21 | 08 | 2017
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Der Beutelwolf auf dem australischen Festland - Seite 2

3.b. Aussterben aufgrund klimatischen Wandels

Gelegentlich angeführt wird manchmal auch ein Aussterben durch klimatischen Wandel im Holozän (Guiler, 1985). Tatsächlich war das Klima auf dem australischen Festland bis vor 6.000 Jahren erheblich feuchter, begann dann aber trockener zu werden, bis der gegenwärtige Zustand um 1.000 v.Chr. erreicht wurde (Guiler, 1985). Die zunehmende Aridisierung Australiens soll Thylacinus cynocephalus den Lebensraum oder die Beute entzogen haben und ihn so zum Aussterben verurteilt haben. Die Abwegigkeit dieses Erklärungsmusters tritt angesichts der historischen Verbreitung von Thylacinus cynocephalus und der Tatsache, dass derartige klimatische Schwankungen seit dem Miozän regelmäßig aufgetreten sind (Murray, 1991), klar hervor. Der historische Beleg umfasst sowohl die feuchten Waldregionen Victorias, Neu-Guineas und Tasmaniens als auch die vor 5.000 v.Chr. trockenen Regionen des inneren Victoria, Western Australia und South Australia.

3.c. Anekdotische Überlieferungen aus dem 19. Jahrhundert

Beutelwolfmalerei aus Gould: The Mammals of AustraliaIn Kenntnis der Möglichkeit einer schleichend fortschreitenden Rarefizierung des Beutelwolfes stellt sich die Frage, ob nicht in den Berichten der britischen Kolonisten und der frühen australischen Wissenschaft sowie in den wenigen aufgezeichneten Erinnerungen der Aborigines anekdotische Belege für eine Begegnung mit einer verbliebenen Festlandspopulation von Beutelwölfen enthalten sind. Diese Frage wurde erstmals von Robert Paddle in seinem Bestreben, sich maßgeblich an originalen Quellen zu orientieren, erörtert (Paddle, 2000). Und tatsächlich lassen sich Berichte britischer Naturforscher finden, die “Festlands-Tiger” thematisieren. Der Chirurg und Naturforscher Dr. John Palmer Litchfield berichtet 1840 folgendes:

>>The dog-faced Dasyurus or native dog (...) occasion[s] much annoyance to the first settlers of a country. In Van Diemen's Land [=T asmania] it was found necessary to offer a reward...In the province [of South Australia]it was also found necessary to offer a reward for destroying them, but their ravages are now pretty much confined to the thinly settled districts.<< (South Australian Record and Australasian Chronicle, 21 March 1840)

>> Der hundsgesichtige Raubbeutler oder Beutel-Hund...sorgt für großen Ärger unter den ersten Siedlern eines Landstriches. In Van Diemen's Land [T asmanien] sah man es als notwendig an, einen Preis auf seinen Kopf auszusetzen. In der Provinz [ South Australia] sah man es ebenso als notwendig an, einen Preis auszusetzen, um sie auszurotten, aber die von ihnen ausgehenden Verwüstungen sind heute weitgehend auf die dünn besiedelten Bezirke begrenzt.<<

Unproblematisch ist die Identität von Litchfield's “dog-faced Dasyurus” mit Thylacinus cynocephalus, wobei “dog-faced” die wörtliche Übersetzung des Artnamens cynocephalus ins Englische ist. Es entspricht auch den historischen Tatsachen, dass bereits vor dem offiziellen staatlichen Preis auf Thylacinus cynocephalus in Tasmanien von 1888 private Kopfgelder ausgesetzt wurden (Guiler, 1985). Litchfield belegt demnach anekdotisch das Vorkommen von Thylacinus cynocephalus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in South Australia, aber auch gezielte Bejagung und Verschwinden der Spezies. Paddle führt einen weiteren britischen Naturforscher, nämlich einen Dr. Cambrian, als Zeuge von “Festlandstigern” an (Paddle, 2000): Cambrian berichtet, persönlich die Überreste von zwei “Festlandstigern” untersucht zu haben. Zum einen habe es sich um ein in den Blue Mountains in der Nähe von Sydney in New South Wales getötetes Tier gehandelt, zum anderen um ein in South Australia erlegtes Weibchen. Cambrian postulierte ein Verbreitungsgebiet von Thylacinus cynocephalus auf dem Festland zwischen South Australia im Süd-Westen und New South Wales im Nord-Osten. Bemerkenswert ist wiederum der anekdotische Beleg für einen Hinweis auf ein Vorkommen in South Australia. Die Möglichkeit, dass Cambrian die Überreste von Tieren aus Tasmanien vorgelegt und ihm gegenüber fälschlicherweise als “Festlandstiger” ausgegeben wurden, erscheint abwegig und bei den damaligen Transportmöglichkeiten zeitlich vor dem Einsetzen forgeschrittener Verwesung kaum möglich. Zuletzt sei an anekdotischen Belegen auf den anderen in Australien beheimateten Kulturkreis hingewiesen: Der aus dem Adnyamathanha- Stamm in Südaustralien stammende Aborigine Mount Serle Bob, der 1919 100-jährig verstarb, war der letzte Aborigine der behauptete, einen Beutelwolf (in seiner Sprache “Marrukurli”) auf dem australischen Festland gesehen zu haben und zwar in seiner Jugend (Paddle, 2000). Abschließend betrachtet ist der bisher bekannte anekdotische Beleg nicht gerade umfangreich, was seine Glaubwürdigkeit allerdings nicht beschädigt. Es ist nämlich zu berücksichtigen, dass die historische Quellenlage aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Australien allgemein dünn ist und wissenschaftliche Beobachtungen dort zu Beginn der Kolonisation hauptsächlich von kursorisch auftauchenden und nur kurz verweilenden Europäern gemacht wurden, die den Ureinwohnern und Kolonisten des “Gefängnis-Kontninents” voller Verachtung gegenüber standen. So ist zu erklären, warum von den frühen Kolonisten und Ureinwohnern gemachte Erfahrungen mit Beutelwölfen auf dem Festland, die beispielsweise in Litchfield's Bericht einfließen, in der wissenschaftlichen Literatur unbeachtet blieben. Für die Glaubwürdigkeit der Berichte sprechen die Übereinstimmung im Verbreitungsgebiet und das Vorkommen sowohl im Kulturkreis der Kolonisten als auch der Aborigines.

3.d. Zusammenschau

Unter Berücksichtigung der neueren oder ehemals missachteten Erkenntnisse ergibt sich in der Zusammenschau ein neuartiges Bild von der Geschichte von Thylacinus cynocephalus auf dem australischen Festland, das an manchen Stellen klarer ist als das Guiler's beispielsweise, insgesamt jedoch alte Gewissheiten überwindet und zahlreiche neue Fragen- und Problemkreise eröffnet. Die Thylacinidae sind eine indigene australische Familie der Beuteltiere, die sich im Altoligozän wohl im Norden Australiens von den Dasyuridae getrennt haben. Sie durchläuft keine große Auffächerung und bringt bereits im späten Miozän die Gattung Thylacinus hervor, die ihren Grundbauplan in den folgenden Jahrmillionen nur geringfügig abwandelt. Im Pleistozän tritt Thylacinus cynocephalus als mittelgroßer Räuber der Dämmerungs- und Nachtzeit auf, der nach dem Verschwinden der pleistozänen Megafauna größter endemischer Landräuber der holozänen Notogaea wird. Ebenfalls im Holozän erfolgt die Trennung der Population in mehrere Subpopulationen, getrennt durch die Bass- und Torres-Strait. Die australische Population ist physisch bis etwa 1000 v. Chr. nachweisbar, anekodotischer Beleg lässt sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts finden. Monokausale Erklärungen des Verschwindens dieser Population leiden an fehlerhaften Annahmen und sind wenig stichhaltig. Ob der quantitative Rückgang von Thylacinus cynocephalus in der fossilen und subfossilen Überlieferung auf dem australischen Festland in den letzten Jahrtausenden mit einem Niedergang der Population zusammenfällt und was die etwaige Erklärung dafür ist, sind offene Fragen.

4. Auswirkungen auf die kryptozoologische Perspektive

Die Auswirkungen auf den kryptozoologischen Problemkreis eines Überlebens von Thylacinus cynocephalus über den 7. September 1936 hinweg sind immens: Die überwiegende Mehrzahl aller mutmaßlichen Sichtungen von Beutelwölfen nach diesem Datum stammen vom australischen Festland, ihnen wurde jedoch durch das bisherige Verständnis von der Geschichte der Festlandspopulation jede Plausibilität abgesprochen. Diffuse Rechtfertigungsversuche über angebliche Umsiedelungen durch das australische Fauna Board zu Beginn des 20. Jahrhunderts taten ihr übriges, um ein vielversprechendes kryptozoologisches Problemfeld vollends zu diskreditieren. Im Lichte des neu gewürdigten physischen und anekdotischen Beleges strahlen die angeblichen Festlandssichtungen aber in neuem Glanz, insbesondere auch die wenigen vor 1937 gemeldeten Sichtungen. Das Modell einer zunehmenden Rarefizierung lässt ausdrücklich Raum für einzelne, regional eng beschränkte Reliktpopulationen, die bis in die heutige Zeit hätten überdauern können. Derartige Populationen würden erwartungsgemäß durch die zunehmende Landnutzung in Australien mit dem Menschen in Kontakt treten und einen kryptozoologischen Problemkreis eröffnen.

5. Mutmaßliche Beutelwolf-Sichtungen auf dem Festland

Im Gegensatz zu den angeblichen Sichtungen von Beutelwölfen in T asmanien nach 1936, die Gegenstand wissenschaftlicher Auswertung und Sammlung wurden (Guiler, 1985), existiert keine derartige umfassende Systematisierung der Festlands-Sichtungen. Es liegen lediglich geographisch oder zeitlich spezialisierte Sammlungen und Einzelauswertungen vor. In ihrer Summe gehen die Sichtungen in die Zigtausende, geographisch verteilen sie sich über den ganzen australischen Kontinent, jedoch mit Schwerpunkt auf den Süden. Die Anzahl an Sichtungen ist sowohl absolut als auch pro Jahr abgesehen von lokalen Maxima und scheinbar periodischen Schwankungen stetig wachsend. Zeitlich sind Sichtungen vor 1936 dokumentiert (Heberle, 2004). Im Folgenden soll auf zwei bemerkenswerte Sichtungen, die großes mediales Interesse gefunden haben, hingewiesen werden. Danach wird der Versuch unternommen aus statistischen Sichtungsdaten allgemeine Schlüsse zu ziehen.

5.a. Die Doyle-Sichtung von 1973

Eine der bekanntesten und aufgrund des Vorliegens von Filmmaterial auch eine der spektakulärsten angeblichen Sichtungen ist eine nach dem Ehepaar Doyle benannte 8 Millimeter-Filmaufnahme aus dem Jahr 1973. Das jung verheiratete Ehepaar Liz und Gary Doyle hatte während eines Ausflugs im australischen Staat South Australia zufällig aus dem fahrenden Auto heraus ein ihnen unbekanntes Tier beim Überqueren einer Straße gefilmt. Der Film zeigt in seiner Länge von etwa 10 Sekunden ein vierbeiniges Säugetier, das auf die Straße vor den Doyles zurennt und sie vor dem fahrenden Auto überquert. Auffällig an dem Tier ist sein langer, steifer und kaum bis gar nicht behaarter Schwanz, den es unbeweglich hinter sich herzieht. Dies bildet auch die Grundage für eine mögliche Identifzierung als Thylacinus cynocephalus. Der Film ist nicht farbecht, so dass die dunkelbraune Färbung des Tieres nicht ins Gewicht fällt. Streifen sind jedenfalls keine erkennbar. Von Befürwortern der Beutelwolf-Identifikation angeführte Argumente sind weiterhin das angeblich “känguruh-artige” Bewegungs- und Fußungsschema und die Körperproportionen des Tieres. In der Wissenschaft herrscht keine Einigkeit über das Bewegungs- und Fußungsschema von Thylacinus cynocephalus und die einzige ernsthafte Rekonstruktion stellt Moellers mithilfe der wenigen Filmaufnahmen von Zootieren aufgestelltes Modell dar (Moeller, 1997). Moellers Modell gibt keinen Hinweis auf das von Trappern gemeinplatzartig beschriebene und angeblich im Doyle-Film zu sehende “känguruh-artige” Hüpfen. In jedem Fall kann in dieser Unkenntnis ein solches Argument nicht angeführt werden. Die Körperproportionen des Tieres auf dem Film stehen nach Vergleich des Autors mit den ebenfalls von Moeller ermittelten durchschnittlichen Körperproportionen von Thylacinus cynocephalus überein (Moeller, 1997). Dies ist aber aufgrund der allgemein schlechten Qualität und Auflösung des Films nicht besonders aussagekräftig und in keinem Fall eine positive Identifikation. Abschließend lässt sich zwar nicht widerlegen, dass es sich bei dem gefilmten Tier um einen Beutelwolf handelt, eine positive Identifikation ist aber jedenfalls ausgeschlossen.

5.b. Die Cameron-Fotografien von 1986

Die Verbreitung des Rotfuches in Australien. Man beachte die nahezu vollkommene Korrelation mit angeblichen Beutelwolf-Sichtungen.Im April 1986 stand die australische Öffentlichkeit noch unter dem Schock des nun offiziellen Aussterbens von Thylacinus cynocephalus. 1982 hatte die IUCN (International Union for Conservation of Nature) den Beutelwolf als ausgestorben erklärt. Auch wenn durch die so genannte Naarding-Sichtung in Tasmanien wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer blieb, breitete sich die schmerzliche Gewissheit aus, für den Verlust des größten Raubbeutlers verantwortlich zu sein. In diese emotional aufgeheizte Situation platzten die im renommierten New Scientist veröffentlichten Farbfotografien, die Kevin Cameron in Western Australia gemacht haben wollte (Douglas, 1984). Sie zeigten eindeutig das Hinterteil eines im Busches verschwindenden Beutelwolfes und waren bestens geeignet, das offenundige Bedürfnis der Menschen nach moralischer Erleichterung zu stillen. Von Beginn an störten sich die Fachleute allerdings an einer etwas unnatürlichen und steifen Körperhaltung, insbesondere der steil nach oben gereckte Schwanz erschien unglaubwürdig. Nachdem das Misstrauen erst einmal geweckt worden war, dauerte es nicht lange, bis eindeutige Belege für Betrug entdeckt wurden: Die Fotografien zeigten das Tier alle in etwa aus der selben Perspektive, was den Eindruck erweckt, sie seien alle unmittelbar hintereinander geschossen worden. Dem war allerdings nachweislich nicht so: An einem auf allen Bildern befindlichen Baum konnte man sehr gut das Wandern des Sonnenschattens zwischen den einzelnen Aufnahmen nachvollziehen. Da sich die Körperhaltung des Tieres in all der verstrichenen Zeit nicht verändert hatte, bedeutet dies, dass Cameron ein statisches Modell oder sogar ein Präparat, das in den Busch drapiert wurde, abfotografiert hatte. Aus dem Hoffnungsträger war eine lumpige Fälschung geworden. Leider wurden die genauen Umstände der Fälschung nicht aufgedeckt, die Schäden für die Kryptozoologie waren jedoch erheblich: In der Folgezeit sollte keiner Sichtung mehr eine solche mediale Aufmerksamkeit gewidmet werden und die Frage nach einem Überleben des Beutelwolfes wurde in der öffentlichen Wahrnehmung von einem berechtigten wissenschaftlichen Interesse zu einem Steckenpferd für Spinner und Fälscher.

5.c. Allgemeine Betrachtungen zu den Sichtungen

Geschlossen werden soll mit einer allgemeinen Betrachtung der Sichtungsstatistiken. Hierzu werden die Statistiken der Rare Fauna Research Society und die von Greg Heberle für den Bundesstaat Western Australia erstellte Statistik verwendet (Heberle, 2004). Zur räumlichen Verteilung aller mutmaßlichen Sichtungen auf dem australischen Kontinent ist festzustellen, dass sich die Mehrzahl aller gemachten Sichtungen auf die Südküste des Kontinents beschränkt, was dem jüngsten historischen Verbreitungsgebiet von Thylacinus cynocephalus entspricht. Andererseits ist anzumerken, dass sich dort ebenfalls eine Konzentration der australischen Bevölkerung befindet, also auch eine Mehrzahl der möglichen “Sichtungsmacher”. Ebenfalls feststellbar ist auch, dass die räumliche Verteilung der mutmaßlichen Sichtungen nahezu vollständig mit den Verbreitungsgebieten von Dingo und Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Australien korreliert. Insgesamt streitet die räumliche Verteilung der Sichtungen also gegen deren Validität, da eine Erklärung durch Fehlidentifikation von Dingo und Rotfuchs einfacher ist und ihr somit der Vorzug zu gewähren ist. Im Anschluss sei die zeitliche Verteilung von gemeldeten Sichtungen in Western Australia betrachtet: Bemerkenswert zunächst, dass auch Sichtungen vor der Verbreitung der Erkenntnis des Aussterbens von Thylacinus cynocephalus vor den 1940ern gemacht wurden. Somit sind nicht alle Sichtungen als von Schuldgefühlen gespeiste Hirngespinste oder Fehlidenitifikationen abzutun und es scheint schon längere Zeit eine Vermutung des Vorkommens des Beutelwolfes in Western Australia zu bestehen. Die Anzahl an Sichtungen pro Jahr steigt von scheinabar zyklischen Schwankungen abgesehen stetig. Aus sich in Tasmanien ganz ähnlich verhaltenden Statistiken leitete Guiler ein Wachsen der vermuteten Population von Beutelwölfen ab (Guiler, 1985).

Anzahl der Beutelwolf-Sichtungen in Western Australia pro Jahr. Grafik nach Heberle, 2004)Abstrakt betrachtet erscheint die Anzahl der Sichtungen pro Jahr als Produkt von Intensität tierischer Aktivität und menschlicher Aktivität sowie der Bereitschaft, eine gemachte Sichtung zu melden. Unzweifelhaft stiegen seit den 1930ern sowohl menschliche Aktivität im Busch als auch Bereitschaft die Sichtung eines ungewöhnlichen Tieres zu melden sprunghaft an. Eine Erklärung der steigenden Sichtungszahl pro Jahr durch ein Anwachsen der tierischen Aktitivität ist somit unnötig und Guiler's Schluss nicht zulässig. Das zyklische Anschwellen zu Höchstständen und das sich anschließende Abfallen wie zu beobachten Ende der 1960er, in den 1980ern und den 1990ern erscheint als Funktion der menschlichen Bereitschaft, Sichtungen zu melden. Ende der 1960er wurden die fantastisch erhaltenen Beutelwolfmumien in Western Australia gefunden, die Anlass zu zahlreichen Spekulationen in der Presse wurden (Moeller, 1997). In den 1980er Jahren war der Beutelwolf durch die Naarding-Sichtung und das offizielle Aussterben Medienthema wie nie zuvor und die 1990er Jahre erlebten ein Wiederaufleben der Hysterie der 1980er mit zahlreichen Sichtungen in Tasmanien und Südaustralien. Ebenfalls interessant ist die zeitliche Verteilung der gemeldeten Sichtungen in Western Australia über den Tag hinweg: Die Verteilung entspricht in etwa einer Glockenkurve mit Hochpunkt um die Mittagsstunde (26 % aller Sichtungen) und in Richtung Nacht- und Morgenstunden steil abfallend (Heberle, 2004). Die Verteilung gemeldeter Sichtungen auf unterschiedliche Tageszeiten erscheint als Funktion des Produktes von tierischer Aktivität und der menschlichen Aktivität. Dies bedeutet, dass am Hochpunkt der Glockenkurve die Schnittmenge der Intensität von tierischer und menschlicher Aktivität am größten ist. Für den Menschen mit seiner auf den Tag zentrierten Aktivität verwundert ein Maximum der Sichtungen um die Mittagszeit nicht. Für den dämmerungs- und nachtaktiven Beutelwolf hingegen erscheint dies unpassend. Würden lediglich echte Beutelwölfe gesichtet, müsste die Kurve tatsächlich zwei Hochpunkte zur Dämmerungszeit, wo die Schnittmenge zwischen tierischer und menschlicher Aktivität am größten wäre, besitzen und zwischen den beiden Hochpunkten in einem äußerst niedrigen Plateau zur Tageszeit und einem höher gelegenen Plateau zur Nachtzeit verlaufen. Dieser Kurvenverlauf ist nicht gegeben, daher bedarf er einer anderen Erklärung: Zweifelsohne würden oftmals, selbst wenn es noch Beutelwölfe gäbe, Hunde, Dingos und Füchse faslch identifiziert und als Beutelwolfsichtung gemeldet. Diese Tiere besitzen den Schwerpunkt ihrer Aktivität in den Tagesstunden, was eine zutreffende Erklärung für den Verlauf der vorliegenden Glockenkurve ist. Andererseits würden diese Tiere im Vergleich zu einer Reliktpopulation von Beutelwölfen um ein Vielfaches zahlreicher vorkommen, so dass sie in jedem Fall die Statistik beherrschen würden, in der die wenigen authentischen Beutelwolfsichtungen einfach untergingen. Jedenfalls sind Hunde, Dingos und Füchse verantwortlich für die vorliegende Verteilung. Ob sich hinter diesem Phänomen Reliktpopulationen von Beutelwöfen verbergen, die in der Statisik untergehen, ist aus den Daten heraus unentscheidbar. Erst ein unumstößlicher physischer Beleg wird den Beutelwolf aus der Traumzeit der ausgestorbenen Spezies befreien können.

Literaturhinweise:

Besonders lesenswert sind:

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    • Tasmanian Tiger: The tragic tale of how the world lost it's most mysterious predator. Von David Owen, Johns Hopkins Univ. Press, 2003

    • Der Beutelwolf: Thylacinus cynocephalus. Von Heinz F. Moeller, Westarp 1997

Quellennachweis:

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