28 | 04 | 2017
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Mahamba - Riesenkrokodil in Afrika

Der Kongo, das dunkle Herz des afrikanischen Kontinents. Ungezählte Forscher und Abenteurer fanden hier den Tod, auf der Suche nach Elfenbein oder dem menschlichen „schwarzen Gold“. Zu schaffen machten ihnen nicht nur menschenfressende Pygmäen oder die zahllosen Krankheiten, sondern natürlich auch wilde Tiere. Denn für diese ist der Kongo einer der letzten großen Refugien, mit einer Artenanzahl, die ihres gleichen sucht. Noch heute ist nur wenig ist bekannt über die unzugängliche und kaum erforschte Region des inneren Kongo. Eine Tiergruppe die, nicht zuletzt wegen des feuchtwarmen Klimas, im Kongo besonders zahlreich vertreten ist, sind die Reptilien. Aus diesem Grund stammen die berühmtesten kryptozoologischen Vertreter des Kongo auch aus dieser Tiergruppe. Die Unberührtheit des Kongogebietes lässt viele hoffen, dass hier noch Spezies der einst größten und mächtigsten Reptilien den Exodus vor 65 Millionen Jahren überlebten - der Dinosaurier. Doch während die Theorien um den Sauropoden „Mokele-Mbembe“, den Triceratops „Emela-Ntauka“ oder den Stegosaurier „Mbielu-mbielu-mbielu“ umstritten sind, gibt es einen Kryptiden dessen Verwandte das Ende der Dinosaurier bekanntermaßen überlebten und heute noch zu den gefürchtetsten Reptilien der Erde zählen. Hier in den Gewässern des Kongo soll nach den Berichten der Einheimischen, ihr größter Vertreter unsichtbar unter Wasser auf seine ahnungslosen Opfer lauern – Mahamba, das Riesenkrokodil.
Im Jahr 1954 sah der Reisende Guy de la Ruwière ein nach seinen Schätzungen etwa sieben Meter langes Krokodil in den Maika-Sümpfen der heutigen Demokratischen Republik des Kongo. Es streckte seinen mächtigen Kopf mehrer Male aus dem Wasser und zeigte dabei einen ungewöhnlich langen Hals, ehe es mit einer großen Welle abtauchte. In seinen gesammelten Reiseberichten über den Kongo, berichtet der belgische Entdecker John Reinhardt Werner von einem noch gewaltigeren Krokodil. Werner hatte mit seinem Boot auf einer größeren Sandbank angelegt um für sein Essen einige Enten zu schießen. Er erkletterte einen Sandhügel, nachdem er seine baldige Mahlzeit dahinter landen gesehen hatte. Keine fünfzig Meter von seiner erhöhten Position entfernt, erblickte er wie erwartet die Enten. Doch genau auf halbem Weg zwischen ihm und seiner Beute lag das gewaltigste Krokodil, dass er je gesehen hatte.
Crocodylus porosus, das Salzwasserkrokodil
Nach den Vergleichen zwischen der Dampfmaschine seines Bootes und dem Krokodil kam er auf eine ungefähre Größe von sage und schreibe fünfzehn Metern, während er die Körperhöhe des Reptils auf etwa 1, 20 Meter schätzte. John R. Werner schickte sofort einen der einheimischen Begleiter nach seinem Gewehr, denn für die Entenjagd hatte er nur eine kleine Pistole mitgetragen. Nachdem der Junge nach langer Zeit wieder kam, beschloss er mutig aufgrund des Teilnahmslosigkeit des Krokodils das ihn offenbar nicht bemerkt hatte, ein wenig näher in dessen Richtung zu kriechen. Leider alarmierte er dadurch die Enten, die sofort aufflogen und ihn, angesichts seines knappen Vorrates zu einem schnellen, ungezielten Schuss veranlassten. Es kam wie es kommen musste, denn das riesige Krokodil verließ genauso fluchtartig wie vor ihm die Enten die Sandbank hinab ins sichere Wasser und verschwand in den trüben Fluten.
Kaum zwei oder drei Tage später lief der Abenteurer auf einer Sandbank auf. Nachdem sich nur noch ein knapper Meter Wasser unter dem Kiel des Bootes befand, wackelte es ungewöhnlich heftig und wäre nicht der niedrige Wasserpegel gewesen, hätte er beinahe angenommen ein Flusspferd gerammt zu haben. Urplötzlich rannte ein etwa zwölf Meter langes Krokodil, offenbar unangenehm von seinem Boot getroffen, schnell ins tiefere Wasser. Das Tier hatte sie, nachdem der Belgier später darüber nachdachte, bereits gehört und flüchtete ausgerechnet in die Richtung in die ihr Boot auf die Sandbank auflief. Beim Zusammenprall hatte das Tier bereits eine Geschwindigkeit von 64 Kmh aufgenommen.
All diese Berichte veranlassten den bekannten Kryptozoologen und Kongo-Reisenden Roy Mackal auf seinen Expeditionen auf der Suche nach Mokele-Mbembe, die Einheimischen auch über diese Riesenkrokodile zu befragen. Sie bestätigten in der Tat die Existenz eines solch großen Krokodils, dass sie in ihrer Sprache (Lingala) "Mahamba" nannten und klar von "nkoli", dem hier lebenden Nilkrokodil (Crocodylus niloticus) unterschieden. Aber vielleicht trennten die Einheimischen diese Tiere nur wegen der auffälligen Größenunterschiede? Möglicherweise liegt das Geheimnis von Mahamba, so wie das auch von Mokele-Mbembe oder Mbielu-mbielu-mbielu angenommmen wird, in uralter Vergangenheit?

Sarcosuchus-SchädelWirft man einen Blick in die Vergangenheit der Crocodylinae, wird man unabwendbar auch auf eine der eindrucksvollsten Arten aufmerksam, deren Größe die heutiger Arten weit in den Schatten stellte und die zu riesigen Fressmaschinen herangewachsen waren, die selbst in der Lage waren größere Dinosaurier zu erbeuten - die Rede ist vom prähistorischen Riesenkrokodil Deinosuchus!
Bislang ist es nur von fossilen Schädelfunden aus Nordamerika bekannt und erreichte nach heutigen Erkenntnissen im Populationsbestand der Westküste eine maximale Länge von bis zu zwölf Metern. Das Wachstum verlief wie bei rezenten Krokodilen auch in den jungen Jahren sehr rasant, so dass es mit 10 Jahren bereits an die vier Meter Länge erreicht hatte. Neben der hierfür verantwortlichen hohen Wachstumsrate war ein weiterer wichtiger Größenfaktor natürlich auch das jeweilige Verbreitungsgebiet, denn extreme morphologische Entwicklungen erfolgen im Regelfall aufgrund spezifischer Lebensbedingungen oder -umständen. Diese Regel lässt sich auch auf die ungeheure Größe von Riesenkrokodilen anwenden, denn die Tiere der östlichen Deinosuchus-Populationen in Nordamerika waren im Vergleich zu ihren Verwandten im Westen um einiges kleiner. Ein weiterer Grund für diesen Unterschied waren, neben den bereits genannten Faktoren, zu einem großen Anteil die in der Region vorhandenen Beutetieren. Während sich die Populationen im westlichen Teil überwiegend von mittelgroßen bis großen Dinosauriern wie Kritosaurus ernähren konnten, waren die Krokodile in den östlichen Verbreitungsregionen gezwungen mit kleiner bis mittelgroßer Beute zurecht zu kommen.
Die Herkunft des Familie Deinosuchus selbst gibt uns aber auch den Hinweis darauf, dass diese Tiere selbst nicht für die Berichte um Mahamba verantwortlich sein können. Vielmehr gab es im vorzeitlichen Afrika eine weitere Riesenkrokodilart mit dem taxonomischen Namen "Sarcosuchus imperator“. Sarcosuchus lebte vor etwa 110 Millionen Jahren und ist den Paläontologen sowohl aus Afrika aber auch aus Brasilien bekannt. Dieses in etwa gleichgroße Riesenkrokodil hatte im Vergleich zu Deinosuchus einige körperliche Eigenheiten wie zum Beispiel eine sogenannte "Bulla", ein knollenförmiger, knöcherner Auswuchs an der Schnauzenspitze dessen genaue Funktion bislang nur vermutet werden kann. Hat der gigantische Sarcosuchus vielleicht tatsächlich bis in unsere Tage überlebt? Realistisch gesehen, gibt es dafür leider keinerlei Anhaltspunkt. . Ein fünfzehn Meter langes Riesenkrokodil wäre, angesichts der vorhandenen Bedingungen im heutigen Afrika (Elefanten und Flusspferde als einzigste große Beutetiere), als logische Schlussfolgerung dieses Absatzes, selbst im prähistorischen Vergleich nicht haltbar Vielmehr muss die geschätzte Größenangabe über fünfzehn Meter des Entdeckers John R. Werner angezweifelt und nach unten korrigiert werden. Weitaus realistischer als ein prähistorisches Riesenkrokodil scheint die näherliegende Theorie eines übergroßen Nilkrokodils zu sein

Das rezente Nilkrokodil ist im ganzen tropischen und südlichen Afrika sowie in Madagaskar verbreitet. Zudem weiß man, dass diese Art auch keine Scheu vor Salzwasser hat, denn so besiedelten diese Tiere beispielsweise auch die Insel Sansibar. Waren sie einst im Nildelta und an der Mittelmeerküste weit verbreitet sind sie heute nur noch in einzelnen Gruppen in Seen und Wasserlöchern der Sahara oder Mauretanien vertreten. Neben dem australischen Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) zählt das Nilkrokodil zugleich zu den größten Arten der Unterfamilie Crocodylinae. Das längste belegbare Nilkrokodil war 5,50 Meter lang, während nicht nachweisbare Berichte auch von bis zu 7, 60 Meter langen Tieren sprechen. Doch wie groß kann ein Nilkrokodil überhaupt werden?

Die maximale Größe einer Art kann man anhand von Datenerhebungen einzelner Populationen und einigen wenigen Rekordexemplaren annähernd abschätzen. Krokodile wachsen, wie viele andere Tiere auch, in ihren ersten Lebensjahren sehr schnell um möglichst bald den zahlreichen Fressfeinden zu entgehen. Je älter das Tier jedoch wird, desto weniger besteht dazu die Notwendigkeit und die Wachstumsrate verringert sich drastisch. In den ersten sieben Jahren nimmt ein Jungtier im Schnitt etwa 26,5 Zentimeter an Länge zu. Ist es 22 Jahre alt, sind es nur noch an die 3,6 Zentimeter jährlich. Ein fünf Meter langes Nilkrokodil braucht also sehr lange um diese gewaltige Länge zu erreichen. Zudem sind derartig große Nilkrokodile heute kaum noch zu finden, denn die intensive Jagd auf das wertvolle Leder der Tiere verhinderte in der Neuzeit auch die Entwicklung von Rekordexemplaren. Da diese einst jedoch existierten, scheinen Nilkrokodile auch ein entsprechend immens hohes Alter erreicht zu haben. Wachstumsrate zweier Arten der Crocodylinae (Marozi)Vermutungen der Wissenschaftler gehen sogar von über hundert Jahren aus. Wie groß ein Nilkrokodil unter den günstigsten Bedingungen wirklich werden kann, ist auch unter diesen Reptilienexperten nach wie vor umstritten. Gesichert ist lediglich, dass fossile Skelettreste von einer einst in Madagaskar beheimateten Nilkrokodilform gefunden wurden, die auf eine Länge von etwa zehn Metern hindeuten.

Wäre es also unter diesen Aspekten realistisch, dass ein Riesenkrokodil im Kongo, bekannt unter dem Namen Mahamba, existiert? Geht man von einem sehr alten Krokodil mit einer Länge zwischen zehn bis höchstens zwölf Metern aus, besteht hierzu sicherlich eine gute Chance. Zeitgleich wäre eine der faszinierendsten durchaus denkbaren Theorien, die einer Population oder eines einzelnen Exemplars, dessen Wachstumsrate nicht den bisher ermittelten maximalen Längen entspricht. Dass diese Möglichkeit existiert, zeigen uns sowohl die prähistorischen Riesenkrokodile wie Deinosuchus oder Sarcosuchus aber auch andere Tierarten beziehungsweise -gruppen wie die des asiatischen Elefanten aus der nepalesischen Bardia-Region.
Bernard Heuvelmans, der große Kryptozoologe, brachte die Angelegenheit gegenüber Roy Mackal letztlich in einem Satz auf den Punkt: "Only a examination of a skin or a skull can settle the question."

Quellennachweis:

  • Eberhart, Georg M.: "Mysterious Creatures" Santa Barbara: ABC-Clio 2002
  • Mackal, Roy P.: "A Living Dinosaur - In Search of Mokele-Mbembe" Leiden: E. J. Brill 1987
  • Schwimmer, David R.: "King of the Crocodylians" Bloomington: Indiana University Press 2002
  • Sloan, Christopher: "Supercroc and the origin of Crocodiles" Washington D.C.: National Geographic Society 2002
  • Ross, Charles A.: "Krokodile und andere Alligatoren" Niedernhausen: Orbis 2002

Bildnachweis: