29 | 03 | 2017
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Mehr von den Bili-Affen

{mosimage}Trotz des relativ unzugänglichen Gebiets im Herzen der Demokratischen Republik Kongo und den hier lauernden Rebellen des Bürgerkriegs, gelang es Cleve Hicks von der Universität Amsterdam und seinem Team in einer achtzehnmonatigen Feldstudie beginnend mit dem Jahr 2004 Daten über die nur wenig erforschten Bili-Affen zu sammeln. Entgegen ersten Spekulationen über Schimpansen-Gorilla-Hybride oder einer bislang unbekannten, neuen Spezies, handelt es sich um eine Population ungewöhnlich großer Schimpansen mit einer unvergleichlichen Verhaltensweise - und offenbar mit einer Vorliebe für Katzenfleisch.

Diese Vorliebe konnte Hicks dank eines Spurenlesers beobachten, der anhand von ortsgebundenen Schimpansenrufen eine Gruppe der Tiere aufspüren konnte. Diese stillten ihren Hunger an dem Kadaver eines Leoparden. Ob die Schimpansen die Raubkatze selbst erlegt hatten, konnte der Forscher nicht beurteilen. Seine Beobachtung gibt jedoch möglicherweise einen Hinweis darauf, wie die den Bili-Affen nachgesagte „Löwentöter“-Reputation zustandekam. „Was wir gefunden haben, ist eine komplett neue Schimpansenkultur,“ so Hicks. Vorher kannte man die Population nur von Fotos oder Kamerafallen. Der amerikanische Forscher nutzte die Hilfe von Einheimischen um die Gruppe aufzuspüren. „Uns wurde von einem unserer Spurenleser von einer Art Fabelland erzählt, der dorthin fischen geht. Ich nenne es den magischen Wald. Es ist ein sehr spezieller Platz.

Um zu diesem magischen Wald zu gelangen, mussten 40 Kilometer Weg durch den schwer zugänglichen Dschungel zurückgelegt werden. Belohnt wurde er mit einem sehr nahen Kontakt mit der Schimpansengruppe, da diese weitab jeder Wege lebten und somit keine negativen Erfahrungen mit Menschen verbanden.

Hicks konnte so Verhaltensmuster bestätigen wie beispielsweise das Bauen von Nachtlagern auf dem Boden anstatt auf Bäumen. Rund ein Fünftel aller Nester fand er auf der Erde vor. „Wie können sie auf dem Boden schlafen, wenn Leoparden und Goldkatzen um den Weg sind sowie andere gefährliche Tiere wie Elefanten und Büffel und die Predatoren lassen sie in Ruhe? Ich mag es nicht sie als weit aggressiver zu beschreiben, aber vielleicht gehören einige dieser Predatoren zu ihrer Beute und die Predatoren lassen sie daher in Ruhe.“ Obwohl Hicks nur spekulieren kann, wagt er sich zumindest so weit vor und widerspricht den Gerüchten, dass sie den Mond anheulen würden. „Die Bodennester sind sehr groß und es ging offensichtlich etwas sehr ungewöhnliches vor sich. Sie sind nicht unbekannt anderswo aber sehr ungewöhnlich,“ so der Primatenexperte Colin Groves von der Australian National University of Canberra, der ebenfalls vor Ort war. Professor Groves glaubt, dass die Bili-Affen ein radikales Umdenken am Familienstammbaum der Schimpansen-Unterarten auslösen sollten. Er schlug vor, dass die Primatologen nun fünf unterschiedliche Unterarten anstatt der bisherigen vier anerkennen sollten.

Ernährungstechnisch sind die Schimpansen jedenfalls gut abgesichert. So verfügen sie über eine ausgeprägte „Knack-Kultur“. Hicks fand hunderte von niedergeschmetterten Schnecken und hartschaligen Früchten und sah Tiere die Teile von Termitenhügeln zu Steinen schleppten um sie aufzubrechen. Auch fand er eine Schildkröte die mit ziemlicher Sicherheit von den Affen aufgebrochen wurde. Das faszinierendste an dieser Population ist jedoch ihre bislang unbekannte körperliche Größe, womit sie möglicherweise eine der größten überlebenden ständig bestehenden Populationen der Art in Afrika sind. Hicks und sein Kollege Jeroen Swinkels durchquerten ein Areal von 7000 Quadratkilometern und fanden quasi überall Schimpansen - mit uniformen Verhalten. Dennoch ist die Zukunft der Bili-Affen nicht gesichert. „Die Dinge sind nicht vielversprechend,“ so Karl Ammann, ein Wildtierfotograf der 1996 die Affen zu Gesicht bekam. „Das Fehlen einer starken, zentralen Regierung resultierte in den meisten Teilen der Region in Unabhängigkeit und Gesetzlosigkeit. In Naturschutzbegriffen ist dies ein Desaster.

The Guardian 

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