31 | 10 | 2014
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Kryptide - was sind verborgene Tiere?

Ein Kryptid?Kryptid“ (engl. „Cryptid“) ist ein neu gebildetes Wort1, das sich vom Begriff „Kryptozoologie“ ableitet. Der Terminus wird verwendet um die verborgenen Tiere, die für die Kryptozoologie von Interesse sind, zu bezeichnen und geht auf John E. Wall aus Manitoba (USA) zurück, der ihn in einem Leserbrief an die International Society of Cryptozoology (veröffentlicht in der Sommerausgabe 1983 des ISC-Newsletter, Vol. 2, Nr. 2, S. 10) in diesem Sinn gebrauchte.

Nach der Definition von Dr. Bernard Heuvelmans ist Kryptozoologie „die wissenschaftliche Studie von Tierformen, deren Existenz nur auf Zeugenaussagen oder Indizien oder auf Material, das jemand als ungenügend bewertet hat, basiert“. Hieraus resultiert, dass sich die Kryptozoologie lediglich mit solchen Kryptiden beschäftigt, für deren tatsächliche Existenz eine Tierform zumindest möglich erscheint.

Unter diesem zoologischen Aspekt wurden auch, neben den klassischen Aufteilungen wie zum Beispiel der Einordnung nach Land- und Wasserlebewesen, verschiedene Klassifizierungssysteme aufgestellt. Nach J. Richard Greenwell, dem ehemaligen geschäftsführenden Sekretär der International Society of Cryptozoology (ISC), kann man Kryptide unterscheiden in

  • Individuen eines bekannten, rezenten Tieres dessen Form, Größe, Farbe oder Musterung außergewöhnlich für die Art ist
  • noch vorhandene und gut bekannte Arten, die als nicht in einem bestimmten Gebiet lebend registriert sind
  • vermutlich ausgestorbene Arten, nicht fossile Formen, die nur durch eingeschränkte organische Beweise (Haut, Knochen, Federn usw.) bekannt sind ohne ein komplettes Fossil
  • bekannte Arten, die als in historischen Zeiten ausgestorben gelten und möglicherweise doch viel länger überlebt haben – vielleicht bis heute
  • Vertreter fossiler Formen (u. a. Dinosaurier), die als während geologischer Zeiten ausgestorben gelten und möglicherweise in historische Zeiten oder sogar bis heute überlebt haben
  • neue Arten, die nur durch anekdotische und ohne organische Beweise bekannt sind.2

Chad Arment stellte in neuerer Zeit ein komprimiertes System vor, erkennt dennoch Greenwells Klassifizierungssystem an:

  • Tiere ähnlich zu bekannten noch lebenden Spezies aber mit offensichtlichen phänotypischen Unterschieden
  • Tiere ähnlich zu bekannten noch lebenden Spezies aber geographisch unbekannt
  • Tiere nur ähnlich zu bekannten, ausgestorbenen Spezies
  • Tiere die in keinem Zusammenhang zu bekannten noch lebenden oder ausgestorbenen Spezies erscheinen

Okapis - Ehemalige KryptideDerartige Klassifizierungen erscheinen aus zoologischer Betrachtung sinnvoll und folgerichtig, sind jedoch am Beginn eines kryptozoologischen Ermittlungsprozesses (fast) immer nur anhand von Interpretationen von Sichtungen und anderen Daten beziehungsweise Spekulationen möglich. Der amerikanische Kryptozoologe Loren Coleman merkt hierzu an: „Weiter gefasst, wissen wir nicht ob ein Kryptid eine unbekannte Tierart oder ein ausgestorben gedachtes Tier oder eine Verwechslung oder nicht mehr als ein Mythos ist, solange keine Beweise gesammelt und auf die ein oder andere Art akzeptiert wurden. Solange diese Bestätigung nicht gefunden wurde, trägt das angebliche Tier die Bezeichnung 'Kryptid', ungeachtet des potentiellen Ergebnisses und ungeachtet der verschiedenen Debatten über seine wahre Identität.

Der Begriff „Kryptid“ ist zum einen also kategorisierend indem er angewandt wird, sobald klar definierte Bedingungen zutreffen und zum anderen phänomenologisch, indem er die Erscheinung der (auch von nur vorgestellten, gedachten) Wesen ohne Individualität und/oder ihr Wesen erfassend bezeichnet. Er benennt letztlich eine ethnozoologische Entität, das heißt das Dasein eines Wesens ohne wirkliche stoffliche Präsenz im Kontext einer bestimmten – zumeist wenig wissenschaftlichen – Weltanschauung.


  1. Neologismus, eine Wortneubildung
  2. Ebenfalls erwähnte Greenwell in seiner Unterteilung neue Arten, die (Ur-)Einwohnern zuvor nicht bekannt oder von diesen nie erwähnt und durch Zufälle entdeckt wurden. Derartige Tiere gehören jedoch nicht zur Kryptozoologie, da es ihnen an der ethnologischen Bekanntheit fehlt.

Quellennachweis:

  • Arment, Chad: “Cryptozoology – Science & Speculation” Landisville: Coachwhip Publications 2004
  • Coleman, Loren / Clark, Jerome: „Cryptozoology A to Z“ New York: Fireside 1999
  • Greenwell, J. Richard (1985): "A classificatory system for cryptozoology"
    In: Cryptozoology 4, 1-14
  • Heuvelmans, Bernard: “On the track of unknown animals” 3. Aufl. London: Kegan Paul 1995 [Orig.: „Sur la Piste de Bêtes Ignorées" Paris: Plon 1955]
  • Wall, John E. (1983): Leserbrief
    In: ISC-Newsletter, Vol. 2
  • · Newton, Michael „Encyclopedia of Cryptozoology: a global guide to hidden animals and their pursuers“ Jefferson: McFarland & Company 2005

Bildnachweis:

  • Affenmenschkryptid: Marozi
  • Okapis: Ralf Schmode, JungleWalk (Public Domain Lizenz)