15 | 12 | 2017
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Stronsa-Monster

1808 wurde von dem schottischen Bauern John Peace auf den Felsen vor der Orkneyinsel Stronsa (heute Stronsay) ein riesiger, im Laufe der Zeit heiß umstrittener Kadaver gefunden. Am 26. September jenes Jahres war Peace in seinem Boot zum Fischen hinaus aufs Meer gefahren. Bald fiel sein Blick auf eine große Schar Vögel, die über den Felsen um eine gewaltige, unförmige Masse kreisten. Zunächst glaubte der Mann, ein toter Wal habe die Vögel angelockt, doch als er sich näherte, erkannte er, dass es sich um etwas völlig anderes handeln musste. Das verwesende Tier besaß offensichtlich mehrere Flossen oder Arme. Peace hob den größten von ihnen mit seinem Bootshaken an und stellte fest, dass er zum Teil mit 25 Zentimeter langen „Borsten“ besetzt war.

Etwa zehn Tage später wurde der Kadaver während eines Unwetters an den Strand gespült. John Peace begann mit zwei anderen Einheimischen, die seltsamen Überreste gründlich unter die Lupe zu nehmen und Teile des Körpers zu vermessen. Das Skelett bestand aus Knorpel und war beinahe 17 Meter lang. Das Tier hatte einen kleinen Schädel, der auf einem langen Hals saß, eine struppige Mähne, einen langgestreckten Schwanz und sechs Gliedmaßen, an denen jeweils fünf oder sechs „Zehen“ saßen. Vorsorglich entnahmen die Männer einige Gewebeproben, die noch heute vorhanden sind.
Ein weiterer Sturm zerstörte den bereits stark verfaulten Kadaver, doch ein ortsansässiger Maler fertigte mithilfe der Beschreibungen der ursprünglichen Zeugen einige Skizzen davon an. Eine Beschreibung des Tieres erreichte auch den Sekretär der „Wernerian Natural Society“ in Edinburgh, Patrick Neill. Ohne Zögern erklärte dieser, bei dem mysteriösen Kadaverfund handle es sich um jene Kreatur, die Jahrhunderte zuvor schon von dem Skandinavier Hans Egede beschrieben wurde – die Große Seeschlange. Noch bevor er die Aussagen der Augenzeugen gehört oder die vorhandenen Beweisstücke gesehen hatte, schlug Neill vor, dem Ungeheuer von Stronsa den Namen „Halsydrus pontoppidani“ zu geben (etwa: „Meeres-Wasserschlange des Pontoppidan“) – und das nur auf der Basis eines Berichtes dreier Einheimischer und einiger Zeichnungen von Dr. John Barclay, der auf den Orkneyinseln die Überreste des Wesens gesehen hatte.
Schließlich trug der Londoner Arzt und Naturforscher Everard Home alle verfügbaren Informationen über das Wesen, eidesstattliche Erklärungen und Kadaverstücke zusammen. Obwohl sein Ruf nicht ganz einwandfrei war, galt Home dennoch als Experte für den bestmöglichen Kandidaten für das Stronsa-Monster: den Riesenhai (Cetorhinus maximus). Rasch stellte er fest, dass es sich bei dem vermeintlichen Ungeheuer um nichts anderes als um einen solchen Fisch handelte. Die Verwesung habe dazu geführt, dass der Eindruck eines langen Halses und Schwanzes wie auch der struppigen Mähne entstanden war. Auch für die sechs „Pfoten“ hielt er eine Erklärung bereit: Hierbei handle es sich um die vier Flossen und die beiden Begattungsorgane des männlichen Hais. Die angegebene Länge von nahezu 17 Metern tat Home als Irrtum ab, denn so groß war kein bekannter Riesenhai – obgleich die Männer sehr sorgfältig gemessen hatten.
Die Fachwelt ist heute weitgehend davon überzeugt, dass Homes Bestimmung des Tieres im großen und ganzen zutraf. Als wichtigster Beweis gilt das Knorpelskelett, das nur Haie und ihre engsten Verwandten besitzen. Manche sind jedoch der Meinung, dass Home es sich vielleicht zu einfach gemacht hat, als er die Länge des Wesens nicht berücksichtigte – möglicherweise handelte es sich bei dem Kadaver um eine unbekannte Haiart von gewaltigen Ausmaßen.