20 | 08 | 2017
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Ingo Krumbiegel - Von neuen und unentdeckten Tierarten

Ingo Krumbiegel's "Von neuen und unentdeckten Tierarten"

 

Die Beschäftigung mit geheimnisvollen, unbekannten Tieren wird heute vor allem in angelsächsischen Ländern und auf fremden Kontintenten betrieben. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass die Natur in Nordamerika oder im australischen Raum noch viel weniger gut erforscht ist und die Bevölkerungsdichte dort viel niedriger ist als andernorts. Zum anderen liegt es aber daran, dass sich die Kryptozoologie als organisierte Grenzwissenschaft maßgeblich im englischsprachigen Raum entwickeln konnte. 

Man kann mittlerweile sogar so etwas wie eine eigene Geschichte der Suche nach den verborgenen Tierarten nach dem Zweiten Weltkrieg schreiben. Dabei kommt man natürlich nicht darum herum, den belgisch-französischen Biologen Bernard Heuvelmans als Begründer der konzentrierten und wissenschaftlich geführten Suche nach diesen Rätseltieren zu betrachten. Es ist nun aber so, dass Heuvelmans die Kryptozoologie nicht im luftleeren Raum erfand, sondern in einem engen und gegenseitig anregenden schöpferischen Dialog mit dem britisch-amerikanischen Biologen Ivan T. Sanderson. Im Folgenden spiegelte sich die wissenschaftliche Dominanz der USA auch in der Fortentwicklung der Kryptozoologie wider, die heute ganz und gar von amerikanischer Theorie und von amerikanischen Akteuren geprägt wird. 

Dabei war die Faszination für unbekannte Tierarten, deren Existenz sich gerade erahnen ließ, keineswegs auf die genannten Nationen beschränkt. Auch in Deutschland hatten hochgebildete Zoologen wie der von 1903-1990 lebende Ingo Krumbiegel die Fährte der verborgenen Tiere aufgenommen und Anekdoten, Hinweise und rätselhafte Belege gesammelt.

Notwendigerweise unterschieden sich theoretische Positionen und Herangehensweise von den Kollegen aus anderen Ländern. Man kann nur ahnen, wie sich die Kryptozoologie entwickelt hätte, wenn sich eine regelrechte “Deutsche Schule” als kritisches Gegengewicht zu den doch gerne ins Fantastische und manchmal auch unseriöse abdriftenden Amerikanern gebildet hätte. Die gerade einsetzende skeptische Revolution innerhalb der Kryptozoologie wäre womöglich nie nötig geworden.

 

Einen demnach höchst interessanten Gegenentwurf zu dieser heuvelmanschen / sandersonschen Kryptozoologie stellt das 1950 erschienene Kosmos-Bändchen (Kosmos war damals in der wirtschaftlich entbehrungsreichen Zeit eine Art naturwissenschaftlicher Buchclub) Von neuen und unentdeckten Tierarten von Ingo Krumbiegel vor. Auf griffig gelesenen 80 Seiten stellt Krumbiegel die großen zoologischen Entdeckungen des Zeitraums von 1850-1950 dar und geht dann im letzten Drittel zu den "unsicheren" Arten über, einem skeptischen Pendant der heuvelmanschen "Kryptide". Dabei kommt ausführlich  die Sprache auch auf zwei Arten, die Heuvelmans in seinem Erstlingswerk “Auf der Fährte der verborgenen Tiere” gar übergangen hat, nämlich den "Wasserlöwen" des Kongobeckens und das "Waitoreke" Neuseelands. 

Wohltuend abweichend, wenn auch nicht ganz so elaboriert, ist der theoretische Ansatz von Krumbiegel, der für eine skeptische Wissenschaft plädiert und die "Kryptozoologie" in keiner Weise außerhalb der Arbeit der wissenschaftlichen Zoologie verortet sieht. Die Kryptozoologie macht also auch ohne forteanischen Einschlag eine gute Figur! Sehr erfreulich ist das Fehlen des heuvelmanschen a-priori-Denkens, das rätselhafte Beobachtungen gleich völlig aus der Luft gegriffenen hypothetischen Taxa zuordnet, wie z.B. in seinem berühmten Seeschlangen-Bestiarium. Viele der von Krumbiegel in bester skeptischer Geisteshaltung gemachten Einschätzungen nehmen Jahrzehnte von kryptozoologischer Diskussion vorweg, wie z.B. seine Gedanken zu De Loy's "Ameranthropoides". Faszinierend ist auch seine Wiedergabe der Entdeckungs- und Beschreibungsgeschichte des Andenwolfes.

 

Ein überaus lesenswertes Erstlingswerk der deutschsprachigen Kryptozoologie, das mit einer angenehm und für ein breites Publikum geschriebenen Enzyklopädie der neu entdeckten Arten und einigen sehr interessanten Gedanken zu den "unsicheren Arten" aufwartet. Die Systematik ist natürlich nicht mehr auf dem aktuellen Stand. 

 

 

Das Büchlein wurde nicht wieder aufgelegt ist aber in sehr gut erhaltenem Zustand gebraucht auf Amazon.de schon für 3,01 € inkl. Versand erhältlich. Ein gut geschriebener Lesespaß, der nicht nur historisch höchst interessant ist, sondern durch frische Perspektiven und neue Anekdoten besticht und so auch heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat.

 

Das Buch kann zum Bestpreis hier bezogen werden: