30 | 03 | 2017
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Peiste

Unter den sagenumwobenen „Peisten“ der Iren versteht man die Gesamtheit der mysteriösen Kreaturen, die angeblich in den zahllosen großen und kleinen Seen Irlands hausen. Neben dem Begriff „Peist“, ursprünglich „piast“, kamen für diese Kreaturen auch die Bezeichnungen „paystha“, „allphiast“, „ullfish“ und, aufgrund ihrer derartigen Gestalt, auch „Pferdeaal“ auf, wegen ihrer pferdeähnlichen Gestalt
In den 1960er Jahren versuchte Kapitän Lionel Leslie die Ungeheuer des Gebietes Lough Connemara in der Grafschaft Galway an die Oberfläche zu locken. Seinen ersten Versuch unternahm er im Oktober 1965 im Lough Fadda, wo 1954 Georgina Carberry ein Ungeheuer gesehen hatte. Leslie erhielt die Genehmigung, mit Dynamit im See zu sprengen. Sein Ziel war es, das Monster durch die Erschütterung aufzuscheuchen und es so an die Oberfläche zu treiben. Er brachte zwei Kilogramm Sprengstoff an einem Felsen an, in dessen Nähe Georgina Carberry das Ungeheuer gesehen hatte, und zündete ihn. Zehn Sekunden später sahen der Kapitän und seine Helfer ein schwarzes Etwas auftauchen. Leider war der See durch die Detonation so unruhig, dass man keine Einzelheiten erkennen konnte. Doch das, was sie erblickten, genügte, um die Gruppe von der Existenz eines Ungeheuers im See zu überzeugen.

Im Oktober 1967 plante Leslie, den Lough Fadda mit einem Netz auszufischen. Seine wochenlangen Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg. Der Kapitän ließ sich hierdurch aber keineswegs entmutigen, ganz im Gegenteil: 1968 machte er sich erneut auf die Suche nach anderen Seeungeheuern Irlands. Mit einem Team plante er, den Lough Nahooin bei Claddaghduff (Galway) wiederum mit einem Netz abzusuchen. Es war ein kleiner See, nur 90 Meter lang und 75 Meter breit. Die Chancen, das Ungeheuer zu fangen, standen also recht gut. Die Männer waren davon überzeugt, fündig zu werden, denn ein Bauer, der in der Nähe lebte – Stephen Coyne –, hatte es kaum fünf Monate zuvor erblickt. Coyne war zum Torfstechen an den See gekommen, begleitet von seinem achtjährigen Sohn und seinem Hund. Er sah etwas Schwarzes im Wasser schwimmen. Erst dachte er, es sei sein Hund, und pfiff ihn zurück. Zu seinem Erstaunen erschien dieser hinter ihm aus dem Wald und begann sogleich, wütend das Objekt im See anzubellen. Das Tier schwamm mit offenem Maul auf den Hund zu, vielleicht, um dessen Gebell zu erwidern, doch als Coyne sich dem Ufer näherte, machte das Wesen kehrt. Mr. Coyne holte seine Frau mitsamt den restlichen drei Kindern, und alle beobachteten gespannt das Ungeheuer bis zum Einbruch der Dunkelheit. Sie konnten es ziemlich genau beschreiben, denn es war bis auf fünf Meter an sie herangeschwommen. Das Tier war etwa dreieinhalb Meter lang und schwarz, mit einer Haut wie ein Aal. Sie konnten auch seinen Schwanz sehen und zwei Höcker, wenn es untertauchte. Der Hals war etwa 30 Zentimeter breit, sein Maul an den Innenseiten hell. Auf dem Kopf saßen zwei Hörner. Niemandem in der Familie waren die Augen sonderlich aufgefallen. Das Ungeheuer, das Georgina Carberry im Lough Fadda beobachtet hatte, besaß ebenfalls ein weißes Maul und das Monster vom Lackagh-See zwei Hörner. Von Höckern berichteten die meisten Augenzeugen. Stephen Coyne erzählte, er habe vor 20 Jahren schon einmal ein Ungeheuer in jenem See gesehen. Es schwamm auf dem Rücken und hatte einen hellen Bauch.
Am 15. Juli 1968 begann man damit, Lough Nahooin mit einem Netz zu durchsuchen. Der See ist höchstens sieben Meter tief, also weitaus leichter zu kontrollieren als Loch Ness mit seinen 200 bis 250 Metern. Was die beiden Seen allerdings gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass Torfpartikel die Sicht unter Wasser erschweren. David James war mit seinem elektronischen Fischlockgerät jedoch ebenso erfolglos wie Leslie mit seinen mit Steinen gefüllten Fässern, die er hinter dem Schiff herzog, um das Ungeheuer aufzuscheuchen. Auch die Netze blieben leer, und Professor Mackal, der bekanntermaßen nach Nessie forschte, konnte seine Harpune ein zweites Mal beiseite stellen – er war wieder nicht zu seiner ersehnten Gewebeprobe gekommen, so wie zuvor schon beim Loch Ness-Monster. Da ihnen nur wenige Tage auf Irland zur Verfügung standen, musste die Suche ergebnislos abgebrochen werden.
1969 entschlossen sich Kapitän Leslie, Ivor Newby, F. W. Holiday und andere zu einem neuerlichen Versuch. Dieses Mal suchten sie drei Seen mit Netzen ab: noch einmal den Nahooin, den Shanaheever und den Auna, wobei letztere miteinander verbunden sind und beide Ungeheuer verbergen sollen.
Ende des 19. Jahrhunderts sah eine Frau eine Art „Pferdeaal“ aus dem Lough Auna ans Ufer kriechen. Sie ergriff bei diesem Anblick sofort die Flucht. Einige Jahre später beobachteten Männer beim Torfstechen ein etwa neun bis zwölf Meter langes Tier mit Buckeln. Es trug eine Mähne oder Flosse am Hals. 1950 bemerkte Patrick Cunning ein schwarzes Wesen am Ufer des Lough Shanaheever. 1963 oder 1964 sah Tommy Joyce, ein Bauer aus der Umgebung, ein etwa zweieinhalb Meter langes graues Etwas im flachen Wasser aus dem Schilf ragen.
All diese Meldungen wurden an Kapitän Leslies Team weitergeleitet, das sich mit den Augenzeugen in Verbindung setzte. Es bestand kein Zweifel an der Echtheit ihrer Aussage, und sie waren überzeugt, etwas ganz und gar Außergewöhnlichem auf der Spur zu sein. Trotz der Fehlschläge, die das Team vorher hatten hinnehmen müssen, machten sie mich mit Eifer und Zuversicht erneut an die Arbeit. Sie waren sogar bereit, den Lough Nahooin noch einmal zu durchsuchen, obwohl sie schon mehrmals enttäuscht worden waren. Denn nur einen Monat zuvor, am 8. September 1968, behauptete der Fischer Thomas Conelly, ein schwarzes Tier – größer als ein Esel – am Seeufer erblickt zu haben. Es verfügte über vier stämmige Beine, glitt langsam ins Wasser und verschwand. Diese Beobachtung erinnert stark an die Beschreibung Patrick Cunnings, der am Shanaheever ein fohlenähnliches Geschöpf gesehen haben will.
Der Plan, Ketten über den Grund des Lough Nahooin zu ziehen, scheiterte daran, dass diese sich in den dichten Seepflanzen verfingen. Man legte also wieder Netze aus und wartete. Die unermüdlichen, jedoch erfolglosen Jäger mussten bald erneut einsehen, dass sie kein Ungeheuer fangen würden.
Alle glaubwürdigen Berichte sprachen dafür, dass die sogenannten Seeungeheuer Amphibien sind, also sowohl im Wasser als auch an Land überleben können. Den Tieren behagt es im Wasser aber offensichtlich mehr, da sie sich dort vermutlich besser verbergen können. Sie gehen nur an Land, wenn sie im Wasser selbst gestört werden, zum Beispiel wenn jemand Jagd auch sie macht. Dann verlassen sie ihren See und wechseln in einen anderen Tümpel – und die Auswahl ist in Connemara wahrlich reich.
Dass die Ungeheuer die Seen verlassen, bestätigen auch zwei weitere Berichte aus Connemara. Im ersten sprach man von einem überdimensionalen Aal, der in einer unterirdischen Verbindung zwischen dem Crolan und dem Derrylea-See steckenblieb und dort verendete. Bei Ballynahinch bastelte sich ein Mann rasch einen notdürftigen Speer, um ein neun Meter langes Untier zu erlegen, das unter eine Brücke eingeklemmt war. Doch noch bevor er zustoßen konnte, kam die Flut dem Tier zur Hilfe und schwemmte es davon.
Geschichten wie diese frustrieren natürlich diejenigen, die sich jahrelang vergeblich bemühen, ein solches Monstrum zu fangen oder auch nur einen Blick darauf zu erhaschen. Wie kommt es, dass immer nur Leute ein Ungeheuer sehen, die gar nicht darauf gefasst sind und dann in panischer Angst das Weite suchen oder gerade keine Kamera in der Hand halten?
1968 erregten zahlreiche Beobachtungen vom Ungeheuer im Sraheens-See auf der Insel Achill Aufsehen. Das Tier war bereits in den 30er Jahren und dann erst wieder 1966 gesehen worden; auch dieser See ist relativ klein und bietet kaum ausreichend Nahrung für ein größeres Lebewesen.
Zwei Anrainer, Michael McNulty und John Cooney, begegneten dem Ungeheuer in der Nacht zum 1. Mai 1968 auf dem Nachhauseweg. Als sie am See vorbeifuhren, überquerte ein seltsames Wesen die Straße und verschwand im Dickicht. Sie konnten es deutlich im Scheinwerferlicht ihres Wagens erkennen, doch setzte sie der Anblick derart in Furcht, dass sie sich nicht lange mit der Frage beschäftigten, was genau es gewesen sein konnte, und mit Vollgas das Weite suchten. Es war zweieinhalb bis drei Meter lang und etwa 75 Zentimeter hoch, hatte einen langen, dicken Schwanz, einen gestreckten Hals und einen schmalen Kopf, ähnlich dem eines Schafes oder Windhundes. Das Tier war glänzend braun und wippte beim Laufen von einer Seite auf die andere.
Nur eine Woche später fuhr der 15 Jahre alte Gay Dever am Tag mit dem Fahrrad am See entlang, als er ein Geräusch im Wasser vernahm. Er stieg ab und sah, wie ein riesiges schwarzes Tier an Land kroch. Es war größer als ein Pferd, hatte einen langen Hals, einen schafsähnlichen Kopf und einen Schwanz; die hinteren Beine waren länger als die beiden vorderen. Gay Dever ergriff sofort die Flucht.
Zwei Tage später bemerkten zwei Anhalterinnen dasselbe Ungeheuer. Sie waren auf dem Weg nach Achill Sound und warteten in der Nähe des Seeufers auf eine Mitfahrgelegenheit. Als endlich ein Wagen hielt, wandte sich eines der Mädchen noch einmal um. Sie und der Fahrer konnten im Mondschein deutlich das Ungeheuer erkennen.
1962 wurde im Lough Dubh angeblich der junge Alphonsus Mullaney unter den Augen seines entsetzten Vaters von einem Untier angegriffen, das einem borstigen Nilpferd mit einem Horn auf der Schnauze glich.
F. W. Holiday, der sich lange Zeit mit Seeungeheuern beschäftigt hatte, meinte, es gäbe mindestens 50 absolut glaubhafte Berichte über die Peiste. Die irischen Seen bieten aber leider mit Sicherheit nicht genug Nahrung für so viele Lebewesen derartiger Dimensionen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass es bis heute nicht gelungen ist, die Existenz auch nur eines einzigen dieser Wesen zu beweisen, stellt sich die Frage, ob es sich vielleicht nicht um gewöhnliche Wassertiere handelt, sondern um unbekannte Arten mit abnormen Verhaltensweisen?
Interessanterweise gibt es Berichte über irische Seeungeheuer aus dem 10. Jahrhundert, die erstaunliche Übereinstimmungen mit den modernen Sichtungen aufweisen. Damals sprach man von Feuer speienden Tieren mit dem Vorderteil eines Pferdes und den Flossen eines Wals. Man brachte sie damals mit den „Kelpies“ in Verbindung – Wassergeister in Pferdegestalt.