19 | 09 | 2017
Hauptmenü
Translation
Kryptozoologie-Report
RSS
Partnerprojekte

Ein Sasquatch beim Frisör

Haare sind schon eine interessante Sache. Ganze boomende Berufs- und Industriezweige beschäftigen sich damit, verschiedenste Produktpaletten haben nur Haare als alleiniges Ziel. Ohne viel darüber nachzudenken, geben Menschen weltweit tagtäglich Unsummen für Haarpflegeprodukte, Pelzmäntel, Enthaarungscremes und Hundefrisöre aus- nicht zu vergessen die Unmengen an Wasser, das beim Shamponieren, Färben, Strähnchenlegen und was auch immer arglos weggespült wird.

Im Grunde sind Haare eigentlich nicht viel mehr als Hornfäden, wie Haut und die übrigen Hautanhangsgebilde wie Krallen, Hufe oder Hörner ektodermalen Ursprung. Haare sind, sieht man von einigen ausgestorbenen Pterosauriern ab, ein typisches Säugetiermerkmal. Wer also einen Haarstern kämmen oder bei einem Haarfrosch die Locken aufzeigen will, kommt nicht weit.

Haare, Haare, Haare, nichts als Haare! Nebst der wichtigen Funktion bei der Thermoregulation und dem Schutz vor Unwetter haben Haare, in der Gesamtheit beim Tier auch als Fell oder Pelz bekannt, noch viele weitere Funktionen, sei es Tarnung, Orientierungshilfe (z.B. in Form von Tasthaaren) oder Verteidigung, etwa in Form von Stacheln oder durch Vergrößerung der Körperumrisse („Katzenbuckel", Erdwolf).

Haare dienen als deutlich sichtbare „Visitenkarte", die Mitmenschen bzw. -tiere über Vitalität & Fertilität, Alter, Gesundheit, aktuelle Laune und sozialen Rang des Haarträgers informieren. Beim Menschen kommt der Art und Weise der Frisur zudem noch im sozialen Umgang eine nicht unerhebliche Rolle der Information über z.B. finanzielle Lage, Modebewusstsein oder sogar politische Gesinnung des Haarträgers zu.

Ganz besondere Bedeutung messen viele Menschen dem Ergrauen der Haare (was auf den altersbedingten Stopp der Melaninproduktion zurückzuführen ist) als Zeichen des Altwerdens zu-ein besonders misslicher Zustand in Zeiten überbordender Jugendkultur.

Ein einzelnes graues Haar stürzt manch einen in tiefste Depression und Todesfurcht, und welcher Mann betrachtet nicht bangen Blickes das Zurückweichen der Haarlinie als verhängnisvollen Anfang vom Ende?

Was aber hat dieser wunderliche Haar-Lobgesang mit der Kryptozoologie zu tun? Nun, welches augenscheinliche Merkmal unterscheidet all die Almas und Agogwe, die Batututs und Bigfoots, die Didis und Hibagons, die Yowies und die Yetis, kurz all die „Wilden Hominiden" so sehr von naturbegeisterten heimlichtuerischen Nudisten? Richtig - außer gewissen Unterschieden hinsichtlich Körper - und Schuhgröße ist es vor allem die im Vergleich zu den meisten modernen Menschen üppige Körperbehaarung. 2-5cm soll der Pelz der meisten Wildhominiden lang sein; im Nacken als „Vokuhila" gern etwas länger.

 

Haare von Yeti & Sasquatch wurden & werden ja gern immer wieder gefunden und als Beweis für deren Existenz vorgelegt - bislang mit eher mäßigem Erfolg. Meist lässt sich die Haarprobe als Synthetikhaar vom Gorilla-Karnevalskostüm identifizieren oder entstammt einem mehr oder minder bekannten Tier, sei es Bison, Yak, Serau oder Kaninchen. Im „besten Fall" im Sinne der Bigfoot-Jäger kommt ein ungenaues Ergebnis heraus, das einem Primaten zugeordnet werden kann. Zum Leidwesen der Hobbymonsterforscher handelt es sich bei dem ominösen Primat bei näher gehender Untersuchung meist aber um die Spezies Homo sapiens...Doch auch das wirft echte Fans nicht aus der Bahn; denn wie einige bereits listig bemerkten: es fehlt ja im Grunde ein verifiziertes echtes Wildhominiden-Haar zum Vergleich, um wirklich die Spreu vom Weizen trennen zu können. Da man aber noch keinen Sasquatch zum Frisörbesuch bewegen konnte, dürfte trotz DNS- und Haarstruktur-Abgleich die Angelegenheit nicht zufrieden stellend zu klären sein - zumal immer die Gefahr der möglichen Verunreinigung mit menschlichen Zellen durch das Probensammeln zu berücksichtigen wäre.

Vergleichen wir doch mal die am häufigsten beobachteten Fellfarben von Wildhominiden mit bekannten Menschenaffen:

Schwarzbraun ist...

In diesem Falle nicht die Haselnuss, sondern die am meisten beobachtete Farbe bei Wildhominiden unterschiedlichster Form; dabei werden die zudem sehr variable, mitunter womöglich altersbedingten graduellen Abweichungen beobachtet. So wird von helleren kleineren und damit vermutlich juvenilen Exemplaren und, ähnlich wie bei älteren Schimpansen und v.a. adulten Gorillamännchen von deutlichen „Silberrücken" bei besonders großen und vermutlich männlichen erwachsenen Sasquatches & Co. berichtet.

Silberrücken-Gorilla und Bonobo

Grau selbst ist dabei auch eine recht häufig zu beobachtene Farbform, häufig in Kombination mit verschiedenen Brauntönen.

Während Bonobos meist schwarzhaarig sind, finden sich bei Schimpansen, je nach Art bzw. Unterart, Individuum und Alter unterschiedliche Varianten innerhalb der Farbkategorien Schwarz, Schwarzbraun und -grau. Vor allem bei westlichen Flachlandgorillas fällt die in Vergleich zu anderen Gorillaformen häufig hellere Färbung mit dem teilweise rötlichen Stirnhaaren auf.

Die Farbe Rot

Borneo Orang-Utan Rote Haarfarbe kommt bei Primaten bei einigen Arten, unter anderem einigen Haubenlanguren, Roten Brüllaffen und Uakaris auf. Bei Menschen ist Rothaarigkeit auf nur etwa 2 % der Weltbevölkerung beschränkt; sie entsteht durch das Überwiegen von Phäomelanin- gegenüber dem dunkleren Eumelanin-Pigment.

Auch bei Wildhominiden, unter anderem den Almas, Agogwe und dem Orang-Pendek, wird immer wieder von rötlich-braunen oder rötlich-gelben Individuen berichtet.

Bei den Menschenaffen tun sich hinsichtlich Rotbraunfärbung vor allem die beiden Orang-Utans hervor, wobei die Borneo-Art im Durchschnitt dunkler gefärbt ist.

Weiß wie Schnee...

Sehr häufig wird in den unterschiedlichsten Abbildungen der Yeti als weißhaarig dargestellt. Dieser Trugschluss, der auf der weitläufig verbreiteten Annahme basiert, dass Tiere in kalten, schneereichen Gebieten zwangsläufig weiß sein müssen, ist dabei nicht nur auf den Yeti beschränkt; die populären „Weißen Tiger" werden irrtümlicherweise gern mit Amur-Tigern gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich dabei um stark verinzüchtete Bengaltiger mit gelegentlicher Einkreuzung anderer Tigerunterarten.

Im Grunde sind nur die wenigsten größeren Säuger der kalten Regionen, etwa Dallschaf, Weißwal und Schneeziege, gänzlich weiß. Der populäre Eisbär sieht nur nach außen hin weiß aus; in Wahrheit ist sein Fell durchsichtig, was ihm bei der Thermoregulation teilweise zugute kommt.

Um in schneeärmeren Gebieten und Jahreszeiten nicht aufzufallen, sind die meisten Arten der Hochgebirge und Polargebiete eher grundsätzlich etwas heller gefärbt - oder wechseln zum Jahreszeitenwechsel hin die Fellfarbe mehr oder minder markant.

Es gibt allerdings durchaus Berichte von weißen Wildhominiden; so etwa von der nördlichen Westküste der USA in den 1970igern. Verursacher dieser Sichtungen könnte ein albinotischer oder leuzistischer Sasquatch gewesen sein. Auch gescheckte Individuen sind bekannt, allen voran die „Marked Hominids" Sibiriens oder „Old Yellow Top", der blondmähnige Sasquatch in Ontario.

Copito di Nieve aus dem Zoo BarcelonaDer Unterschied zwischen Albinismus und Leuzismus ist recht leicht erklärt: bei Albinismus können aufgrund einer erblich bedingten Störung in der Enzymkaskade die Hautpigmentzellen, die Melanozyten, kein Melanin bilden; die Körperfärbung ist farblos, die Augen sind aufgrund des Pigmentmangels der Iris und der dadurch durchscheinenden Blutgefässe rot. Bei Leuzismus hingegen fehlen die Melanozyten aufgrund einer embryonalen Entwicklungs- und Verteilungsstörung. Da aber noch durchaus ein Teil pigmentbildende Zellen vor allem im ZNS-System existieren, sind bei leuzistischen Exemplaren die Augen meist normalfarben bzw. hellblau. Gescheckte Tiere stellen im Grunde ebenfalls eine Form von Leuzismus dar; allerdings sind bei ihnen nur bestimmte Körperareale vom Fehlen der Melanozyten betroffen.

Bei Menschenaffen wurden bereits mehrfach weiße Individuen gesichtet und erwähnt. Zwei Fälle sind dokumentiert: das leuzistische Schimpansenweibchen „Pinkie", das 2002 in einer Auffangsstation in Sierra Leone starb und der Albino-Flachlandgorilla „Copito de nieve"(Schneeflocke), der 2003 im Zoo von Barcelona eingeschläfert wurde.

Die hohe Übereinstimmung hinsichtlich Färbung von Wildhominiden bei den verschiedenen Sichtungen weltweit als auch das sporadische Auftreten von zu erwartender Aberrationen in Form von gescheckten Exemplaren und Weißlingen ist ein interessanter Aspekt in Hinblick auf den Wahrheitsgehalt dieser Sichtungen. Bleibt also nur zu hoffen, dass demnächst ein Friseursalon in Sasquatch-Gebieten aufmacht...


Quellennachweis:

  • Bord, Janet u. Colin: "Der amerikanische Yeti", Raststatt: Moewig1998
  • Coleman, Loren / Clark, Jerome: "Cryptozoology A to Z", New York: Fireside 1999
  • Coleman, Loren / Huyghe, Patrick: "The Field Guide to Bigfoot, Yeti and other mystery primates worldwide", New York: Avon Books 1999
  • Engelhardt, Wolfgang v. / Breves, Gerhard: "Physiologie der Haustiere", Stuttgart: Enke 2005
  • Geissmann, Thomas: "Vergleichende Primatologie", Berlin: Springer 2003
  • Heuvelmans, Bernard: "Les bêtes humaines d'Afrique", Paris: Plon 1980
  • Hildebrand, Milton / Goslow, George E.: "Vergleichende und funktionelle Anatomie der Wirbeltiere", Berlin: Springer 2004
  • Meldrum, Jeff: "Sasquatch - Legend meets Science", New York: Forge 2006
  • Shuker, Karl P. N.: "Weltatlas der rätselhaften Phänomene", Bindlach: Gondrom 1996

Bildnachweis: