17 | 12 | 2017
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Nachruf auf Dr. Robert H. Rines

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Am 1. November 2009 verstarb Dr. Robert H. Rines im Alter von 87 Jahren an einem Herzinfarkt in seinem Heim in Boston (Massachusetts, USA). Der in derselben Stadt geborene charismatische Rechtsanwalt, Erfinder, Physiker, Feldforscher und Komponist zählte zu seinen vielfältigen Interessen und Aktivitäten auch die Suche nach dem legendären Monster von Loch Ness.

Rines wuchs in Brookline auf als jüngstes von zwei Kindern seiner Eltern, die beide Rechtsanwälte waren. 1942 machte er am Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) seinen Bachelor in Physik. Nach dem Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg diente er im Army Signal Corps als Radaroperator, wo er auch seine Erfinderkarriere startete. Im Laufe seines Lebens konnte er 80 Patente anmelden, darunter Erfindungen im Bereich von Radar- und Sonarverstärkern, Raketenwarnsystemen und bildgebenden Ultraschallmethoden. Seine Arbeit wurde unter anderem im Golfkrieg verwendet, aber auch bei der Suche nach der Titanik und der Bismarck. Nach dem Krieg arbeitete er im Patentamt und studierte nebenher Recht an der Georgetown University in Washington D.C. wo er 1947 abschloss. 1972 machte er seinen Doktor in Mikrowellentechnologie an der Chiao Tung Universität in Taiwan.

Ein völlig anderer Berufsweg, als man zuerst dachte. Denn bereits in frühen Jahren entwickelte Robert Rines eine große Liebe zur Musik. Bekannt ist zum Beispiel die von seiner Frau überlieferte Anektode, dass er im Alter von elf Jahren in einem Sommercamp in Maine wie gewöhnlich Violine spielte. Hiervon beeindruckt fragte ein Zuhörer ob man ihm nicht eine Violine bringen könne, damit er mitspielen könne. So kam es, dass Rines zusammen mit keinem geringeren als Albert Einstein im Duett spielte. Als Komponist schrieb er später Musik für Broadway-Produktionen und andere Aufführungen, darunter zum Beispiel O'Casey's Drums Under the Windows, O'Neill's Long Voyage Home oder Blast and Bravos. Für eine TV- und spätere Bühnenshow erhielt er als Auszeichnung den Fernsehpreis "Emmy".

Den größeren Teil seines Lebens machte jedoch immer die Wissenschaft und die Technik aus. Rines gründete 1963 die "Academy of Applied Sciences" (AAS) mit Sitz in New Hampshire, eine Organisation die sich der Förderung der Wissenschaft, Technologie und Erfindungen - insbesondere unter Hochschulstudenten - widmet. Auch das im selben Bundesstaat residierende "The Franklin Pierce Law Center", eine private Juristenschule zählt zu seinen Gründungen.
Bis beinahe zu seinem Lebensende hielt er Vorlesungen am M.I.T. und an der Harvard-Universität und arbeitete beim Technical Advisory Board des U.S. Department of Commerce. Ein erster Herzinfarkt einige Jahre vor seinem Tod zwang ihn jedoch körperlich kürzer zu treten.

Wenige Menschen können eine derart beeindruckende und vielfältige Lebensgeschichte vorweisen. Umso beeindruckender, dass sich der Wissenschaftler Rines auch mit einem Thema beschäftigte, dass seine Reputation nachhaltig beschädigen hätte können. "Nur wenige von uns sind bereit unsere Reputation zu riskieren für etwas so unwahrscheinliches wie dies, beurteilt mit solchem Spott," erzählte er 1998 dem Boston Magazine. "Wissenschaftler denken es gibt andere Dinge die man tun kann, um Ruhm und Glück zu ernten als etwas verrücktes wie das. So taten wir es still als privates Abenteuer und mussten uns nicht anhören, dass wir verrückte Leute auf Monsterjagd sind und öffentliche Gelder verschwenden."

Sein Interesse am Monster von Loch Ness erwachte 1969 nach einem Vortrag des Biologen und Kryptozoologen Roy Mackal und ließ ihn neben Tim Dinsdale zu einem der bekanntesten "Nessie"-Forscher überhaupt werden. 1970 besuchte er zum ersten Mal Schottlands wohl berühmtesten See um mit einem Team das Ungeheuer mit Hilfe von sexuellen Lockstoffen anzulocken. Der Versuch schlug fehl, doch ein Jahr darauf kehrte Rines mit Sonartechnik ausgerüstet zurück. Auch diesmal verlief die Suche negativ, doch am 23.06.1971 sichteten er und seine erste Frau Carol Williamson, die leider 1993 verstarb, einen etwa sechs Meter langen Buckel im See bei Urquhart Bay. "Ich wollte nicht aufhören anzustarren, was ich nicht glauben konnte. Dort in der Mitte des Loch war der Rücken von irgendwas, als wir unser Teleskop und die Binokulare darauf richteten, sah es aus wie ein riesiger Elefantenrücken und als wir es ansahen hatten wir 10 Minuten."
Auch 1972 kam er wieder mit Sonar und Unterwasserkameras zum See, diesmal bei Temple Pier vor Urquhart Bay. Am 08.08.1972 machten seine Kameras eine Serie von später stark umstrittenen Fotos, darunter das berühmte "Flipper-Foto" das eine rhombenförmige Struktur zeigt ähnlich einer Flosse. keptiker lehnten das Foto als bedeutungslos ab, unter anderem weil erst nach digitaler Bearbeitung deutlich wurde und man eine Manipulation unterstellte (was im weiteren Verlauf bestätigt wurde; wer dies allerdings tat, ist unbekannt). Rines selbst war seitdem umso mehr überzeugt, dass seine Suche ihn letztlich zu einem lebenden Plesiosaurier führen würde.
Drei Jahre später konnte er zwei weitere Fotos seiner Unterwasserkameras vom 21.06.1975 präsentieren. Das sogenannte "Gargoyle-Kopf"-Foto zeigt nach Ansicht einiger das Gesicht bzw. den Kopf des Monsters. Die zweite Aufnahme zeigt eine langhalsige Kreatur die die Kamera passiert. Was die beiden Fotos zeigen liegt, wie schon 1972, jedoch stark im Auge des Betrachters.
Andere Verpflichtungen hielten Robert Rines daraufhin jedoch in Amerika und so kamen 1976, 1978 und 1980 nur Mitglieder der AAS zur Feldforschung in die Highlands von Schottland. Erst 1984 konnte er selbst wieder zum Loch Ness kommen, jedoch ohne größere Ergebnisse.
1991 widmete er sich zusammen mit dem AAS kurzzeitig der Bigfoot-Forschung, als er Gelder für diesen Zweck bereitstellte damit Peter Byrne bewegungssensitive Kameras in Oregon aufstellen konnte. Er zeigte sich enttäuscht, als die Jagd nach Bigfoot nicht dieselben Resultate erbrachte wie seine Suche nach Nessies.
1997 kam Rines zusammen mit Charles Wyckoff zum Loch Ness um einen Dokumentarfilm aufzuzeichnen. Während der Filmaufnahmen machte Rines zwei große Sonarkonakte aus, die die skeptischen Sponsoren von der Existenz des Monsters überzeugten. 2001 sichtete und fotografierte er, begleitet von CBS-Kameras, ein stationäres Objekt am Boden des Sees in einer Tiefe von etwa 100 Metern. Er beschrieb das Objekt als einen "verwesenden oder verwesten Kadaver und Wirbel und Dinge dieser Art" die ähnelten was "Paläontologen uns erzählen, was wir erwarten können zu sehen nach vielen Jahren Verrottung." Als er 2002 versuchen wollte den "Kadaver" zu bergen, konnte er nicht mehr gefunden werden.

37 Jahre widmete Robert Rines sich der Suche nach dem legendären Monster von Loch Ness. Er war es (zusammen mit Sir Peter Scott) der 1975 basierend auf den Fotografien von 1972 und 1975 den formalen lateinischen Namen Nessiteras rhomopteryx ("das Ness-Wunder mit der diamant-förmigen Flosse") vergab (Nature 258 (1975): 466-468), wobei Skeptiker anmerken, dass es sich um ein Anagramm für "Monster Hoax by Sir Peter S" (Monster-Fälschung durch Sir Peter S.) handelt. In den letzten Jahren zog er es in Erwägung, dass denkt, dass sich die Umweltbedingungen im Loch Ness geändert haben und nun nicht länger das mysteriöse Reptil unterstützen. Das Monster könnte daher ausgestorben sein was das Fehlen von Sonarkontakten und Augenzeugensichtungen erklären würde. Eine letzte Expedition unternahm er daher um nach Kadavern zu suchen.

Dr. Robert H. Rines hinterlässt die Söhne Justice und Robert, seine Tochter Suzi Rines-Toth, seine Stieftochter Laura Hayes-Heuer, vier Enkelkinder und seine zweite Frau Joanne Hayes-Rines.

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