur noch einige wenige Fotografien, die Walfänger und Pressevertreter geschossen hatten. Später teilte ein Museum der Öffentlichkeit mit, dass es sich wohl lediglich um die Frühgeburt eines Wales gehandelt habe. Doch der Kadaver wies keinerlei Ähnlichkeiten mit einem Wal auf, und diese Theorie wurde rasch wieder verworfen. In den 1990er Jahren befassten sich der Zoologe Eduard L. Bousfield und Paul H. LeBlond, ein Professor für Ozeanografie, mit der Entdeckung von 1937. Beide waren fest davon überzeugt, dass es sich um eine Seeschlange handelte und gaben der Kreatur 1995 den wissenschaftlichen Namen „Cadborosaurus willsi“. Dieser Fall eines Kadaverfundes war jedoch nicht der einzige. Im Jahre 1936 wurde bei Camp Fircom (British Columbia) ein undefinierbares totes schlangenartiges Wesen angeschwemmt; elf Jahre später, 1947, fand man an der Küste von Vancouver Island einen langgestreckten Kadaver mit einem kamelähnlichen Kopf.
Kapitän W. A. Hagelund, Autor eines 1987 erschienenen Buches über Cadborosaurus, behauptet ein Wesen gefangen zu haben, das er selbst als "lebenden Vertreter des Nadener Caddy-Fundes" beschreibt. Er ankerte im Jahre 1968 vor Pirate’s Cove, als er eine "kleine, aalförmige Kreatur" erblickte, "die ihren Kopf beim Schwimmen vollständig aus dem Wasser hob, wobei das Schlängeln ihres langen, schlanken Rumpfes dazu führte, dass Teile des Rückens die Wasseroberfläche durchbrachen". Hagelund fischte sie mit einem Netz heraus und nahm sie an Bord genauer unter die Lupe. Das Tier war etwa 40 cm lang und ca. 2,5 cm dick. Sein Unterkiefer trug einen Satz winziger, scharfer Zähne. Der Rücken des Geschöpfes war von plattenartigen Schuppen geschützt, während seine Unterseite von einer Art gelbem Flaum bedeckt war. Aus der Schulterregion wuchs ein Paar kleiner, paddelartiger Füße hervor, und der spatenartige Schwanz entpuppte sich als zwei winzige, paddelähnliche Flossen, die einander überlappten. Hagelund setzte das Wesen in einen Plastikeimer, um es am nächsten Morgen "den Biologen in Departure Bay" zu übergeben. In der Nacht jedoch hörte er das "Schlagen seines Schwanzes und das Kratzen seiner kleinen Zähne und Flossen, während es versuchte, die glatte Oberfläche des Eimers zu erklimmen". Als er begriff, dass "der Kleine bei einer solchen Vorausgabung bis zum Morgen an Erschöpfung einzugehen drohte", ließ Hagelund das Tier frei. Als weitere Begründung sagte der Kapitän, die kleine Seeschlange solle freikommen, "um, wenn möglich, zu überleben, und ihre Bestimmung zu erfüllen. Wenn es ihr gelingt, können wir möglicherweise irgendwann mehr von ihrer Art sehen – und nicht weniger."
Einer Theorie von Karl Shuker und Roy Mackal zufolge könnte es sich bei Caddy um eine ausgestorben geglaubte Walart handeln, möglicherweise einen Verwandten des fossilen, über 20 Meter langen Basilosaurus.

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Diese Geschöpfe besaßen einen eineinhalb Meter langen Schädel und einen etwa drei Meter langen Rumpf. Den Rest machte der riesenhafte Schwanz aus, der in einer walartigen horizontalen Fluke endete. Dieses nach Meinung von Paläontologen bereits vor 40 bis 35 Millionen Jahren ausgestorbene Tier wäre ein beinahe perfekter Kandidat für das Ungeheuer der Cadboro Bay – bliebe nur der lange Hals zu erklären...
Laut einigen Augenzeugenberichten besitzt Caddy die schier unglaubliche Fähigkeit, mit einer Geschwindigkeit von 40 Knoten durch das Wasser zu schwimmen. Cadborosaurus wurde angeblich von hunderten Menschen beobachtet, und alle beschrieben das Aussehen des Ungeheuers gleich oder zumindest ähnlich. Der Präsident des British Columbia Scientific Cryptozoology Club hält Caddy für eine Seeschlange und ist der Meinung, sie ginge zurück auf uralte Legenden aus dem Zeitalter, als noch Götter auf der Erde weilten.
Ist Caddy also tatsächlich ein existierendes Lebewesen? Der berühmte Kadaver ist verschwunden, so dass man ihn heute nicht mehr wissenschaftlich untersuchen kann – nur anhand einiger Fotoaufnahmen. Handelte es sich dabei um eine Fälschung? Noch bleiben viele Fragen offen und Cadborosaurus bleibt ein uralter Mythos, der seiner Aufklärung bedarf.